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"Die hässlichste Debatte der jüngeren Geschichte": So urteilen die Medien über das TV-Duell Clinton gegen Trump

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TRUMP
Die TV-Debatte in den Medien: "Die größte Schlammschlacht der Geschichte" | POOL New / Reuters
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Waren sich die Kommentatoren nach einem TV-Duell zwischen Politikern jemals so einig? Kaum. Was daran liegen könnte, dass sich die Kommentatoren nicht daran erinnern können, so etwas wie das zweite TV-Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton schon einmal gesehen zu haben.

Die fast einhellige Reaktion in den Medien: Das Duell war ein weiterer Tiefpunkt des Wahlkampfes. Hier sind die wichtigsten Stimmen zum Duell:

"Die Debatte ist Psycho-Krieg"

„Amerikas zweite TV-Debatte ist Psycho-Krieg“, notiert ein Autorenduo von „Spiegel Online“, „ein Tiefpunkt des Wahlkampfs.“ Trump, der wegen widerlichster Äußerungen über Frauen in Talkshows in der Kritik steht, sieht offenbar keine andere Chance, als zum Gegenangriff überzugehen, zum „totalen Angriff“.

Und weil er Hillary Clinton auf dieser Ebene keine Angriffsfläche bietet, zieht er schmutzige Geschichten über deren Ehemann aus der Tasche.

"Die hässlichste Debatte der jüngeren Geschichte"

Die Journalisten des US-Senders CNN kommen zu dem Schluss, die Zuschauer hätten „die hässlichste, bitterste persönliche Debatte der Präsidentschaftskandidaten in der jüngeren Geschichte“ gesehen. Die „Washington Post“ titelt, das Ganze sei eine Debatte "für die Geschichtsbücher" gewesen.

Ein Reporter des britischen „Guardian“ resümiert, die Debatte sei „mit nichts vergleichbar“ gewesen, was man in der 240 Jahre alten Geschichte des Landes gesehen habe „und zwar nicht im positiven Sinn“.

Es sei die erste Debatte gewesen, in der sich Eltern wohl gewünscht hätten, ihre Kinder ins Bett geschickt zu haben. So aber sahen sie ein „groteskes Spektakel des republikanischen Kandidaten, der in der Kloake stocherte, sich flegelhaft benahm, mit Dreck um sich warf und versuchte, die Politik mit sich hinunterzuziehen.“

"Größte Schlammschlacht"

Der erzkonservative Sender Fox-News hatte das vorausgehen. „Wir werden die größte Schlammschlacht der amerikanischen Geschichte sehen“, schrieb ein Journalist.

Was war passiert?

Trump war noch kurz vor der Debatte mit Frauen aufgetreten, die den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe beschuldigten.

Seine eigenen früheren Äußerungen in Talkshows, als Star könne man Frauen problemlos an die Geschlechtsteile greifen, die in den vergangenen zwei Tagen diskutiert wurden, tat er als längst überholtes Gerede aus der Umkleidekabine ab.

"Clinton war die einzige Erwachsene auf der Bühne"

Außerdem nutzte Trump alle Tricks, um Clinton aus der Fassung zu bringen. Unterbrach sie, schniefte, schnaubte, tigerte hinter ihr herum, zog Grimassen.

Sachthemen? Nebensache.

Ungünstig für Clinton. Denn das ist ihr Beritt.

Ein Kommentator der „New York Times“ findet immerhin, Clinton habe „sich wieder als einzige Erwachsene auf der Bühne präsentiert“ und als einzige, die die Amerikaner von ihrer Vision überzeuge wolle. Wohingegen Trump mal wieder Probleme gehabt habe, irgendetwas Schlüssiges von sich zu geben.

Stattdessen habe Trump seine „entartete Kampagne“ auf den einen Punkt gebracht: „Hass auf Hillary und Bill Clinton“.
Trump habe Clinton dämonisiert und ihr sogar die Schuld daran gegeben, dass er keine Steuern zahle. Aus dieser unternehmerischen „Leistung“ hatte er übrigens noch kürzlich den Schluss gezogen, dass er besonders schlau sei.

Eine niederschmetternde Erkenntnis ...

Das ist schlimm genug. Aber es kommt noch schlimmer.

Bei so viel Theater muss man sich immer wieder klar machen, dass es nicht um Show geht. Sondern um die Zukunft des mächtigsten Staates der Welt. Und damit um viel mehr als nur diesen Staat.

Trump hat nach Ansicht der Beobachter zwar Clintons Vorsprung nicht einholen können. Aber er hat Boden gut gemacht.

„Er schaffte es nach Ansicht von Beobachtern, seinen freien Fall aufzuhalten“, notiert „Welt.de“. „Sueddeutsche.de“ findet, Trump habe eine Blamage abgewehrt.

Trump sei diesmal gut vorbereitet gewesen, habe „recht detailliert“ argumentiert und habe seine Botschaft „Ich stehe für Wandel, sie für den Status Quo“ besser rübergebracht als beim ersten Mal – freilich auch diesmal, ohne konkret zu werden.

Clinton dagegen habe "uninspiriert gewirkt". Es sei schwer zu glauben, dass sie das Misstrauen entkräften könne, das ihr unter anderem wegen der E-Mail-Affäre und ihrer umstrittenen Reden vor Wall-Street-Bankern entgegenschlägt.

"Clinton ist längst nicht so souverän wie bei der ersten TV-Debatte", analysiert ein Autor auf "Spiegel Online". Clinton habe sich auffallend oft in die Defensive drängen lassen und sei von "Trumps animalischer Aggressivität an einem Punkt so genervt, dass sie sich zu der schnippischen Bemerkungen hinreißen lässt."

... und ein Lichtblick

Geradezu tröstlich, dass Clinton wenigstens in den Prognosen vorne liegt. Die "NYT" schreibt: "Jetzt, beim wichtigsten Deal seines Lebens, wird eine Frau besser als er."

Und Fox News geht davon aus, dass das auch so bleibt. Weil Sexthemen Sachthemen schlagen. Selbst in so einem Theater.

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