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Trump löst "Kernschmelze" aus – aus diesem Grund lassen ihn jetzt seine Unterstützer fallen

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DONALD TRUMP GOP
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. | ASSOCIATED PRESS
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  • Donald Trump verursacht mit seinem neuesten Skandal eine Krise in seiner Partei
  • Für die republikanische Partei sind Trumps sexistische Aussagen aus mehreren Gründen gefährlich
  • Mehrere republikanische Abgeordnete wollen den Kandidaten loswerden - doch der denkt nicht daran, aufzugeben

Der US-Nachrichtensender CNN spricht von einer "Kernschmelze" der Partei, die sie in ihrer neueren Geschichte so noch nie erlebt habe. Die "Washington Post" nennt die Affäre eine "epische und historische Krise".

Nur einen Monat vor der Präsidentenwahl rebellieren immer mehr Abgeordnete aus den Reihen der Republikaner gegen ihren eigenen Kandidaten. Grund ist die Veröffentlichung eines Videos, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt und sie mit üblen Worten herabwürdigt.

Laut "Washington Post" forderten bis Samstagnachmittag mehr als zwei Dutzend republikanische Abgeordnete Trump dazu auf, aus dem Rennen um das Präsidentenamt auszusteigen. Von allen Enthüllungen über den Kandidaten ist dies damit die schlimmste. Trump verliert in rasender Geschwindigkeit den Rückhalt früherer Unterstützer, wie "n-tv" berichtet

Will: "Wir schämen uns alle dafür"

Einer neuen Umfrage im Auftrag des Nachrichtenportals "Politico" zufolge steht die Mehrheit von Trumps Anhängern weiter hinter ihm – nur zwölf Prozent der republikanischen Wähler sagten nach der Veröffentlichung des Videos, dass Trump aus dem Präsidentenrennen aussteigen sollte. Seine Äußerungen schocken dennoch viele Amerikaner.

Im Internet haben die frauenfeindlichen Sprüche bereits eine Aufschrei-Debatte in Bewegung gesetzt. Unter dem Hashtag #notokay berichten Frauen auf Twitter, wie sie Opfer sexueller Übergriffe geworden sind.

Mari Maseng Will, Redenschreiberin und Kommunikationsdirektorin des ehemaligen republikanischen Präsidenten Ronald Reagan, sagte der "Welt“: "Wir schämen uns alle dafür und es ist kaum zu glauben, dass wir jemanden nominieren konnten, der sexuell noch verdorbener ist als die Clintons."

Trotz des gewaltigen Unmuts in der eigenen Partei ließ Trump wissen, dass er weiter um seinen Platz im Weißen Haus kämpfen will. "Keine Chance, dass ich aufhören werde", sagte er dem "Wall Street Journal".

Fernsehdebatte am Sonntagabend

Umso spannender wird deshalb die anstehende Fernsehdebatte am Sonntagabend. Es liegt nahe, dass Trump in dem TV-Duell versuchen wird, Bill Clinton mit in die Sexismus-Debatte mit einzubeziehen. Schon kurz nach der ersten Debatte hatte er gesagt, dass er zunächst vorhatte, über Bill Clintons Affären zu sprechen, sich dann aber doch noch zurückgehalten habe.

Das dürfte jetzt anders aussehen. Schon in einem Video-Statement, in dem er sich für seine Äußerungen entschuldigte, sagte Trump: "Bill Clinton hat Frauen tatsächlich missbraucht und Hillary Clinton hat seine Opfer schikaniert, angegriffen und eingeschüchtert". Er kündigte an, in den kommenden Tagen stärker darüber sprechen zu wollen.

Wieso distanzieren sich jetzt so viele Republikaner von Trump?

Für einen Ausstieg dürfte es mittlerweile zu spät sein. Wie die Washington Post berichtet, haben mehr als 34.000 republikanische Wähler bereits ihre Stimmzettel abgegeben und in manchen Staaten ist die Frist für die Aufstellung von neuen Kandidaten bereits abgelaufen.

Aber wie kommt es, dass sich nach dem neuen Skandal so viele Republikaner gegen ihren gewählten Präsidentschaftskandidaten stellen? Trump hat schließlich schon vorher einen Skandal an den anderen gereiht, ohne sich so viele Feinde in der eigenen Partei zu machen.

Je näher die Wahl rückt, desto gefährlicher wird ein Skandal wie dieser. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Aufschrei bis zum 8. November wieder verstummt, ist lange nicht so groß wie noch bei vorangegangenen Fehlern Trumps.

Wahlen für Senat und Repräsentantenhaus

Die aktuelle Aufregung in der republikanischen Partei könnte vor allem darin begründet sein, dass am 8. November nicht nur der Präsident gewählt wird. Bei der Wahl werden auch ein Drittel des Senats und das ganze Repräsentantenhaus neu gewählt.

Die Affäre schmälert deshalb nicht nur die Chancen der Republikaner auf das Präsidentenamt, sondern auch ihre politische Kraft in den Gesetzgebungsorganen. Mit der Wahl vor Augen ist es für viele republikanische Abgeordnete ein taktischer Schritt, sich deutlich von Trump zu distanzieren.

Damit sind sie allerdings reichlich spät. Trump hat zuvor oft genug mit Beleidigungen und rassistischen Äußerungen gezeigt, wer er ist. Dass viele Abgeordnete der Republikaner erst jetzt versuchen, von dem sinkenden Schiff zu springen, wirkt vor diesem Hintergrund wie Heuchelei.

Wer sich nicht schon längst von Trump distanziert hat, der hat es eigentlich nicht verdient, Abstand nehmen, wenn dessen Höhenflug zum Absturz wird.

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(tos)