Huffpost Germany

AfD-Politiker Alexander Gauland stellt bei Illner die Religionsfreiheit in Frage

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAULAND
Alexander Gauland bei "Maybrit Ilner" | ZDF Mediathek
Drucken

Die gestrige "Maybrit Illner"-Sendung stand unter dem Eindruck der Ereignisse vom 3. Oktober - am Montag hatte eine wütende Menge in Dresden die Kanzlerin bepöbelt. "Hass auf die Politik - Gefahr für die Demokratie?", fragte die Moderatorin ihre Gäste.

Dabei kam es zwischen dem AfD-Politiker Alexander Gauland und Justizminister Heiko Maas zu einem Duell am Stehtisch - und es wurde stellenweise laut.

Im Gegensatz zu seiner Parteikollegin Beatrix von Storch distanzierte sich Gauland von den Pöblern bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden - zumindest ein bisschen: "In Dresden ist mir manches zu weit gegangen", sagte er.

Gauland verteidigt das Wort "völkisch"

Dennoch verteidigte Gauland den Versuch von Frauke Petry, den Begriff "völkisch" wieder salonfähig zu machen. Der Begriff sei nicht nur ein nationalsozialistischer Begriff, sagte er.

"Völkisch" sei mehr als der von den Nazis herausgegebene "Völkische Beobachter". Das Wort habe seinen Ursprung in der Jugendbewegung der 20er Jahre. "Es muss erlaubt sein, die Geschichte eines Begriffes darzustellen."

"Was will sie uns denn damit sagen?", hinterfragte Maas die Motive Petrys für diese Wortwahl. Es sei die Strategie der AfD, mit rechtsradikalem Vokabular zu spielen. "Man provoziert mit Begriffen, die ein fremdenfeindliches, rechtsextremes Klientel ansprechen", so der Justizminister.

"Und nachher sagt man, es sei alles gar nicht so gemeint gewesen." Als Beispiel führt er Gaulands Aussage über den Fußballspieler Boateng an, den die Deutschen angeblich nicht als Nachbarn wollen.

Gauland vergleicht Zuwanderung mit "Barbareneinfällen in Rom"

Gauland kam in Fahrt - und lies immer neue Schock-Aussagen fallen. "Die Barbareneinfälle im Römischen Reich waren ein ähnliches Problem wie die unkontrollierte Zuwanderung von muslimischen Einwanderern", polterte er.

Er sprach dem Islam sogar ab, eine Religion zu sein. "Der Islam ist eher eine Ideologie als eine Religion, und zwar eine, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist." Der Islam passe nicht zum Grundgesetz, unseren Werten, unseren Vorstellungen und unserem Frauenbild, meinte Gauland.

Hier reichte es Maas, der Justizminister konterte: "Im Grundgesetz steht die Religionsfreiheit."

Doch die gilt nach Ansicht von Gauland offenbar nicht für den Islam. Er ist der Ansicht, dass die Väter des Grundgesetzes keine Vorstellung vom Islam hatten: "1949 ist an den Islam gar nicht gedacht worden."

Diese Aussage schien sogar das Publikum zu erschrecken - das mit einem verunsicherten Raunen auf Gaulands Satz reagierte.

Maas: "Religionsfreiheit gilt für alle Religionen"

Maas reagierte erneut entsetzt: "Religionsfreiheit gilt für alle Religionen". Man müsse die christlichen Werte des Abendlandes gegen Leute wie Gauland verteidigen, sagte er.

Der Justizminister gestand Fehler der Bundesregierung bei der Flüchtlingspolitik ein. "Wir waren auch nicht optimal aufgestellt, was die Registrierung der Flüchtlinge angeht". Das hätte offener kommunizieren müssen. Die Regierung hätte von Anfang die Menschen darauf hinweisen müssen, dass die Flüchtlingskrise eine große Herausforderung wird.

Maybrit Illner wies darauf hin, dass die Regierung ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik schon geändert habe.

Gauland ließ es sich nicht nehmen, daraufhin das letzte Wort zu haben: "Was sie (die regierenden Politiker, Anm. d. Red.) nur machen, weil es die Wahlerfolge der AfD gibt, sonst hätte sich nichts geändert."

Auch auf HuffPost:

Frauke Petrys Ex-Lehrer: Warum ich sie nicht mehr sehen will

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)