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Menschen mit versteckter Depression wollen, dass du diese 9 Dinge weißt

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DEPRESSION
A young woman wearing a hooded coat is walking on a dramatic beach in the winter | lolostock via Getty Images
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Dass eine Krankheit äußerlich nicht erkennbar ist, bedeutet nicht, dass sie nicht existiert.

Denk einmal an all deine Bekannten, mit denen du jeden Tag in Kontakt bist: Es könnte dein Kollege sein, dein Nachbar oder vielleicht sogar deine Lieblings-Barista. Sie alle lächeln und erzählen dir von ihren Plänen fürs Wochenende. Oder sie fragen dich nach deinen Kindern.

Und jetzt stell dir vor, wie es in ihrem Inneren aussieht. Sie leiden an bohrenden Kopfschmerzen, sie fühlen sich einsam und sie haben permanent negative Gedanken. Sie haben so wenig Kraft, dass sie morgens kaum aufstehen können. Doch man sieht es ihnen nicht an.

Das ist der Alltag von Menschen, die an Dysthymie – an chronischen Depressionen – leiden. Dysthymie bezeichnet die hochfunktionale Form der Krankheit. Ebenso wie bei klinischen Depressionen können auch hochfunktionale Depressionen zu Appetitverlust, Schlafstörungen und psychischen Problemen führen. Hochfunktionale Depressionen sind jedoch sehr viel schwerer erkennbar.

Weltweit leiden knapp 350 Millionen Menschen unter Depressionen. Höchstwahrscheinlich kennst du also sogar selbst jemanden, der an irgendeiner Form dieser Krankheit leidet.

Der wahrscheinlich schwierigste Aspekt von hochfunktionalen Depressionen ist, dass die Betroffenen zumeist auf wenig Verständnis stoßen, weil sie nach außen hin so unauffällig wirken. Wir haben von der Krankheit betroffene Leserinnen und Leser unserer HuffPost-Lifestyle-Community auf Facebook nach Dingen gefragt, die jeder über ihre Erkrankung wissen sollte:

1. Die Probleme der Betroffenen stoßen meistens auf Unverständnis

Eine Depression ist eine komplizierte, kräftezehrende Krankheit. Punkt.

“Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie sehr ich kämpfe und wie schwer es mir manchmal fällt, zu funktionieren, weil ich ganz normal zur Arbeit gehe und ganz gut zurechtkomme. Außerdem habe ich ja ein eigenes Haus und kümmere mich selbst um alles.

Doch ich brauche sehr lange, um bestimmte Dinge zu verarbeiten. Wenn mir etwas Schlimmes passiert, hänge ich noch lange daran fest, während es anderen leichter fällt, einfach weiterzugehen. Deshalb werfen andere mir oft vor, dass ich zu negativ denke und dass ich zu sehr übertreibe oder dass ich zu empfindlich bin. Doch ich kann bestimmte Dinge eben nicht anders verarbeiten.” ― Christine Dolan

2. Alltägliche Dinge können zu einem Ding der Unmöglichkeit werden

Dass die Betroffenen erfolgreich ihre To-do-Liste durchackern bedeutet noch lange nicht, dass es ihnen leicht fällt.

“Es fällt mir ohnehin schwer genug, ständig den Schein zu wahren. Doch dass andere mich falsch einschätzen und ich keine Anerkennung dafür bekomme, dass ich es überhaupt schaffe, aufzustehen, macht alles noch schwerer für mich.” ― Christine Dolan

3. Man kann die Krankheit zwar nicht sehen, aber sie ist trotzdem da

Man erkennt nicht alle Krankheiten auf den ersten Blick. Dass man eine Krankheit nicht äußerlich erkennt, bedeutet nicht, dass sie nicht existiert.

“Nach außen wirke ich zwar wie eine erfolgreiche Frau, die alles im Griff hat. Doch trotzdem kann es passieren, dass ich in eine unangenehme Situation gerate und fünf Minuten später komplett zusammenbreche. Und genau davor habe ich eine Höllenangst.” ― Michelle Martin Haywood

4. Die Betroffenen sind froh, wenn du dich um sie kümmerst

Wenn man für depressive Menschen da ist, zeigt man ihnen damit, dass sie nicht allein sind.

“Es ist gut, wenn man mir Nachrichten schreibt und sich um mich sorgt. Auch wenn ich selbst nichts hören lasse oder nicht sofort antworte. Diese Gedanken sind extrem anstrengend und manchmal kann ich einfach nicht mehr tun, als mich irgendwie durch den Tag zu schleppen.” ―Julie Kenney Myett

5. Die Krankheit hängt nicht von den äußeren Lebensumständen der Betroffenen ab

Bei depressiven Menschen ist es häufig so, als würden sie all ihre negativen Gedanken über sich selbst nehmen und sie in ihrem Kopf auf eine Großleinwand projizieren. Dass jemand “alles hat”, bedeutet noch lange nicht, dass er oder sie nicht auch an dieser psychischen Erkrankung leidet.

“Ich arbeite Vollzeit und ich bin verheiratet. Ich bemühe mich sehr, ‘ganz normal’ zu sein. Oft bekomme ich zu hören: ‘Warum bist du so traurig? Du hast doch alles. Du bist so hübsch. Du hast einen tollen Mann, einen guten Job, Geld, und so weiter.’ Wenn die nur wüssten, welches Chaos in meinem Kopf herrscht ... es hört nie auf und es ist extrem anstrengend.” ― Jayne SC

6. Wie jemand nach außen wirkt, hat oft nichts damit zu tun, wie es im Inneren der Person aussieht

Bei Menschen mit hochfunktionalen Depressionen trügt oft der Schein. Die Betroffenen wirken meist so, als hätten sie alles im Griff und als würden sie ganz normal funktionieren, doch in ihrem Inneren sieht es oft völlig anders aus.

“Nach außen hin wirkt es so, als würde ich alles gut hinbekommen. In Wahrheit finde ich jedoch alles wahnsinnig anstrengend. Es raubt mir meine Kraft, morgens aufzustehen, zu frühstücken und die Kinder zur Schule zu bringen. Ich fühle mich permanent erschöpft.” ―Jennifer Hazen

7. Schon kleine Gesten machen den Unterschied

Es mag für dich vielleicht keine große Sache sein, doch deine Angehörigen wissen es sehr zu schätzen, wenn du ihnen deine Hilfe anbietest.

“Es würde mir helfen, wenn die anderen öfter zu mir kommen, anstatt immer von mir zu erwarten, dass ich zu ihnen fahre (der Großteil meiner Freunde und Verwandten lebt mehrere Autostunden von mir entfernt). Das wäre eine extreme Erleichterung für mich.” ―Caitriona Foley

8. Wenn es Betroffenen besser geht, liegt das nicht einfach nur daran, dass sie ihre Einstellung geändert haben

Man kann Depressionen nicht einfach “ablegen” oder “aufhören, traurig zu sein”. Bei Depressionen handelt es sich eigentlich um eine physiologische Störung, die Teile des Gehirns befällt. Zudem treten körperliche Symptome auf.

“Die anderen glauben, dass du einfach nur faul bist. Doch in Wirklichkeit kostet es dich all deine Kraft, morgens überhaupt aufzustehen.” ― Meredith Elmore

9. Die Krankheit kann behandelt werden

Eine bestimmte Behandlungsform kann jedoch bei dem einem Patienten wirken und bei einem anderen nicht. Es gibt unzählige Wege, um mit Depressionen klarzukommen und um sie zu überwinden.

Das kann die Veränderung der Lebensgewohnheiten oder eine bestimmte medizinische Behandlung sein, wie beispielsweise eine Therapie oder eine medikamentöse Behandlung. Ein effektiver Plan umfasst für gewöhnlich mehrere verschiedene Behandlungsformen.

Man kann gegen die Krankheit vorgehen und die Betroffenen können trotz allem ein glückliches Leben führen.

“Es ist nicht leicht, mit der Krankheit zu leben. Vor allem, wenn andere Menschen dauerhaft von einem abhängig sind. Ich nehme noch immer jede einzelne Sekunde meines Lebens meine Gefühle und mein Umfeld wahr und ich denke darüber nach, wie ich die nächsten fünf Minuten überstehen soll. Doch ich bin froh, dass ich einen Weg gefunden habe, um mein Leben zu leben.” ―Goldie Fantastic

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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