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Diese Kurve zeigt, warum wir Angst vor dem Abstieg haben müssen

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ELEFANT
Wolfgang Kaehler via Getty Images
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  • Weltweit steigt die Ungleichheit zwischen Arm und Reich
  • Symbol ist eine Kurve, die wie der Rücken eines Elefanten aussieht
  • Die Prognose ihres Erfinders lautet: In den nächsten Jahren werden sich die Schichten noch weiter entfremden

Die Deutschen müssen sich vor dem Elefanten fürchten. Wer das Tier bislang kannte als Sinnbild für Gedächtnisleistungen, Stärke und Ausgeglichenheit, sollte schleunigst umdenken. Denn das schwergewichtige Rüsseltier ist dabei, zum ultimativen Symbol für Ungerechtigkeit und relative Armut zu werden.

Daran hat der Elefant selbst keine Schuld. Es ist wohl Zufall, dass seine Silhouette bei erhobenem Rüssel fast genauso aussieht wie eine Kurve, die der Wirtschaftswissenschaftler Branko Milanović errechnet hat. Über das Phänomen berichtet derzeit die die "Süddeutsche Zeitung". Die sogenannte Elefanten-Kurve gibt Auskunft über die Entwicklung der Weltwirtschaft in den Jahren 1988 bis 2008 - und ist für die meisten Deutschen keine gute Nachricht.

Die deutsche Mittelschicht gehört zu den weltweiten Verlierern

Denn die Statistik des früheren Weltbank-Ökonomen beschreibt, welche Einkommensschichten in der Zeit wie stark vom Wachstum der globalen Wirtschaft profitiert haben. An dieser Stelle kommt der Elefant ins Spiel: Stark stiegen die Einkommen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, besonders stark allerdings bei der weltweiten Mittelschicht, also auf dem Buckel des Tiers.

Die Superreichen, an Spitze des Rüssels, verzeichneten einen noch höheren Zuwachs. Nur wenig legte zu, wer sich im durchhängenden Teil des Rüssels befand - dabei handelt es sich die Mittelschicht der schon vor langer Zeit zu Wohlstand gekommenen Nationen. Wie Deutschland.

Wer nämlich hierzulande Mitglied der Mittelschicht ist, gehört im weltweiten Vergleich zur Oberschicht, weil Milliarden Menschen in wirtschaftlich lange Zeit abgehängten Ländern wie Indien und China leben. Deren Aufstieg jedoch verschiebt kräftig die aktuellen Verhältnisse.

"Ein globales Problem"

Die Mittelschicht der Industrieländer hat vom weltweiten Zuwachs fast nichts abbekommen. Aus der Kurve geht somit hervor: Weltweit betrachtet steigt die Ungleichheit. "Sie ist ein globales Problem", sagte Milanović der Zeitung. Wie so häufig beim Wachstum gibt es Gewinner und Verlierer. Gewinner sind die Mittelschichten Asiens, Verlierer der ärmere Bevölkerungsteil in wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern.

Die Folge: China etwa holt derart schnell auf, dass dessen Einwohner von der Kaufkraft her längst etwa die Bürger Rumäniens oder des Baltikums überholt haben.

Wo das Wachstum erlahmt, fühlen sich die Betroffenen als Verlierer. Die Auswirkungen sind auch hierzulande zu spüren - siehe Pegida oder die jüngsten Landtagswahlen. Mit der Angst vor wachsender Macht im Ausland kommt die Angst vor dem Fremden.

Es gibt eine Lösung - aber die kommt nicht so schnell

Hoffnung auf Besserung gibt es derzeit keine: Er sei "sehr skeptisch, dass in den nächsten Jahrzehnten eine Rückkehr zu Wachstumsraten wie früher realistisch wäre", sagte Milanović. Noch schlimmer: Der Höhepunkt der Ungleichheit sei noch gar nicht erreicht. Die Unterschiede zwischen den weltweiten Schichten werden sich also noch weiter verzerren.

Möglichkeiten, dem entgegenzusteuern, gibt es wenige. Für Deutschland betrachtet sind sie derzeit nicht einmal besonders realistisch: Milanović schlägt höhere Vermögens- und Erbschaftsteuern vor. Denn wenn in den einzelnen Ländern die Ungleichheit sinkt, geschieht dies auch auf weltweiter Ebene.

Bis es soweit sein sollte, müssen sich viele Deutsche mit dem Gedanken abfinden, auf der Verliererseite zu stehen.

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