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Traumziel Kanada: Tipps für den Wood Buffalo National Park

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Traumhafte Naturimpression auf Banks Island in den Northern Territories

Der Tank des Wohnmobils ist voll, die Vorräte sind aufgefüllt, Fernglas und Kamera liegen griffbereit. Wir sind unterwegs zum Wood Buffalo National Park im Südosten der Northwest Territories. Der Park, der sich über die Provinzgrenze hinaus bis nach Alberta erstreckt, ist der größte Nationalpark Kanadas und der zweitgrößte weltweit. Seine wunderbare boreale Landschaft mit ihren endlosen Seen und Sümpfen zieht uns in ihren Bann. Rund 300 Tierarten sind im Wood Buffalo National Park zuhause, mehr als 6.000 Waldbisons bilden die größte frei lebende Gruppe weltweit. Es dauert nicht lange und wir entdecken auf einer Lichtung einige prachtvolle Exemplare, darunter männliche Bisons, die mit ihrem mächtigen Brustkorb eine Länge von bis zu 3,80 Meter und ein Gewicht von stolzen 900 Kilo erreichen können. Es sind die größten Landsäugetiere Nordamerikas. Wir verweilen einen Moment und schauen den Tieren beim Grasen zu. Kaum zu glauben, dass sich diese bulligen Riesen rein vegetarisch ernähren. Aber auch irgendwie beruhigend ...

Nach einem Zwischenstopp an den Wildwasser-Stromschnellen des Slave River zwischen Fort Smith und Fort Fitzgerald, wo in den Sommermonaten eine draufgängerische Kolonie von Nashornpelikanen lebt, fahren wir nach Norden weiter durch das "Great Slave Gateway", der Region rund um den Großen Sklavensee. Entlang der Strecke lassen sich Schwarzbären und Elche blicken. Wir haben gelernt, bei unseren Wandertouren nach frischen Hinterlassenschaften Ausschau zu halten - mit Erfolg auch Luchse, Füchse, Biber und Waldkaribus sind in dieser Region zu Hause, stets begleitet von den gefräßigen Wölfen. Diese gibt es generell sehr zahlreich in den Northwest Territories. Sie sind der Hauptfeind der Karibus und begleiten diese auf ihrer Reise durch das Land.

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Mit dem Wasserflugzeug zu den Grizzly-Bären

Die beste Möglichkeit, die Tierwelt der Mackenzie Mountains zu erleben, bietet sich im Rahmen eines Abstechers in den Nahanni National Park, einem der schönsten Parks Nordamerikas. Wir wählen das Städtchen Fort Simpson als Ausgangspunkt für unseren Ausflug, denn ab hier werden Flightseeing-Touren mit dem Wasserflugzeug angeboten.

Unser Pilot fliegt direkt an den imposanten Virginia Falls und den tiefen Schluchten vorbei, die das Landschaftsbild des Parks prägen. Aus der Luft entdecken wir jede Menge Waldkaribus sowie die wuseligen Dallschafe und Bergziegen, die stets auf der Flucht zu sein scheinen. Kurz vor unserem Rückflug nach Fort Simpson landen wir noch einen Volltreffer: unter uns streifen zwei Grizzly-Bären durch das Gras!

Auf in die Arktis!

Unser nächstes Ziel heißt Arktis! Gemeinsam mit einem ortskundigen Veranstalter - einem sogenannten "Outfitter" - möchten wir die arktische Tierwelt erkunden. Mit dem Flugzeug geht es nach Banks Island, der westlichsten von Kanadas Arktischen Inseln und Standort des völlig abgeschiedenen Aulavik National Parks.

Hauptattraktion sind dort die Moschusochsen! Man schätzt, dass auf Banks Island über 68.000 der bulligen Tiere leben. Vor rund 90.000 Jahren kamen sie aus Sibirien nach Nordamerika und haben ihren prähistorischen Look seither kaum verändert. Entlang der Nordküste des Parks leben außerdem zahlreiche maritime Säugetiere wie Eisbären, Ringel- und Bartrobben sowie Beluga- und Grönlandwale. Auch zwei Schutzgebiete von Zugvögeln befinden sich auf der Insel. Fast 500.000 Schneegänse brüten hier Jahr für Jahr! Was für ein Geschnatter.

Zu den Big Five in Manitoba

Szenenwechsel: Aus dem Norden Kanadas hat es uns in die Prärieprovinz Manitoba verschlagen. Es heißt, hier seien die "Big Five" zu finden: Präriebisons, Schwarzbären, Elche, Eisbären und Belugas! Es ist fast noch dunkel, als wir in aller Herrgottsfrühe aufbrechen. In der Morgendämmerung gibt es hier im Riding Mountain National Park im Südwesten Manitobas die besten Aussichten auf Begegnungen mit der heimischen Tierwelt. Und die ist gut bestückt! Denn das bis zu 400 Meter hohe Hochplateau des Parks hebt sich wie eine riesige grüne Berginsel mit reichlich Wald und Wasser aus der flachen Prärielandschaft empor. Ein Paradies für die Tiere! Neben Elchen, Wölfen, Schwarzbären, Wapitihirschen und Präriebisons tummeln sich hier auch hunderte von Vogelarten. Entlang der Route genießen wir den Ausblick auf die Seen und Auen, über denen der Frühnebel wabert. Wir fahren durch die morgendliche Landschaft und staunen über die Kraft der ersten Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch den dichten Birkenwald bahnen. Da! Hat sich auf der Lichtung nicht etwas gerührt? Tatsächlich. Ein stattlicher Elch bewegt sich langsam durch das Unterholz und trägt seine riesigen Schaufeln stolz vor sich her.

Nach kurzer Zeit erreichen wir unser eigentliches Ziel - die Lake Audy Bison Enclosure. Hier ist eine Herde prächtiger Präriebisons zu Hause. Im warmen Licht der frühen Morgensonne tummeln sich mächtige Bullen, liebevolle Muttertiere und neugierige Teenager auf einer weitläufigen Wiese direkt an der Schotterstraße. Wir machen den Motor aus. Autoscheibe runter und Finger am Auslöser - unsere Kamera klickt ununterbrochen. Die Freude ist groß, als uns am Abend in der Nähe unserer Unterkunft noch ein kleiner Schwarzbär über den Weg läuft. Drei der "Big Five" Manitobas hätten wir schon mal!

Die Highlights: Eisbären und Beluga-Wale

Am nächsten Tag startet in der Provinzhauptstadt Winnipeg unser Abstecher an die Hudson Bay. Ein Propellerflugzeug bringt uns nach Churchill, ein einsamer Außenposten am Rande der Arktis. Im Herbst sammeln sich hier hunderte von Eisbären, um auf das Zufrieren der Bucht zu warten. Zu dieser Jahreszeit ist eine Begegnung mit dem König der Arktis quasi garantiert! Aber jetzt, im Sommer? Wir haben Zweifel. Völlig unbegründet, wie sich bald herausstellen soll.

Mit dem Boot fahren wir entlang der Küste Richtung Norden und es dauert nicht lange, bis wir am felsigen Ufer eine Eisbären-Mama mit ihren zwei Jungen entdecken. Ein putziger Anblick, wie die Kleinen im Wasser spielen und versuchen, ihre Mutter aus der Reserve zu locken. "Big Five" Nr. 4 - check!

Fehlen nur noch die Belugas. Bis zu 50.000 der geselligen Weißwale leben im Sommer in der Hudson Bay, mehr als 5.000 von ihnen kommen im Juli und August in die Flussmündungen von Churchill und Seal River, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. Bei einer Schiffstour rund um Churchill sind wir schnell von einer großen Walschule umzingelt. Mit dem Wassermikrofon können wir ihrem fröhlichen Gezwitscher lauschen. Noch spektakulärer ist tags drauf jedoch der Ausflug im Kajak, bei dem wir ganz ohne störende Motorengeräusche zu den Belugas paddeln. Schnell kommen die neugierigen Wale angeschwommen, um uns zu inspizieren. Die Krönung ist unsere Wal-Begegnung unter Wasser! Am Nachmittag schlüpfen wir in wärmende Neoprenanzüge und lassen uns von einem Zodiac an einem Seil befestigt und mit Schnorchel und Tauchermaske ausgestattet ins Wasser gleiten. Zum Greifen nahe schwimmen die Tiere nun um uns herum und schenken uns ihr freundliches "Beluga-Lächeln". Keine Frage - Manitobas "Big Five" begeistern auf voller Länge! Weitere Informationen: www.spectacularnwt.de und www.travelmanitoba.ca/de.