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Fernsehen in der Zukunft? So funktioniert Waipu.tv

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Keine Fernbedienung nötig: Waipu.tv nutzt stattdessen eine Smartphone-App

Totgesagte leben bekanntlich länger und so erfreut sich das von Internet-Fachmännern seit Jahren totgesagte klassische Fernsehen in Deutschland immer noch größter Beliebtheit. 223 Minuten täglich sahen die Bundesbürger im Durchschnitt laut Angaben der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung im Jahr 2015 fern - über eine halbe Stunde mehr als noch 15 Jahre zuvor. Der IPTV-Service Waipu.tv will jetzt die Art modernisieren, auf die Menschen fernsehen.

Ähnlich den bekannten Streaming-Diensten Magine TV und Zattoo können Waipu.tv-Kunden Fernsehen über das Internet empfangen. Hinter dem Angebot steckt die Münchner Firma Exaring, die sich zusammen mit ihrem Partner Freenet ein verlockendes Angebot ausgedacht hat. Waipu.tv bringt quasi alle wichtigen deutschen Sender über eine entsprechende App aufs Smartphone und auf den Fernseher. Dabei werden den Kunden aber auch einige Besonderheiten geboten, die es so bei der Konkurrenz bisher noch nicht gibt.

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Einfache Installation und Bedienung

Zunächst soll alles ohne Schnickschnack und großen Aufwand funktionieren. Alles was es zur Nutzung des Angebots auf einem Fernseher braucht, ist eben jenes TV-Gerät, ein Chromecast, eine Internetverbindung und ein Smartphone. Im modernen Haushalt sind mindestens drei dieser vier Voraussetzungen ohnehin vorhanden, nur den Chromecast, ein Streaming-Stick von Google, müssten sich einige Nutzer für gerade einmal knapp 40 Euro noch anschaffen. Alles andere, was sonst so mit dem Fernsehen verbunden wird - Fernbedienung, Set-Top-Box und Kabelsalat - fällt weg.

Der Chromecast wird an den Fernseher angeschlossen und mit dem Internet verbunden, über eine entsprechende iOS- oder Android-App werden der Stick und Waipu.tv dann bedient. Außerdem sollen laut Hersteller auch direkt Apps für Smart-TVs zur Verfügung stehen und die Unterstützung weiterer Streaming-Lösungen wie Apple TV und Amazons Fire TV soll in naher Zukunft folgen.

Auch die Bedienung der Waipu.tv-App ist simpel und für geübte Smartphone-Nutzer quasi selbsterklärend. Ein Wisch nach links oder rechts wechselt den Sender. Ein Wisch nach oben, und der ausgewählte Sender wird auf dem TV abgespielt. Währenddessen können Nutzer auf dem Smartphone "zappen" oder auf dem kleinen Display gleichzeitig etwas komplett anderes ansehen. Bis zu vier Screens werden simultan unterstützt. So kann beispielsweise Mama den "Tatort" auf dem Schlafzimmer-TV schauen, während Papa Fußball im Wohnzimmer guckt und der Sohnemann auf seinem Smartphone bei einem Action-Streifen mitfiebert.

Glasfasernetz und Online-Videorekorder

Doch nicht nur der Streit um die Fernbedienung ist Geschichte, auch auf weitere Komfortfunktionen können Konsumenten zurückgreifen. So lassen sich Sendungen nicht nur jederzeit pausieren, bereits laufende Shows oder Filme können auch wie bei einem Videorekorder aufgezeichnet werden. Das Ganze wird auf den Servern von Waipu.tv gespeichert.

Daneben gibt es einen elektronischen Programmführer für die kommenden 14 Tage, über den beliebig viele Sendungen mit nur einem Tipper für eine Aufnahme vorgemerkt werden können. Im teuersten Paket von Waipu.tv können bis zu 50 Stunden an aufgezeichnetem Material angesehen werden. Das System nimmt zwar weiter auf, wenn diese Marke erreicht ist, Nutzer müssen allerdings ältere Aufzeichnungen zuerst löschen, wenn sie neuere sehen wollen, die die 50-Stunden-Marke überschreiten. Über einzelne Pakete lassen sich hier 10 bis 100 Stunden zusätzlich hinzubuchen. Somit tritt das Fernsehen in gewisser Weise auch in Konkurrenz zu Netflix und Co., da sich Nutzer nicht mehr sklavisch an vorgegebene Sendezeiten halten müssen und die Aufnahme zu einem beliebigen Zeitpunkt ansehen können.

Besonders komfortabel ist auch die Schnelligkeit, mit der selbst nach einem ausführlichen Test stets alles reagiert. So können beispielsweise einzelne Stellen von Filmen über das Smartphone punktgenau angewählt werden. Innerhalb weniger Augenblicke springt das System direkt an eben diese Stelle und lässt den Film von dort weiterlaufen. Auch das "Ziehen" eines Senders vom Smartphone auf das TV-Gerät geht schnell vonstatten.

Möglich wird dies durch den Einsatz eines eigenen, deutschlandweiten Glasfasernetzes von Exaring, das über 23 Millionen Haushalte erreicht. Der eigene Internetanbieter stellt somit nur die Infrastruktur vom Haus des Kunden bis hin zu einem der Knotenpunkte des Exaring-Netzes, die sich sehr nahe an zahlreichen Städten befinden. So kann der Service selbst zu Hauptnutzungszeiten herkömmliche Hauptknotenpunkte wie Frankfurt umgehen und eine flüssige Performance garantieren. Das wirkt sich auch auf die Bildqualität des Streams aus, die im Test durchgängig sehr ansehnlich war - nicht nur bei HD-, sondern sogar auch bei den SD-Sendern.

Was kostet das alles?

Wie auch bei Zattoo oder Magine TV ist der Empfang der öffentlich-rechtlichen Sender in SD-Qualität kostenlos möglich. Für knapp fünf Euro im Monat erhalten Nutzer rund die doppelte Auswahl an Sendern (über 50) und auch die Aufnahme- (bis zu zehn Stunden) und Pausenfunktion sind dann nutzbar. HD-Sender und eine Mobil-Funktion fürs Smartphone gibt es dann erst mit einem Paket für rund 15 Euro im Monat. Hier können bis zu 50 Stunden an Aufnahmen angesehen werden. Kündbar sind die kostenpflichtigen Waipu.tv-Pakete monatlich.

Noch besteht Ausbaubedarf

So viel Spaß das Fernsehen auf diese Weise auch macht, einige Funktionen fehlen dann doch derzeit noch für eine komplett zufriedenstellende Benutzung. So gibt es noch keine eigene Tablet-App und auch im Browser kann derzeit noch nicht ferngesehen werden. Zudem gibt es noch nicht alle Sender in HD, da die Angebote der großen Privatsender derzeit nur in SD-Qualität vorliegen. Daran wird genauso bereits gearbeitet, wie auch an einer Suchfunktion für den Programm-Guide sowie an einer noch fehlenden Reihen-Aufnahme-Funktion, mit der in Kürze auch Serien mit nur einem Druck aufgezeichnet werden können sollen.

Auch an die weitere Zukunft wird bereits gedacht. Gaming- und Virtual-Reality-Angebote sowie die Ausspielung von 4K- und 8K-Formaten seien laut dem Anbieter durch das eigene Glasfasernetz möglich. Wir sind gespannt, denn mit dem upgedateten Waipu.tv könnte so tatsächlich die nähere Zukunft des Fernsehens aussehen.