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"Deutschland hat seine ersten syrischen Helden": Das schreiben die Medien zur Ergreifung von Dschaber al-Bakr

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BAKR
Ein Polizist nach dem Einsatz in Chemnitz | own
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Der Syrer Dschaber al-Bakr hält Deutschland in Atem. Als Flüchtling nach Deutschland gekommen, wollte er durch Terror Angst und Schrecken verbreiten. Durch einen Patzer der Polizei entkam er am Wochenende der Festnahme.

Dann die überraschende Wendung: Drei Syrer nehmen ihn bei sich auf. Durch Facebook-Posts erkennen sie, dass es sich bei dem Mann um den gesuchten Terroristen handelt. Sie fesseln ihn mit Stromkabeln und rufen die Polizei, die ihn nur noch abholen muss.

So kommentiert die deutsche Presse die außergewöhnliche Ergreifung von al-Bakr:

Alan Posener fordert auf "Welt Online", dass die Syrer, die den Terroristen festnahmen, das Bundesverdienstkreuz bekommen sollen. Er schreibt:

"Sie sind Deutschlands erste syrische Helden. Zweifellos wird der Islamische Staat, zu dem der Bombenbauer al-Bakr wohl Beziehungen hatte, ihnen nach dem Leben trachten. Vielleicht werden wir deshalb diese Helden niemals öffentlich feiern können, obwohl sie ihr Leben riskiert haben, um ihr Gastland zu schützen. Sie verdienen (...) das Bundesverdienstkreuz."

"Die Drei sind Helden"

Auch die "Rhein-Neckar-Zeitung" erklärt die drei syrischen Freunde zu Helden.

"Ganz selten gebären tragische Ereignisse Heldengeschichten. Die verpatzte Festnahme des hochgefährlichen Syrers al-Bakr war ein tragisches Ereignis. Der Mann lief zwei Tage frei herum, niemand wusste, welche Gewalt von ihm ausgehen würde. Und dann machen drei Landsleute al-Bakr unschädlich, übergeben ihn der Polizei. Die Drei sind Helden und die Episode zeigt, dass das Vorurteil der größte Feind eines jeden friedlichen Zusammenlebens ist. Sowohl das Vorurteil, alle Flüchtlinge seien gebeutelte Verfolgte, als auch das Vorurteil, hinter jedem Flüchtling stecke ein potenzieller Terrorist."

Dirk Kurbjuweit weist auf "Spiegel Online" darauf hin, dass der Fall des IS-Terroristen zuerst alle Vorurteile jener zu bestätigen schien, die syrische Flüchtlinge vor allem als Sicherheitsrisiko sehen. Doch dann änderte sich alles.

Der mutmaßliche Terrorist wird gefasst, und wer gab den Tipp? Ein Syrer. Was sagen jetzt die, die mit ihren Vorurteilen schnell bei der Hand waren? Wahrscheinlich nichts. Warten auf die nächste Gelegenheit, in der sich die Welt zunächst simpel präsentiert und die Vorurteile bestätigt erscheinen.

"Komplexe Realität stellt sich einfachen Weltbildern unbequem in den Weg"

Ebenfalls auf "Spiegel Online" erklärt Anna Reimann, wie hilflos die Behörden sind, wenn sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischen.

"Das Problem dabei aber ist - und genau darauf weist der Fall al-Bakr hin: Auch eine lückenlose Überprüfung bedeutet nicht, dass man Extremisten oder Gefährder als solche erkennt. Der terrorverdächtige Syrer ist bisherigen Erkenntnissen zufolge unter seinem echten Namen mit gültigem Pass eingereist."

Der "Münchner Merkur" sieht in den Ereignissen von Chemnitz eine Mahnung an uns alle, nicht in "Schwarz oder weiß" zu denken.

"Zuweilen stellt sich die komplexe Realität den einfachen Weltbildern unbequem in den Weg: Da wird ein syrischer "Flüchtling" von den Geheimdiensten beim Basteln einer Bombe erwischt. Doch die Fahnder stellen sich beim Zugriff dermaßen tölpelhaft an, dass es schließlich andere Syrer sind, die den Gesuchten überwältigen und von der Polizei abholen lassen. So dient das Terrorwochenende von Sachsen, das mit dieser feinen Pointe Gott sei Dank ein gutes Ende nahm, allen Seiten als Mahnung, nicht jenen die Flüchtlingsdebatte zu überlassen, die nur in Schwarz oder Weiß denken."

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