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Eindringliche Warnung des IWF: Populismus könnte der Weltwirtschaft massiv schaden

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LAGARDE
IWF-Chefin Lagarde | dpa
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Es ist eine Warnung, die eindringlicher nicht sein könnte: Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) fürchten, dass "politische Risiken" verheerende Auswirkungen auf das Wachstum der Weltwirtschaft haben werden - und das bereits kommendes Jahr.

Denn: In den großen Industrieländern des Westens beobachten sie eine populistische Tendenz, die entgegen bisheriger Leitlinien der Globalisierung verläuft.

Großbritannien kümmert sich lieber um sich selbst, US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump will keine Handelsabkommen, seine Konkurrentin Hillary Clinton auch nicht.

In Deutschland kämpfen Rechtspopulisten gegen alles, was von draußen kommt, selbst der sozialistische Präsident Frankreichs, François Hollande, glaubt nicht an das Heil im Internationalen und erklärt das europäisch-amerikanische Handelsabkommen TTIP für gescheitert.

Kurz: Starke Kräfte tendieren dazu, die Globalisierung ein Stück zurückzudrehen und politischen Populismus die Weltwirtschaft in ernste Gefahr bringen zu lassen.

"Es ist lebenswichtig, die Möglichkeiten zunehmender Handelsintegration zu erhalten"

Der Internationale Währungsfonds, mit seinen 189 Mitgliedsländern sozusagen einer der Wegbereiter einer globalisierten Volkswirtschaft, sieht dies als Irrweg und große Gefahr.

"Es ist lebenswichtig, die Möglichkeiten zunehmender Handelsintegration zu erhalten", sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld am Dienstag in Washington, kurz vor dem Start der Herbsttagung des Fonds gemeinsam mit seiner Schwesterorganisation der Weltbank-Gruppe.

"Ein weltweites Umfeld, das gegen Handel ist, wird es für Rohstoffexporteure und Niedriglohnländer unmöglich machen, neue Export-Modelle zu entwickeln und schrittweise die Einkommenslücke zu schließen", betonte er.

Trend zur Abschottung wird der Wirtschaft massiv schaden

Im Klartext: Die Ärmsten werden am meisten leiden, wenn sich jeder nur noch um sich selbst kümmert. Und: Populismus und der Trend zur Abschottung könnten das Wachstum 2017 massiv einschränken.

Allein der geplante EU-Austritt Großbritanniens wird laut IWF 2017 das Wachstum im Vergleich zur Frühjahrsprognose auf 1,1 Prozent halbieren. Das entspreche einem Wohlstandsverlust von fast 30 Milliarden Euro.

Auch Obstfelds Chefin beim IWF, Frankreichs frühere Finanzministerin Christine Lagarde, hatte bereits vor einigen Tagen eine entsprechende Warnung ausgesprochen.

"Einschränkungen beim Handel und das Herunterfahren wirtschaftlicher Offenheit wird mit Sicherheit die Wachstumsaussichten in aller Welt und vor allem bei den Schwächsten senken", sagte Lagarde und fügte an die Adresse der Regierungen in aller Welt hinzu: "Richtet keinen Schaden an!"

"Allen Formen von Protektionismus sollte widerstanden werden"

Der weltweite Handel stottert. Seit 2012 betrug das Wachstum beim Handel von Gütern und Dienstleistungen weltweit nur noch drei Prozent, die Hälfte der Rate, die in den drei Jahrzehnten vor der großen Finanzkrise notiert wurde.

Dazu trügen vor auch protektionistische Tendenzen bei, heißt es in einer neuen Studie des IWF zum Welthandel, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Das Wachstum im Handel könne kaum mithalten mit dem Wachstum der Wirtschaftsleistung.

"Allen Formen von Protektionismus sollte widerstanden werden", heißt es in der Studie. Die Autoren schlagen vor, Zölle drastisch zu senken und das Doha-Abkommen konsequent weiterzuentwickeln.

Es drohen zerstörerische Handelskriege

In der Politik sind solche Appelle wohlbekannt. Doch die Verlockung, sich als unfair empfundener Wirtschaftspolitik andernorts zu erwehren, ist groß.

Beispiel USA: Die größte Volkswirtschaft der Welt leidet seit Jahren massiv unter der Abwertung des chinesischen Yuan, die Exporte aus dem Reich der Mitte künstlich billig macht und damit chinesischen Produzenten einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Der Republikaner Donald Trump baut fast sein gesamtes wirtschaftspolitisches Programm auf dem Kampf gegen solche Tendenzen auf.

Doch die naheliegende Lösung, sich mehr und mehr abzuschirmen oder gar mit versteckten Subventionen für die eigene Wirtschaft zu reagieren, ist nicht der beste Lösungsweg, argumentiert der IWF.

"Möglicherweise kann so etwas zu Handelskriegen führen, die für beide Seiten zerstörerisch sind", schreibt IWF-Chefvolkswirt Obstfeld in seinem Blog.

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(sk)