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Brexit erst der Anfang? Star-Ökonom Stiglitz erwartet Euro-Austritt Italiens

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STIGLITZ
Brexit erst der Anfang? Star-Ökonom erwartet Euro-Austritt Italiens | Yiorgos Karahalis / Reuters
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  • Topökonom Joseph Stiglitz ist der Ansicht, dass die Eurozone nicht mehr zu retten ist
  • Als nächstes werde Italien austreten, prognostiziert er
  • “Den Italienern wird gerade klar, dass Italien im Euro nicht funktioniert”, so der Nobelpreiträger

Nach langem Zögern soll es jetzt doch schnell gehen: Bis Ende März will Großbritannien das Brexit-Austrittsverfahren einleiten.

Star-Ökonom Joseph Stiglitz ist der Überzeugung: Der Brexit ist erst der Anfang. Im Interview mit der “Welt” sagte er, er glaube nicht, dass die Politik die Währungsunion in ihrer heutigen Form retten kann.

Stiglitz hat auch schon eine Vermutung, wer als nächstes austreten könnte: Italien.

“Wenn ich mich mit Italienern unterhalte, spüre ich, dass die Menschen dort zunehmend enttäuscht sind vom Euro“, sagte der Nobelpreisträger der Zeitung.

“Den Italienern wird gerade klar, dass Italien im Euro nicht funktioniert”

Der Umut in dem Land sei groß - nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch unter Wissenschaftlern und führenden Politikern.

“Den Italienern wird gerade klar, dass Italien im Euro nicht funktioniert”, so Stiglitz. “Das ist für die Italiener emotional wirklich schwierig, und sie haben sich lange geweigert, diese Einsicht zu akzeptieren.”

Um die Währungsunion trotz wirtschaftlich angeschlagener Länder wie Italien und Spanien zu stabilisieren, bedürfe es tiefgreifender Reformen, erklärt der Ökonom.

“Mir macht die Geschwindigkeit Sorgen, mit der die Entscheidungen in Europa ablaufen”

Seiner Einschätzung nach werden diese aber nicht angestoßen werden, weil es unter den Mitgliedstaaten der EU an dem Willen mangle, solche Reformen anzugehen. Als Beispiel nennt er die Schaffung einer EU-weiten Bankenunion.

Der Amerikaner ist der Ansicht, dass es den EU-Staaten an Entschlossenheit fehlt. “Mir macht die Geschwindigkeit Sorgen, mit der die Entscheidungen in Europa ablaufen”, sagte er der “Welt”. “Die Politik einigt sich darauf, was getan werden muss, aber dann wird blockiert, getrödelt und sich Zeit gelassen.”

Seine Einschätzung: Die Eurozone wir schon in den nächsten Jahren zerbrechen - zumindest so, wie wir sie jetzt kennen.
“Es wird in zehn Jahren noch eine Euro-Zone geben, aber die Frage ist, wie sie aussehen wird”, so der Ökonom. “Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie immer noch 19 Mitglieder haben wird. Es ist schwer zu sagen, wer dann noch dazugehören wird.”

Stiglitz will den Euro komplett abschaffen

Vor einigen Wochen hatte Stiglitz bereits gefordert, den Euro ganz abzuschaffen. "Der Euro wurde geschaffen, um für Wachstum und mehr Solidarität in Europa zu sorgen. Genau das Gegenteil ist eingetreten", schrieb er in einem Beitrag für die "Financial Times".

Der Euro sei schon "bei seiner Geburt voller Fehler" gewesen, so der Ökonom. Denn die nationale Zins- und Wechselkurspolitik der Länder sei dadurch komplett weggefallen.

Wenn der Euro nicht komplett abgeschafft werde, dann solle man ihn zumindest aufsplitten, hatte er gefordert: in einen stärkeren Nord- und einen schwächeren Südeuro.

Mit dieser Veränderung könne man den unterschiedlichen wirtschaftlichen Umständen der Länder gerecht werden.

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