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Schmutziges Geschäft? Darum hat Thalia rechtsextreme Bücher prominent im Sortiment

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Rechte Hetze oder Meinungsfreiheit? Die Buchhandlung Thalia vertreibt nun Bücher des umstrittenen Kopp-Verlags | Andersen Ross via Getty Images
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  • Die Buchhandlung Thalia vertreibt aktuell Bücher des umstrittenen Kopp-Verlags
  • Kritiker mahnen, Thalia gebe so rechten Hetzern eine Bühne
  • Thalia selbst beruft sich in einem Statement gegenüber der Huffington Post auf "Meinungsfreiheit"

Macht die große deutsche Buchhandlung Thalia Geld mit rechter Hetze? Ein aktueller Bericht der "Tageszeitung" legt das nahe. Die Online-Seite der Zeitung berichtete Anfang Oktober davon, dass in einer der rund 200 Filialen der Kette, extrem rechte Literatur prominent angeboten würde.

Unter der Rubrik "Aktuelles" finde man bei Thalia in Bremen aktuell diverse Bücher des umstrittenen Kopp-Verlags. Dieser ist bekannt für seine rassistischen und verschwörungstheoretischen Autoren.

Zwischen dem neuen "Harry Potter" und Erotikliteratur können dort Kunden also nun Titel wie "Beuteland Deutschland. Die systematische Plünderung Deutschlands seit 1945" oder "Grenzenlos kriminell. Was uns Politik und Massenmedien über die Straftaten von Migranten verschweigen" erwerben.

"Rechtsextremistische und antisemitische Argumentationsmuster"

Doch wie rechts sind die Kopp-Bücher tatsächlich? Der Verfassungsschutz beobachtet den Verlag mit Sitz im baden-württembergischen Rottenburg jedenfalls schon länger.

Und von Seiten des zuständigen Innenministeriums Baden-Württemberg heißt es, der Verlag vertreibe teilweise auch Bücher, "die von rechtsextremistischen Verlagen herausgegeben werden oder von rechtsextremistischen Autoren stammen“. Die Schriften bedienten sich "naturgemäß rechtsextremistischer und antisemitischer Argumentationsmuster".

Zum Thema: Kopp-Verlag und Co. - das Geschäft mit dem besorgten Bürger

Muss sich eine große Buchhandlung wie Thalia nicht von solchen Angeboten distanzieren? "Ja", sagt Kristina Vogt, Fraktionsvorsitzende der Bremer Linkspartei, im Interview mit der "taz". "Von einer großen Buchhandlungskette wie Thalia wünscht man sich schon eine Meinung und vor allem auch eine Haltung."

Rechte Leserschaften als wachsender Markt

Überrascht sei sie angesichts des "grassierenden Rechtsrucks in der Gesellschaft" allerdings nicht von der Entscheidung der Buchhandlung. Schließlich seien rechte Leserschaften ein "wachsender Markt", sagt Vogt.

Auch von dem Rechtsextremismus-Experten Max Wengel hagelt es Kritik. "Durch den Verkauf solcher Bücher bietet Thalia den Autorinnen und Autoren die Möglichkeit, ihre in Teilen rechtspopulistischen, rassistischen und verschwörungstheoretischen Inhalte zu verbreiten."

Für ihn dürfe der Buchhandel geistigen Brandstiftern keine Bühne bieten.

"Meinungsfreiheit" oder rechte Hetze?

Die Buchhandlung selbst weist jegliche Verantwortung in einem Statement gegenüber der Huffington Post zurück - und beruft sich auf "Meinungsfreiheit". Man sei sich zwar durchaus bewusst, dass einige angebotene Buchtitel "umstritten" seien, schreibt die Pressesprecherin des Unternehmens, Julia Hattrup.

Allerdings sehe man es nicht als die Aufgabe der Buchhändler, die Titel aufgrund ihres Inhalts aus dem Sortiment auszuschließen - das sei vielmehr Aufgabe der Bundesprüfstellen.

"Weil ein Titel in einer Thalia-Buchhandlung erhältlich ist, heißt dies nicht, dass Thalia als Unternehmen den Inhalt eines jeden erhältlichen Buches befürwortet", heißt es weiter.

"Das Angebot orientiert sich an den Kunden-Wünschen"

Bei den von der "taz" angesprochenen Titel auf den "Aktuelles"-Tischen handele es sich zudem keinesfalls um Empfehlungen.

"Vielmehr geht es uns bei der Auswahl der Titel um eine Mischung verschiedenster Perspektiven zu einem aktuell diskutierten Thema, sodass Leser die Möglichkeit haben, sich umfassend zu einem Thema zu informieren, sich mit verschiedenen Blickwinkeln auseinanderzusetzen und sich so eine eigene Meinung zu bilden".

Des Weiteren verweist die Buchhandlung darauf, dass auf den angesprochenen Tischen auch Titel wie "Wer den Wind säht" von Michael Lüders oder "Ein Araber und ein Deutscher müssen reden" von Hamed Abdel-Samad im Angebot gewesen wären.

Auf die Frage, wie die Auswahl der Bücher zustande kam, antwortet Hattrup, diese orientiere sich an den Wünschen der Kunden "unter Berücksichtigung aktueller Themen und Trends".

In einem scheinen sich Verlag und Kritiker also einig zu sein: Die Nachfrage nach rechter Literatur ist vorhanden - ob man diese bedienen muss, ist eine andere Frage.

Die Supermarktkette Edeka sah sich jüngst mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert. Ein Hamburger Edeka-Markt hatte im Sommer 2016 das rechte Magazin "Compact" verkauft - nach einem Aufschrei über Twitter dieses allerdings wieder aus dem Sortiment genommen. In der Edeka-Zentrale hieß es auf Anfrage damals, die Firma distanziere sich von jedem rechten Gedankengut.

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(vr)