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"Auch auf den Montagsdemos wurde gepöbelt": AfD-Mann Poggenburg provoziert bei "Hart aber fair"

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HARD ABER FAIR
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Am Tag der Deutschen Einheit wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck, von Sprechchören und wüsten Beschimpfungen empfangen.

Was ist los in Ostdeutschland, fragen sich derzeit viele Deutsche.

Schon der Titel von Frank Plasbergs gestriger "Hart aber fair"-Sendung zeigte den westlichen Blickwinkel: "Pfiffe, Pöbeleien in Dresden. Einheit- sie pfeifen drauf".

"Das war peinlich. Ich habe mich geschämt"

"Ich bin Ostdeutscher, das ist in den Genen drin", sagt der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg, Mathias Platzeck. Er stellt klar, dass in Dresden nur einige Hundert gepöbelt hatten. Trotzdem: "Das war peinlich. Ich habe mich geschämt."

Der ehemalige "Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs findet den Begriffen "No-Go-Areas", den Plasberg für Städte wie Heidenau und Dresden ins Spiel bringt, nicht übertrieben. Er hätte sich ein beherzteres Auftreten der geschmähten Politiker gewünscht. Als Kohl mit Eiern beworfen worden sei, hätten ihn die Bodyguards zurückhalten müssen, erinnert er sich.

Der Bundespräsident hätte in Dresden sagen sollen: "Gebt mir das Megafon, ich rede mal ans Volk."

"Das ist Empörung, nicht Pöbelei"

Auf die Frage, warum er nur das Verhalten Gaucks anspreche und nicht das der Bundeskanzlerin reagierte Jürgs mit einem Seitenhieb auf Merkels schwache Fähigkeiten als Rednerin: "Ich rede von Rhetorik, Herr Plasberg"

André Poggenburg, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, will den Begriff der Pöbelei nicht gelten lassen. "Das ist Empörung, nicht Pöbelei", sagt er zu den Demonstrationen in Dresden. Die Menschen dort hätten nicht auf die Einheit gepfiffen, sondern auf die "etablierte Politik und die Merkel-Einheitspartei".

Mehr zum Thema: Nach Vorfällen in Dresden: Jan Böhmermann beschimpft Sachsen

Außerdem hätten Sigmar Gabriel mit seinem ausgestreckten Mittelfingern und der Bezeichnung "Pack" mit der Pöbelei angefangen. Claudia Roth unterstellt er sogar, dass sie den Begriff "Deutschland verrecke" benutzt habe - worauf sofort Plasberg einschreitet - so etwas sei ihm nicht bekannt.

"Sie treten das Vermächtnis der friedlichen Revolution mit Füßen"

CDU-Politiker Armin Laschet reagiert empört auf die Ausführungen des AfD-Mannes. "Unser Bundespräsident ist kein Volksverräter", ruft er. Wenn man solches Vokabular benutze, würde man "die Lunte legen". Es würde den Eindruck vermitteln: "Wenn das ein Volksverräter ist, dann darf ich auch Gewalt anwenden."

Poggenburg ließ sich davon nicht beirren und verglich die Ereignisse am Tag der Deutschen Einheit mit den Montagsdemonstrationen. Schließlich sei es auch auf diesen Demos, die zur Wiedervereinigung beitrugen, laut geworden. "Dort wurde ganz deutlich gepöbelt. Ganz deutlich und laut wurde 'Wir sind das Volk' geschrien."

Jetzt platzt der Ost-Beauftragten der Bundesregierung der Kragen:

"Sie treten das Vermächtnis der friedlichen Revolution mit Füßen", ruft sie. "Wörter wie bei denen hat man damals nicht gehört", sagte sie. Poggenburg sollte sich nicht als Erbe und Vertreter der friedlichen Revolution aufspielen.

"Nur weil Pegida montags demonstriert sind das noch keine Montagsdemonstrationen"

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