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"Er ist erledigt": Kompromittierendes Video bringt Trump in Erklärungsnot

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  • Ein Video aus dem Jahr 2005 bringt Trump in Bedrängnis
  • Darin macht er sexistische Sprüche über Frauen und prahlt mit sexuellen Übergriffen
  • Selbst manchen Republikanern geht das zu weit
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Ist das Donald Trumps Waterloo? Nur zwei Tage vor der nächsten Fernsehdebatte der US-Präsidentschaftskandidaten taucht ein Video mit vulgären Äußerungen des einstigen Entertainment-Stars über Frauen auf - so drastisch, dass in den US-Nachrichtensendungen gleich mehrere Worte durch einen Piepton ersetzt wurden.

Schamlos beschreibt der damals bereits mit Melania, seiner jetzigen Frau, verheiratete Mann seinen Versuch, eine andere verheiratete Frau zu verführen. Und er brüstet sich, dass man es sich als Star erlauben könne, Frauen ungefragt zu küssen und ihr Geschlechtsteil zu begrapschen: "Du kannst alles machen."

Trump sagt unter anderem in dem Video über eine Frau, das vor einem Auftritt des Milliardärs in einer Fernsehshow entstand: "Ich habe versucht, sie zu f*****, aber sie war verheiratet." Er habe sie sogar zum Möbel kaufen ausgeführt, um sie rumzukriegen. Und weiter: "Aber inzwischen hat sie gefälschte Titten, sie hat ihr Aussehen völlig verändert."

Als Trump eine Schauspielerin entdeckt, sagt er weiter: "Ich muss gleich ein paar Tic Tacs nehmen, nur für den Fall, dass ich anfange, sie zu küssen. Wissen Sie, ich fühle mich ganz automatisch zu schönen Frauen hingezogen - ich fange einfach an, sie zu küssen. Es ist wie ein Magnet. Einfach küssen. Ich warte nicht mal."

(Hier seht ihr das Video – der Text geht unter dem Video weiter)

Veröffentlichung schlägt wie eine Bombe ein

Zwar stammt die Aufzeichnung schon aus dem Jahr 2005. Es ließe sich also vielleicht argumentieren, dass dies Schnee von gestern sei, dieser Mann inzwischen dazugelernt, an Reife und Einsicht gewonnen habe - wären da nicht andere, neuere Äußerungen über Frauen als "fette Schweine" oder jener Ausfall, bei dem er einer TV-Moderatorin vorwarf, gerade zu menstruieren und ihn deshalb besonders aggressiv anzugehen.

Und schließlich hatte Trump ja auch 2005 schon das reife Alter von 59 Jahren - da kann man schlechterdings von einer Jugendsünde sprechen. Trump entschuldigte sich inzwischen für die Aussagen. "Ich habe das gesagt, es war falsch und ich entschuldige mich", sagte er in einer Videobotschaft.

"Ich verspreche, in der Zukunft ein besserer Mensch zu sein", sagte der Immobilien-Milliardär, der schon in der Vergangenheit mehrfach mit chauvinistischen Kommentaren aufgefallen war. "Ich habe törichte Dinge gesagt." Er habe zwar nie behauptet, eine perfekte Person zu sein. Das Gesagte sei aber nicht typisch für ihn.

Trotz der Entschuldigung schlug die Veröffentlichung der Aufzeichnung am Freitagabend (Ortszeit) durch die "Washington Post" wie eine Bombe ein, verdrängte sogar Hurrikan "Matthew" über weite Strecken auf den zweiten Platz in den Nachrichten.

Abscheu für Trumps Worte

"Das war es für ihn", "er ist erledigt", "davon erholt er sich nicht mehr", "das hat das Fass zum Überlaufen gebracht", "ein politisches Erdbeben", "sehr, sehr explosiv" - so lauteten erste Einschätzungen vieler Moderatoren und Kommentatoren.

Demnach wurden sie geradezu von SMS-Botschaften überflutet, in denen auch Republikaner Abscheu und Entsetzen über das Verhalten ihres Kandidaten äußerten. Von Demokraten ganz abgesehen: "Schrecklich. Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird", erklärte Trumps Rivalin Hillary Clinton.

Die Demokratin hatte den Republikaner in der ersten Fernsehdebatte Ende September abgebürstet, unter anderem mit einem Beispiel für frauenverachtendes Verhalten ihres Gegners. Dabei ging es um abfällige Äußerungen über eine frühere Miss Universum, die zugenommen hatte - ein Thema, das sich danach tagelang in den Schlagzeilen hielt.

Ticken Trump-Wähler anders?

Seit der Debatte hat Clinton in Umfragen wieder zugelegt und Trump unter immensen Druck gebracht, im zweiten TV-Duell an diesem Sonntag zu punkten. Und nun das. Bessere Munition hätte Clinton nicht frei Haus geliefert bekommen können.

Freilich ist es nicht das erste Mal in diesem Wahlkampf, dass Kommentatoren Trumps politisches Ende kommen sehen. So war es beispielsweise auch schon, nachdem er sich mit den Eltern eines im Irak getöteten muslimischen Soldaten angelegt hatte.

Bereits damals resümierten US-Medien aber: Trump-Anhänger ticken irgendwie anders, und sie mögen ihn gerade weil er nicht so ist wie das politische Establishment - auch wenn er dabei Grenzen überschreitet.

Republikaner spielen Vorfall herunter

Es gehe ja schließlich am 8. November auch nicht darum, einen neuen Lehrer an einer Sonntagsschule zu wählen, sagte denn auch Trumps früherer Wahlkampfmanager Corey Lewandowski nach Publikwerden des Skandalvideos von 2005.

Eine andere republikanische Strategin wies darauf hin, dass solche Äußerungen - zumal alt - gar nichts seien im Vergleich zu Hillary Clintons Fehlern als Außenministerin, die teils Menschenleben gekostet hätten.

Dass es diesmal aber wohl besonders ernst ist, scheint Trump selbst erkannt zu haben. Zwar versuchte er prompt, seine Obszönitäten als übliches Geschäker unter Männern herunterzuspielen.

Trump von Wahlkampfaustritt ausgeladen

Sollte Trump aber geglaubt haben, dass auch diese Sache irgendwie im großen Wahlkampfgefüge versandet, so dürfte ihm spätestens am Abend klar geworden sein, dass er falsch liegt.

Da wurde ein für Samstag geplanter wichtiger Wahlkampfauftritt abgeblasen - mit dem republikanischen Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, einem prinzipientreuen Familienvater, der sich nur mit viel Überwindung hinter Trump als Spitzenkandidaten gestellt hatte. Das spricht Bände - auch wenn keiner der beiden von einer Ausladung sprechen wollte.

Zwei hochrangige Republikaner kündigten Trump als Reaktion auf die Veröffentlichung die Unterstützung auf. Mehrere Republikaner riefen ihn dazu auf, aus dem Präsidentenrennen auszusteigen.

Dabei liegt das neue Problem, das der Kandidat seiner Partei aufgetischt hat, nicht darin, dass sich Frauen von ihm abwenden könnten. Bei den meisten kann er ohnehin keinen Blumentopf gewinnen. Und auch seine männlichen Anhänger werden ihm nun wohl kaum in Scharen den Rücken kehren.

Der Knackpunkt liegt vielmehr darin, dass Trump Wähler hinzugewinnen muss, um Clinton zu schlagen. Und das ist, milde ausgedrückt, nicht eben wahrscheinlicher geworden.

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