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Berliner Polizei kapituliert: Beamte sollen Fahrrad- und Taschendiebstähle in der Regel nicht mehr verfolgen

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Kleine Vergehen werden von der Berliner Polizei künftig nicht mehr verfolgt | dpa
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  • Die Berliner Polizei will laut einem Bericht bei vielen Straftaten nicht mehr ermitteln
  • Nun hagelt es Kritik
  • Die Polizeigewerkschaft stellt sich hinter die Beamten in der Hauptstadt

Die Berliner Polizei will offenbar bei zahlreichen Straftaten nicht mehr ermitteln. Das berichtet die "Berliner Zeitung". Das Blatt schreibt, Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt habe entschieden, dass die Polizei an der Spree bei Taschendiebstählen künftig nur mehr dann Ermittlungen einleite, wenn diese Aussicht auf Erfolg hätten.

Zudem gibt es dem Bericht zufolge eine Geschäftsanweisung, dass auch beim Klau von Fahrrädern die Berliner Behörden nur ermitteln sollten, wenn eine Aussicht auf Erfolg bestehe. Diese Anweisung stamme jedoch aus dem Jahr 2015.

Zahl der Fahrraddiebstähle drastisch gestiegen

Kommentatoren sind entsetzt. Denn die Zahl der Taschen- und Fahrraddiebstähle ist in Berlin extrem hoch. Seit Jahren hat die Zahl der geklauten Drahtesel stetig zugenommen. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei über 32.200 Fälle. Das ist im Vergleich zum Jahr 2007 eine Steigerung von 59 Prozent.

Die Aufklärungsquote dagegen blieb unverändert niedrig und liegt derzeit bei rund 4 Prozent. Bei diesen Zahlen habe es nur dann einen Sinn zu ermitteln, wenn es auch erfolgversprechend ist, teilte die Polizeiführung laut "Berliner Zeitung" mit.

Das sieht der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) nicht ganz so. „Es macht keinen Sinn zu ermitteln, wenn es nichts zu ermitteln gibt. Die Frage aber ist, wer diese Entscheidung trifft und ob dazu ausreichend fachlich qualifiziertes Personal eingesetzt wird“, sagte der BDK-Landesvorsitzende Michael Böhl.

Gewerkschaft nimmt Berliner Polizei in Schutz

Die Berliner Polizei, die sich auf Anfrage telefonisch und per Mail nicht zu den Vorgängen äußerte, will, wie es aus Polizeikreisen gegenüber der "Huffington Post" heißt, mit der Maßnahme in Zeiten des des Personalmangels Ressourcen für noch dringendere Aufgaben frei machen.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), kann die Aufregung allerdings nicht nachvollziehen: "Das Ganze ist nichts Neues."

Er nimmt seine Kollegen im Gespräch mit der Huffington Post in Schutz. Die Polizei ermittle in jedem Fall, wenn auch nur die geringste Aussicht auf Erfolg bestehe. "Es macht aber keinen Sinn, dass sich die Polizei um Verfahren kümmert, bei denen keine Chance besteht, sie aufzuklären. Warum sollten Beamte dann sinnlos durch die Stadt gejagt werden?"

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