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Ausländer können sich in Ungarn und anderen EU-Staaten den Schengen-Zugang kaufen

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ORBAN
Ausländer können sich in Ungarn für 300.000 Euro eine Schengen-Aufenthaltsgenehmigung kaufen. | Laszlo Balogh / Reuters
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  • Ungarn verkauft an Nicht-EU-Ausländer für 300.000 Euro Schengen-Visa - auch an wohlhabende Flüchtlinge
  • Manche Länder wie Griechenland oder Malta verhökern Staatsbürgerschaften
  • So könnten auch Kriminelle in die EU einreisen

Ungarn wehrt sich vehement gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Syrien und Nordafrika. Doch wer das nötige Kleingeld hat, kann sich in dem osteuropäischen Land seine Aufenthaltsgenehmigung schlicht kaufen. 300.000 Euro müssen die Ausländer für einen Aufenthaltstitel berappen. Auch Flüchtlinge gelangen über diesem Weg nach Europa.

Das Ungarn-Visum bringt unschlagbare Vorteile. Denn es gilt auch für den Schengen-Raum. Der Käufer hat damit Reisefreiheit in der ganzen EU.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung“ zufolge richtet sich das Angebot vor allem an Investoren aus China. Die extra eingerichtete Webseite "immigration-hungary.com“ gibt es in chinesischer und englischer Sprache. Der Deal ist einfach: Die Interessenten kaufen ungarische Staatsanleihen, die sie mindestens fünf Jahre halten müssen. Im Preis von 300.000 Euro inbegriffen: eine Aufenthaltsgenehmigung auf Lebenszeit.

Gut 3500 Personen und ihre Familien hätten sich bisher auf diesem Wege in die EU"eingekauft“, berichtet die "SZ". Bedenken wegen der nationalen Sicherheit hätten die Verantwortlichen nicht, heißt es in dem Bericht.

Außer Chinesen machen auch viele Menschen aus Russland, Iran, Ukraine, der Türkei und dem arabischen Raum Gebrauch von dem Angebot. Syrer sind in Ungarn offenbar als Asylsuchende wenig willkommen, als vermeintliche Investoren dagegen schon.

Auch Malta, Österreich und Griechenland zeigen sich gegenüber reichen Ausländern großzügig

Auch andere EU-Staaten verkaufen betuchten Nicht-Europäern den Zugang zum Schengen-Raum. Seit November 2013 können Nicht-EU-Bürger in Malta für 650.000 Euro einen maltesischen Pass erwerben, Ehefrauen und Kinder zahlen 25.000 Euro.

Und wer in Griechenland eine Immobilie für mindestens 250.000 Euro kauft (Stand 2014), bekommt für sich und seine Familie fünf Jahre lang eine Aufenthaltsgenehmigung. Auf Zypern musste die Immobilie zuletzt mindestens 300.000 Euro wert sein. Auch in Österreich genügt Medienberichten zufolge ein Investment als Gegenleistung.

Die Staatsbürgerschaft in einem der Mitgliedsländer bringt viele Vorteile. Sie eröffnet Nicht-EU-Ausländern zum Beispiel aus Russland oder der Türkei den Weg für freies Reisen innerhalb der Europäischen Union, die Teilnahme an Wahlen und den Gebrauch der Freizügigkeitsregel.

In Ungarn ist nun eine heftige Debatte über den Verkauf der Aufenthaltsgenehmigungen ausgebrochen: Neben der Gefahr, dass sich Kriminelle so legalen Zugang in die EU verschaffen könnten, kritisierte die ungarische Opposition insbesondere eine mögliche Vetternwirtschaft: Wie "Die Presse" aus Österreich berichtet, läuft der Verkauf der Staatsanleihen nicht direkt über die ungarische Schuldenagentur, sondern über Vermittler mit Sitz in Steueroasen wie den Cayman-Inseln.

Rund 60.000 Euro der erforderlichen 300.000 Euro sollen Gebühren sein. Die Opposition mutmaßt, dass die Regierung von Viktor Orban und deren Dunstkreis vom Geschäft der Offshore-Firmen finanziell profitiert.

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(lk)