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Orakel: Das verbirgt sich hinter dem Begriff

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ORACLE CHINESE
Ein chinesisches Orakel (Symbolbild) | KnunZ via Getty Images
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  • Wer das Orakel um Hilfe bittet, wendet sich eigentlich an eine höhere Instanz
  • Seit dem Altertum gelten Orakel als Vermittler zwischen Menschen und Göttern

Von der delphischen Pythia bis zu WM-Krake Paul: Das Orakel hat eine lange Tradition beim Vorhersagen der Zukunft. Allerdings ist der Begriff heute gegenüber seiner ursprünglichen Verwendung deutlich aufgeweicht.

Waren Orakel einst Mittler zwischen Menschen und Göttern, wird das Wort Orakel heute für alle möglichen Prophezeiungen verwendet. "Du orakelst" ist außerdem ein spöttischer Ausdruck für vermeintlich unverständliche Aussagen geworden.

Das Orakel im ursprünglichen Sinne

Das Wort Orakel leitet sich vom lateinischen "orare" ab, das sowohl sprechen als auch beten bedeutet. Wer das Orakel aufsucht, erhofft sich himmlischen Beistand für Probleme, Antworten auf Fragen oder einen Blick in die Zukunft mithilfe eines Mediums.

Dies unterscheidet die Orakelbefragung vom gewöhnlichen Hellsehen, bei dem der Hilfesuchende den Hellseher direkt befragt.

Seine größte Bekanntheit hatte das Orakel in der Antike: Vom alten Ägypten über Kleinasien bis zu italienischen Etruskern wurden Orakel gefragt. So wurde in der ägyptischen Oase Siwa eine Orakelstätte gefunden, die dem ägyptischen Gott Amun geweiht war.

Weitere bekannte Orakel befanden sich im lykischen Sura (bei Antalya in der heutigen Türkei), in Dodona bei Ioannina und natürlich in Delphi. Der Ort Delphi im griechischen Parnassgebirge galt nicht nur als wichtigste Kultstätte des Gottes Apollon, sondern sogar als Nabel der Welt (Omphalos).

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Die Befragung des Orakels von Delphi

Über eintausend Jahre wandten sich Hilfesuchende an das Orakel von Delphi. Die Pythia, Priesterin des Apollo und Medium, nahm dazu im Apollontempel über einer Erdspalte Platz, aus der berauschende Dämpfe aufstiegen. In Trance teilte sie dem Fragesteller dann die vagen und verschleierten Antworten des Gottes mit.

Die Athener erhielten beispielsweise vom Orakel den Tipp, ihre Stadt zu verlassen und "mit hölzernen Mauern" zu verteidigen. Themistokles deutete den Orakelspruch als Anweisung, hölzerne Schiffe zu bauen. Tatsächlich besiegte die neue Athener Flotte die heranrückenden Perser in der Schlacht von Salamis - und Athen war gerettet.

Mit dem Untergang der antiken Welt und dem Aufkommen des Christentums verschwanden auch die Orakel: Kaiser Theodosius ließ 391 n. Chr. alle Orakelstätten schließen.

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Die Orakel des alten China

Nicht nur am Mittelmeer gab es Orakel: Aus dem alten China sind verschiedene Orakel wie das Tierknochenorakel und das Stäbchenorakel bekannt.

Beim Tierknochenorakel wurden die Knochen verbrannter Opfertiere von Hellsehern interpretiert. Weit einfacher war das Stäbchenorakel, das in den Tempeln der Göttin Guan-Yin befragt wurde: Dazu wurde aus einem mit beschrifteten Stäbchen gefüllten Becher ein Stäbchen herausgezogen. Die Aufschrift war dann die Antwort auf die zuvor gestellte Frage. Daneben wurden auch Münzen und Murmeln zum Hellsehen verwendet.

Heute gibt es verschiedene Orakel wie das I Ging und das keltisch angehauchte Runen-Orakel, die jedoch eher als Spaß und Zeitvertreib zu sehen sind. Ähnlich einzuordnen ist die Krake Paul aus dem SeaLife Aquarium in Oberhausen, die 2010 weltweit als WM-Orakel berühmt wurde, weil sie die Siege der deutschen Mannschaft voraussah.

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(cho)