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Ein Zettel an diesem VW-Bus zeigt, wie die Parkplatzsituation in deutschen Städten eskaliert

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Ein Anwohner regte sich in München über einen geparkten VW-Bus auf. | privat
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Einmal fahr ich noch um den Block. Irgendwo muss doch ein Lücke sein. Diese Gedanken kennen alle Autofahrer, die in deutschen Städten einen Parkplatz suchen. Die Stellplatz-Problematik treibt die Menschen zur Weißglut - und manche wollen auch keinen Hehl mehr aus ihren Gefühlen machen.

Wie ein Bürger in der bayerischen Landeshauptstadt München: Er hatte genug davon, dass ein VW-Bus die kleine Straße im Münchner Stadtteil Ramersdorf zuparkte und handelte. Mit einem Zettel an der Beifahrer-Seite machte er klar, was er von dem großen Gefährt in der kleinen Straße hält.

Er fordert von dem Besitzer des Busses: "Bitte stellen Sie Ihre Wohnwägen auf den Autobahn-Parkplatz. Hier ist eine Anliegerstraße. Sie nehmen den Anliegern die Parkplätze weg!!!"

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Das musste wohl einmal raus.

Darf der Bus dort überhaupt stehen?

Nur leider wird es der Dame oder dem Herren nicht viel nützen. Jeder darf dort parken - ein Parkschein oder ein Anwohner-Parkausweis sind nicht von Nöten. Hinzu kommt, dass ein VW-Bus laut ADAC nicht in die Kategorie Wohnwagen zählt, sondern genauso wie ein Auto einzustufen ist.

Erst ab einem Leergewicht von 3,5 Tonnen ist ein Fahrzeug als Lastwagen zu bewerten.

Ergo: Der Halter des VW-Busses darf sehr wohl dort stehen, ob Anwohner oder nicht. Er hat das selbe Anrecht auf einen Parkplatz in dieser Straße, wie jeder andere Autofahrer auch.

München ist kein Einzelfall

Nicht nur in Bayern sind Parkplätze Mangelware. Auch in anderen, deutschen Großstädten werden die Nerven von Autofahrern tagtäglich strapaziert.

Ein gutes Beispiel ist die Hansestadt Hamburg. Verkehrs-Experten prophezeiten, dass die Parkplatznot immer schlimmer werden wird. "Das ist eine Katastrophe", sagte der Hamburger ADAC-Vorsitzende Ingo Meyer der Hamburger Tageszeitung "Abendblatt". "Ich kann doch nicht den Wohnungsbau forcieren und bewusst Parkplätze vernichten!"

"Bewohnerparken" soll die Parksituation entspannen

Der ADAC hat einige Vorschläge auf den Weg gebracht, die die Parkplatz-Situation in deutschen Städten erleichtern soll. Unter anderem befürwortet der Verein das sogenannte "Bewohnerparken" durch Sonderparkausweise. In einigen Stadtteilen Münchens gibt es diese Regelung seit Längerem.

Die Maßnahme würde bedeuten, dass werktags zwischen 9 und 18 Uhr 50% der Parkplätze für die Bewohner reserviert werden dürfen, ansonsten rund 75%.

Auch die vermehrte Konzentration auf Park and Ride könnte Abhilfe schaffen. Mehrgeschossige Parkanlagen sind platzsparender als ebenerdige Parkplätze. Als zentrumsnahe Bausteine sollten diese Anlagen zum Parkraum-Management in Städten gehören, erklärt der ADAC.

Der Fahrer des VW-Busses dürfte sich heute jedenfalls wundern, wenn er einen Blick auf seine Seitenscheibe wirft. Wer weiß, vielleicht ist in der Straße ja später eine große Parklücke frei.

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(vr)