Bedrückende Zahlen: Das hat der Mindestlohn in Deutschland tatsächlich bewirkt

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MINDESTLOHN
Der Mindestlohn hat die Armut in Deutschland nicht verringert | dpa
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  • Der Mindestlohn hat weder die Armut gesenkt, noch die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland verringert
  • Das geht aus einer aktuellen Statistik der Wochenzeitung "Die Zeit" hervor
  • Vor einer kräftigen Anhebung des Mindestlohns raten Experten trotzdem ab

Seit Anfang 2015 gilt in Deutschland der Mindestlohn. Mindestens 8,50 Euro die Stunden müssen Arbeitgeber heute ihren Arbeitnehmern zahlen - ab 2017 soll es 34 Cent mehr geben. Doch welchen Effekt hatte die Gesetzesänderung bis heute?

Eine aktuelle Statistik findet auf diese Frage eine bedrückende Antwort: Der Mindestlohn hat nach Angaben der Wochenzeitung "Die Zeit" bisher weder die Armut gesenkt, noch die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland verringert.

Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Zeitung vorliegen.

Demnach galten vor Einführung des Mindestlohns 15,4 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet, danach 15,7 Prozent. Selbst wenn man die Flüchtlinge beiseite lasse und nur die Einwohner ohne Migrationshintergrund betrachte, seien nach Inkrafttreten des Mindestlohns ebenso viele Bürger arm gewesen wie davor.

Die Ungleichheit der Einkommensverteilung stagniert auch mit Mindestlohn

Die statistisch gemessene Ungleichheit der Einkommensverteilung ist ebenfalls unverändert geblieben, und selbst die Zahl der Arbeitnehmer, die ergänzend zu ihrem Lohn noch Arbeitslosengeld II beziehen, hat sich nach Angaben der "Zeit" nur geringfügig verändert.

Im Jahr 2014 habe es 1,18 Millionen dieser so genannten Aufstocker gegeben, im vergangenen Jahr waren es 1,13 Millionen.

Obwohl der Mindestlohn offenbar nicht ausreicht, um die Armut oder die Ungleichheit der Einkommen spürbar zu verringern, rät Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, davon ab, ihn kräftig anzuheben.

"Wenn man den Mindestlohn deutlich erhöht, ist zu befürchten, dass dann doch Arbeitsplätze verloren gehen"

"Wenn man den Mindestlohn deutlich erhöht, ist zu befürchten, dass dann doch Arbeitsplätze verloren gehen", sagte er der "Zeit". "Es gibt irgendwo eine rote Linie, die man nicht überschreiten darf."

Nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern hat der gesetzliche Mindestlohn bereits bis Anfang 2016 etwa 60.000 Stellen in Deutschland gekostet. Es seien zwar nur wenige Arbeitsplätze gestrichen worden, manche Betriebe hätten aber wegen der Regelung auf die Schaffung neuer Jobs verzichtet, geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom März hervor.

Dass der Mindestlohn nur deshalb wenig Effekt zeigt, weil er zu wenig kontrolliert wird, bezweifelt Möller. Die Löhne im unteren Bereich seien, so Möller, nachweisbar gestiegen. Außerdem: "Aufgrund der Erfahrungen in anderen Ländern ist anzunehmen, dass der Mindestlohn nicht in großem Maßstab umgangen wird."

Das ergab auch die IAB-Studie: Laut den Erkenntnissen der Forscher hat der Mindestlohn in Betrieben, die zuvor geringer bezahlte Mitarbeiter beschäftigten, zu deutlichen Lohnsteigerungen geführt - besonders im Osten Deutschlands.

Dort lag der Lohnanstieg auf Betriebsebene ein gutes halbes Jahr nach der Einführung des Mindestlohns im Schnitt bei 5,2 Prozent, im Westen dagegen nur bei 3,4 Prozent.

mit Material von dpa

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(lk)

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