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Kanzlerin Angela Merkel reist nach Afrika - um die nächste Flüchtlingskrise zu verhindern

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archivfoto) | Getty
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  • Kanzlerin Angela Merkel reist in den Niger - ein entscheidendes Land in der Flüchtlingskrise
  • Dort Veränderungen zu bewirken, dürfte sich jedoch als sehr schwer herausstellen

Am Montag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer ihrer ungewöhnlicheren Reisen aufbrechen: in den Niger.

Das Land ist bettelarm, viele Deutsche würden es wohl mit Nigeria verwechseln. Und dennoch ist es für Deutschland, ja für Europa, von gewaltiger Bedeutung. Dass das Land im Nordwesten Afrikas überhaupt von Bedeutung ist, liegt daran, dass es eines der Haupttransitländer von Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa ist.

Mehr als 20 Millionen Menschen könnten von Afrika nach Europa fliehen

Merkel - diese Botschaft soll von der Reise ausgehen, die die Kanzlerin auch noch nach Mali und nach Äthiopien führt - kümmert sich schon jetzt um die nächste Flüchtlingskrise.

Denn aus Afrika, so schätzen Experten, könnten in den kommenden Jahren mehr als 20 Millionen Menschen nach Europa fliehen.

Millionen Menschen sind derzeit innerhalb Afrikas vor Kriegen auf der Flucht.

Noch am Freitag verwies Merkel bei einer Veranstaltung darauf, dass sich die Bevölkerung Afrikas in den nächsten 35 Jahren verdoppeln werde. “Von dem Wohl Afrikas wird abhängen, wie wir in Deutschland leben”, sagte sie.

Merkel will wirtschaftliche Entwicklung fördern

Merkel betonte angesichts des Bevölkerungswachstums auf dem Nachbarkontinent die Notwendigkeit von Hilfe vor Ort. Nur so sei zu verhindern, dass sich immer mehr Menschen aus armen oder schlecht regierten Ländern auf den Weg nach Europa machten.

Deshalb will sich Merkel für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung und die Bekämpfung von Fluchtursachen einsetzen, Stationen sind Mali, Niger und Äthiopien.

In einem Interview mit der “Zeit” hatte Merkel vor einigen Tagen gefragt: "Wie also kommen wir in eine vernünftige Balance mit dem afrikanischen Kontinent? So, dass Menschen für sich in ihrer Heimat wieder Chancen sehen und nicht glauben, dass ihr einziges Heil darin liegt, nach Europa zu fliehen."

Allerdings bleibt am Ende fraglich, wie genau die Kanzlerin es schaffen will, dass die Migrationsströme aus Afrika ausbleiben.

Europa unterstützt Afrika mit 2 Milliarden Euro - bis 2020

Ein Patentrezept hat wohl derzeit niemand. Die Idee, allein auf Entwicklungshilfe zu setzen, um die Situation in den Ländern zu verbessern, ist gescheitert. Ein zu großer Anteil der Hilfsgelder versickert in der korrupten Bürokratie.

Erst im Dezember hatte die europäische Union den afrikanischen Ländern rund zwei Milliarden Euro zugesagt, um Menschen von Flucht abzuhalten.

Die Mittel sollen genutzt werden, um die Wirtschaft zu fördern, also um Arbeitsplätze zu schaffen. Zudem sollen die Behörden in Somalia und Äthiopien das Schlepperwesen effektiver bekämpfen. Insgesamt sollen 23 Länder von den Mitteln profitieren.

Darunter auch Staaten wie Eritrea, denen Aktivisten vorwerfen, systematisch gegen die Menschenrechte zu verstoßen.

Exil-Afrikaner unterstützen Heimat mit 11 Milliarden Dollar pro Jahr

Mohamed Yahya, der für die Vereinten Nationen Entwicklungsprogramme in Afrika koordiniert, sagte der Zeitung “Washington Post” kürzlich: “Die politische Situation in den afrikanischen Ländern treibt die Menschen in die Flucht. Wird das Geld aus der EU das beenden? ich glaube nicht.”

Bisher haben die afrikanischen Staaten auch gar kein Interesse daran, die Flucht ihrer Bürger nach Europa zu stoppen. Denn das Geld, das sie zurück an die Familien in der Heimat senden, trägt maßgeblich zur Wirtschaft bei.

Merkel braucht gute Ideen - oder sehr viel Geld

2015 allein schickten Exil-Afrikaner mehr als elf Milliarden Dollar von Europa in die Staaten südlich der Sahara.

Dagegen scheinen die angedachten zwei Milliarden nur ein Tropfen auf den heißen Stein - vor allem, weil die Zuwendungen bis 2020 fließen.

Zum Vergleich: Allein um die von der islamistischen Organisation Boko Haram zerstörte Region in Nigeria wieder aufzubauen, ist rund eine Milliarde Euro nötig.

Merkel wird den Staatschef in Afrika also etwas mehr bieten müssen als Geld - oder einfach viel mehr Geld. Ob Berlin und Brüssel dazu bereit sind, bleibt abzuwarten.

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