Huffpost Germany

"Geht am Kern des Problems vorbei": Heftige Kritik an Gesetz zur Lohngleichheit (EXKLUSIV)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LOHN
"Geht am Kern des Problems vorbei": Heftige Kritik an Gesetz zur Lohngleichheit (EXKLUSIV) | dpa
Drucken
  • Der Kompromiss zur Lohngleichheit ist nicht mal einen Tag alt, da regt sich bereits heftiger Widerstand
  • Die FDP kritisiert das Gesetz als "bürokratisch" - es gehe am Kern des Problems vorbei

Gegen den Kompromiss der Koalitionsspitzen zur Lohngleichheit von Männern und Frauen formiert sich Widerstand.

Der Wirtschaftsrat der CDU hat Nachverhandlungen mit der SPD gefordert. „Wenn CDU und CSU ihren Worten Taten folgen lassen, müssen sie nachverhandeln: Zusätzliche Belastungen der Unternehmen solle es in dieser Legislatur nicht mehr geben, so das Bekenntnis der Union. Schon gar nicht, wenn sie wie im Falle des geplanten Entgeltgleichheitsgesetzes noch einmal auf den Koalitionsvertrag draufsattelt“, sagte Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, der „Welt“.

FDP-Vorstand Vogel: "Maßnahme geht am Kern des Problems vorbei"

Ähnlich argumentierte der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, der CDU-Politiker Christian von Stetten, in der "Bild". "Im Koalitionsvertrag ist der Auskunftsanspruch für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern vereinbart", sagte von Stetten. Die Koalition habe jetzt eine Schwelle ab 200 Beschäftigten festgelegt. "Das darf so im Bundestag nicht beschlossen werden."

Auch die FDP kritisierte den Vorstoß. "Der Lohngleichheitsbeschluss ist ein weiteres typisches Ergebnis der Regierungsarbeit der Großen Koalition: Union und SPD sitzen zusammen und heraus kommt noch mehr Bürokratie für die Unternehmen", sagte FDP-Vorstand Johannes Vogel der Huffington Post. "Davon haben wir bereits viel zu viel."

Das geplante Gesetz sei nicht nur bürokratisch, sondern auch unwirksam. "Die Maßnahme geht am Kern des Problems vorbei", sagte Vogel.

Grünen-Chefin Peter: "Koalition backt ganz kleine Brötchen"

Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre die wichtigste Maßnahme für mehr Fairness zwischen den Geschlechtern. "Denn viel zu häufig bedeutet die Entscheidung für ein Kind für Frauen oft noch einen Karriereknick. Durch flexiblere Öffnungszeiten der Kindertagesstätten, die endlich wirklich zur heutigen beruflichen Realität passen, oder mehr Home-Office-Lösungen könnte man dies am wirksamsten ändern", sagte Vogel.

Union und SPD hatten ihren Streit über das Gesetz am Donnerstag beigelegt. Der Koalitionsausschuss vereinbarte, dass Arbeitnehmer bei Unternehmen ab 200 Beschäftigten Informationen beanspruchen können, ob sie gerecht bezahlt werden. Bei tarifgebundenen Firmen soll das über den Betriebsrat laufen. Firmen ab 500 Mitarbeitern sollen neue Verfahren zur Herstellung der Entgeltgleichheit umsetzen.

Grünen-Chefin Simone Peter kritisierte den Beschluss als unzureichend. Von gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit bleibe Deutschland noch weit entfernt, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Union und SPD seien allenfalls "ein Schrittchen" vorangekommen. "Die große Koalition backt ganz kleine Brötchen."

Mit Material von dpa

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.


(sk)