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Die junge Generation ist so spießig wie noch nie - und sie hat einen guten Grund dafür

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Die junge Generation ist so spießig wie noch nie - und sie hat einen guten Grund dafür | Thomas Barwick via Getty Images
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Es klingt oft ziemlich bissig, wenn Menschen um die 40 über die sogenannte Generation Y reden. Also über jene, die zwischen 1980 und 1999 auf die Welt kamen.

Studien zeigen, dass viele dieser jungen Generation bereit sind, in eine gute Ausbildung zu investieren, und dann einen sicheren Job mit guter Work-Life-Balance haben wollen.

Spießer!?

Viele über 40, die im gemachten Nest sitzen, finden das spießig. Wo bleiben denn da die, die sich Hals über Kopf in den Job stürzen, alles geben, alles riskieren?

Eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung legt nahe: Die Jungen haben gute Gründe, spießige Pläne zu verfolgen.

Die Studie zeigt, welche Menschen zwischen 2009 und 2013 den finanziellen Aufstieg geschafft haben. Die Autoren der Studie haben sich dafür nicht das ganze Vermögen der Menschen angesehen, sondern nur deren Einkommen.

Bildung lohnt sich, es muss aber keine Uni sein

Zumindest ein Abitur zu haben, lohnt sich: Wer viel verdient, hat in der Regel einen hohen formalen Bildungsgrad. Unter den Reichen (ab 58.791 Euro pro Jahr und Einpersonenhaushalt) waren gut 60 Prozent mit Abitur. Unter jenen, die den Aufstieg zu den Reichen geschafft hatten, hatten 58 Prozent Abi.

Uniabschluss ist offensichtlich hilfreich, muss aber nicht unbedingt sein. Unter den Reichen hatten 54 Prozent einen Universitätsabschluss, und nur knapp die Hälfte der Aufsteiger. Offensichtlich lässt sich also mit guter, klassischer Berufsausbildung auch was reißen in Deutschland.

Beamte werden recht häufig reich

Aus den Daten lässt sich außerdem errechnen, welche Berufsgruppe – Angestellte, Beamte, Selbstständige – gemessen an in ihrer Zahl, am öftesten den finanziellen Aufstieg geschafft haben. Und am seltensten abgestürzt sind.

"Beamte haben nicht nur das geringste Risiko der drei Gruppen, arm zu werden. Sie sind öfter als andere aufgestiegen", sagte Dorothee Spannagel von der Böckler Stiftung der Huffington Post.

Beamte schafften es öfter als die anderen, von der Armut in die mittlere Einkommensklasse (11.758 bis 58.791 Euro) – und sogar von dort zu den Reichen aufzusteigen. Das Absturzrisiko in ein Einkommen von weniger als 11.758 Euro? War den Zahlen nach vergleichsweise gering.

Selbstständigkeit - nach wie vor ein riskantes Unterfangen

Selbstständige haben es ebenfalls vergleichsweise oft zu den Reichen geschafft, stürzten aber mit Abstand öfter in die Armut ab als die anderen.

Angestellte schafften vergleichsweise selten große finanzielle Sprünge nach oben, außerdem haben sie Reichtum am öftesten verloren.

Den mittleren Status halten - das geht mit allen Jobs

In der Gruppe, die ein mittleres Einkommen hatte und auch dabei blieb, gab es keine nennenswerten Unterschiede. Das klappte offensichtlich bei Beamten, Angestellten und Selbstständigen.

Was heißt das nun für die Pläne der Generation? "Aus den Zahlen ergibt sich, dass man am besten Beamter wird", sagt Spannagel. Wenn man schon kein reicher Erbe sein könne.

Wenn schon spießig, dann bitte richtig

Also, liebe Generation Y: Spießig sein zahlt sich offenbar aus. Wenn man es gleich richtig durchzieht. Und Beamter wird. Nicht nur Angestellter.

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