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Diese 9 Dinge solltet ihr nicht tun, wenn euch euer Kind am Herzen liegt

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CHILD SAD
Young girl indoors crying | SinanAyhan via Getty Images
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"Mein Kind ist das beste in der ganzen Sportmannschaft", "Mein Kind lernt zwei Sprachen und spielt Klavier". Nur zwei Sätze, die ehrgeizige Eltern gerne von sich geben. Doch wie viel Druck ist eigentlich gut für ein Kind? Und welche anderen Erziehungsmethoden sollten die Eltern nochmal überdenken?

Das wollte auch Reddit-User "SeaStar96" am Sonntag wissen: Welche Eltern-Trends nerven?, fragte er die Community. Und löste mit seiner Frage eine riesige Diskussion aus - knapp 6000 Antworten erreichten ihn schon.

Wir haben uns die Liste angeschaut und neun Dinge aus den unzähligen Antworten ausgewählt. Dinge, die ihr nicht tun solltet, wenn euch euer Nachwuchs am Herzen liegt.

1. Jede Sekunde eures Kindes genauestens zu planen

"Eltern, die Zeitpläne für die Kinder erstellen - sodass diese keinerlei freie Zeit mehr haben.

Schule von 6 bis 16 Uhr, Lernen von 16 bis 17 Uhr, Klavier-Unterricht von 17 bis 17.45 Uhr, dienstags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr Softball, montags und mittwochs Cheerleading, an Freitagen, Samstagen und Sonntagen Gymnastik, anschließend von 20 bis 20.45 Uhr auf dem Klavier üben, von 20.45 bis 21.30 Uhr Hausaufgaben und dann ab ins Bett.

Und das alles jeden Tag aufs Neue. Und wenn die Kinder in der Schule etwas schlechteres als eine 1 bekommen, sind sie sowieso erledigt. Ich kannte ein Mädchen, deren Zeitplan ähnlich aussah - sie ist ein totales Wrack." (Reddit-User PandeanPanic)

Wissenschaftlerin Nancy Carlsson-Paige erklärt in der Tageszeitung "New York Times", wieso es so wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder einfach mal nur Kinder sein lassen - und beispielsweise nicht auf eine frühe Einschulung pochen sollten. Diese könne der kindlichen Entwicklung schaden.

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2. Niemals "Nein" zu sagen

"Eltern, die nie "Nein" zu ihren Kindern sagen und ihnen keine Grenzen aufzuzeigen.

Natürlich erhalte ich eigenständigere Kinder, wenn ich ihnen bei wichtigen Entscheidungen eine Stimme gebe und ihnen die Freiheit lasse, ihre Meinung zu vertreten. Aber es wäre nett, wenn sie ihnen auch die grundsätzlichen gesellschaftlichen Werte vermitteln würden.

Achtjährige, die in aller Öffentlichkeit einen Wutanfall bekommen und sich sowohl gegenüber der Familie als auch Fremden (in der größten Lautstärke) ungezogen verhalten, sind nicht gerade liebenswert." (Reddit-User DG4z)

Und in der Tat: Kinder brauchen Grenzen. Sie sind wichtig. "Sie geben nicht nur einen Rahmen, sondern auch Sicherheit, sich in dieser oft unverständlichen Welt zurechtzufinden", erklärt die Diplom-Pädagogin Karin Abriel.

Sie weiß aber auch: Eltern müssen zulassen, dass ihre Kinder die Grenzen ab und zu sprengen: "Das ist bei Jugendlichen in der Pubertät oder bei Kleinkindern in der Trotzphase ein natürlicher Entwicklungsschritt zur Individualisierung", schreibt sie in einem Blog-Eintrag.

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3. Den Sport eurer Kinder zu ernst zu nehmen

"Ich war heute Schiedsrichter in einem Spiel. Ein alter Mann nannte mich ein "verf***tes Ar***loch und zweit weitere Eltern haben sich gegenseitig rassistische Begriffe an den Kopf geworfen und sich beinahe geprügelt.

Es war ein Spiel der Unter-Achtzehnjährigen und wisst ihr was? Den Kindern ging es prima - bis ihre Eltern auftauchten." (Reddit-User Pericles69420)

Sind die Eltern zu ehrgeizig, kann das schlimme Folgen für die Kinder haben. Marathonläufer Ewald Tröbinger erlebte bei einem "Juniormarathon" unfassbare Szenen: Eltern, die ihren Nachwuchs durch das Ziel zerrten. "Eigentlich müssten die Kinder vor ihren Eltern und Großeltern geschützt werden", sagt er nach dem Lauf.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kämpft seit Jahren gegen den Übereifer der Eltern und weiß: "Falsch verstandene Motivation fördert Kinder nicht, sondern nimmt ihnen die Lust am Spiel."

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4. Bilder eurer Kinder in den Sozialen Netzwerken zu teilen

"Bilder zu teilen, die eure Kinder in der Badewanne oder bei ihren körperlichen Bedürfnissen zeigen, ist nicht okay... Das ist ekelhaft.

Ich denke nicht, dass die volle Windel eures Kindes oder die allererste Erledigung des großen Geschäftes lustig oder süß sind. Ich will das nicht in meiner Timeline sehen. (Reddit-User MaddieKate)

Das Hochladen von Kinderfotos im Netz kann tatsächlich gefährlich sein. Denn die Privatsphäre des Kindes sollte geschützt werden - in erster Linie von den Eltern.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte mehr Achtsamkeit von Eltern bei der Veröffentlichung von Kinderbildern. "Wer Fotos der eigenen Kinder ins Internet stellt, sollte dabei sehr vorsichtig sein. Niemand kann sagen, wo diese Bilder landen“, sagte Maas der "Welt am Sonntag".

Um Kinder etwa vor Pädophilen zu schützen, riet er allen Eltern dazu, mehr als zurückhaltend zu sein.

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5. Euren Kindern erlauben, lange wach zu bleiben

"Einige Eltern erlauben ihren Kindern, mit ihnen gemeinsam wach zu bleiben - auch bis in die frühen Morgenstunden. Um spätestens 23 Uhr sind sie griesgrämig, pingelig und einfach nur müde.

Bringt. Eure. Kinder. Ins. Bett." (Reddit-User covok48)

Das Schlafverhalten eures Kindes ist maßgeblich für seine Gesundheit. Wissenschaftler der Penn State University haben über Monate hinweg 250 Mütter und ihre Babies untersucht. Das Resultat: Babies, die regelmäßig früh ins Bett gebracht wurden, schliefen nicht nur besser, sondern hatten auch langfristige gesundheitliche Vorteile.

Sie hatten beispielsweise nur ein halb so hohes Risiko, im Alter von einem Jahr übergewichtig zu sein.

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6. Euren Nachwuchs zwingen, aufzuessen

"ich bin so viel dicker - nur deswegen!" (Reddit-User Obi_Wan_Johnson)

Die Autorin Anna Luz de León zwingt ihre Kinder nicht dazu, aufzuessen - weil sie ihnen nicht einreden will, dass ihr Körpergefühl falsch ist. Und sie als mögliche Folge eventuell eben nicht mehr auf dieses hören. Sie stellte in ihrem Blog-Eintrag fünf No-Gos im Umgang mit dem Essverhalten von Kindern auf.

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7. Kinder in aller Öffentlichkeit fertig zu machen

"Die Kinder öffentlich zu schimpfen. Wenn du das tust, dann bist du ein Ar***loch und ein bemitleidenswertes Wesen."

"Publicly shaming your kids. If you do that s--t you are an a--hole and a disgusting human being. (Reddit-User Prannke)

Ob in der Öffentlichkeit oder nicht: Kinder, die angeschrien werden, verhalten sich auffällig. Das fanden US-Psychologen der University of Pittsburgh heraus. Jugendliche, die regelmäßig angeschrien, beleidigt oder herabgesetzt werden, neigen häufiger zu Depressionen als andere Kinder.

Ming-Te Wang, der Leiter der Studie, erzählte dem "Wall Street Journal": “Wenn man schreit, verletzt man das Selbstwertgefühl des Kindes. Es gibt ihm das Gefühl, dass es untauglich, wertlos und unbrauchbar ist.”

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8. Eure Kinder mit Fast-Food zu belohnen

"Ich denke nicht, dass man gutes Verhalten mit Fast-Food verknüpfen sollte, oder? Es ist wichtig, Kinder zu belohnen - solange ihr es nicht übertreibt und jedes Mal eine Party schmeißt, wenn sie etwas richtig machen." (Reddit-User bubblegrubs)

Auf das richtige Lob kommt es an. Zu diesem Schluss kam ein internationales Forscherteam, das 2015 an 565 Kindern Untersuchungen durchführte. Die Art und Weise, wie Eltern ihre Kinder loben, hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, welche Persönlichkeitsmuster ein Kind annehmen wird.

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9. Eure Kinder vor allem und jedem zu beschützen

"Das passiert, wenn ihr eure Kinder immer wieder vor den natürlichen Konsequenzen ihres Handelns beschützt: Sie lernen nichts aus ihren Fehlern. Sobald sie erwachsen sind, müssen sie dann auf die harte Tour lernen, was es bedeutet, Konsequenzen zu tragen." (Reddit-User MissElphie)

Julie Lythcott-Haims, ehemalige Dekanin der Universität Stanford und Autorin des Buches "Wie man einen Erwachsenen großzieht", warnt Helikopter-Eltern vor zu viel Fürsorge: "Wenn unsere Kinder niemals schwerere Zeiten durchmachen müssen, dann werden sie so empfindlich wie Orchideen und verlieren dadurch die Fähigkeit - manchmal sogar komplett - im echten Leben selbst Erfolg zu haben."

Auch Forscher der University of British Columbia kommen zu diesem Schluss: Sie empfehlen, Kinder auch mal unbeaufsichtigt spielen zu lassen, um die Entwicklung ihrer Kreativität, Belastbarkeit und ihres Selbstbewusstseins zu fördern.

Also, liebe Eltern, lasst es einfach.

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Sie denken, das bockige Kind im Einkaufszentrum sei ungezogen - bis es um Hilfe schreit



(vr)