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Pöbeleien in Dresden: So reagieren die Medien auf den Tag der Einheit

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DRESDEN
"Sind wir noch ein Volk?": So reagieren die Medien auf die Dresden-Pöbeleien | dpa
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Pöbelende Demonstranten, wütende Bürger, rassistische Ausfälle - die Feier zum Tag der deutschen Einheit in Dresden verlief alles andere als friedlich.

Vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses machten den Festakt für die angereisten Politiker teilweise zu einer Art Spießrutenlauf. Sie riefen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg".

26 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint Deutschland so gespalten wie lange nicht, kommentieren viele deutsche Medien. Eine Übersicht.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" schreibt am Dienstagmorgen:

"Die Pöbeleien rechter Hetzer am Rande der Einheitsfeier in Dresden haben wieder einmal deutlich gezeigt, dass unser Land in vielen Bereichen tief gespalten ist. Zahlreiche Indizien sprechen für eine gescheiterte Integration der neuen Bundesländer, wenn der äußeren nach wie vor keine innere Einheit gefolgt ist.

Sicherlich, die Mehrheit der Bundesbürger bewertet die Wiedervereinigung als ein positives Ereignis. Doch gleichzeitig denken noch viele Deutsche in Ost-West-Kategorien, in den alten wie auch in den neuen Ländern. Und die Tendenz der vergangenen Monate lässt auf keine Besserung hoffen. Höhere Einkommen, geringere Arbeitslosigkeit: Es ist gesellschaftliche Realität, dass der Westen seit Jahren ökonomisch besser dasteht als der Osten."

Auch die "Hessische Niedersächsiche Allgemeine" schreibt von einer neuen Spaltung der Bundesrepublik.

"Es gibt eine neue Mauer des Denkens, und sie ist äußerst schwer zu überwinden. Die jenseits von ihr sind, werden so bald nicht mehr herüberkommen; sie werden im Gegenteil immer skrupelloser, denn sie wollen sich jetzt durchsetzen."

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt zu den Vorfällen in Dresden:

"Zum Tag der Einheit zeigte die Stadt Dresden viele unterschiedliche Gesichter, darunter sogar einige Fratzen. An der Frauenkirche und vor der Semperoper brüllten kleine Teile des Volkes ihre Repräsentanten an, woraufhin diese Repräsentanten in Festreden das Land als blühend, stabil und vielfältig lobten. Blöd gefragt: Wer hat eigentlich recht und wenn ja, wie viel? Blöd geantwortet: Das liegt nicht allein in der Verantwortung der Repräsentanten und noch viel weniger in jener der Brüllenden."

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" wird in ihrer Analyse deutlich:

"Wenn eines Tages auf die Chronik der Einheit zurückgeschaut werde, dann müsse dieser 26. Tag aber noch aus einem anderen Grund als etwas Besonderes, als ein Einschnitt, vielleicht sogar als eine Wende nach der Wende wahrgenommen werden. ...Zum ersten Mal wurde die deutsche Einheit gefeiert, ohne dass wirklich von einer Einheit Deutschlands gesprochen werden kann."

Die "taz" kommentiert indes:

"An diesem 3. Oktober haben diese Menschen, bei denen man sich angesichts ihres Verhaltens davor scheut, sie Demonstranten zu nennen, eine Präsenz erreicht, die schaudern lässt. Die Bilder der Pöbler, die nun in die Welt gehen, werden nicht dazu beitragen, Deutschland als ein friedliches Land darzustellen. Es mag pathetisch und staatstragend klingen, aber es stimmt: Sie haben der Bundesrepublik Deutschland Schaden zugefügt."

Und der MDR Sachsen fragt:

"Sind wir überhaupt noch ein Volk? Oder nur noch eine lose Ansammlung von Individualisten und kleinen Einzelinteressengruppen?"

Die "Badische Neueste Nachrichten" schreiben:

"Deutschland, einig Vaterland? Eine wirkliche Freude über das Erreichte kann angesichts der hässlichen Bilder aus Dresden nicht aufkommen. Am Tag der Einheit zeigt sich, wie tief gespalten das Land und wie brüchig das Eis ist. Zwar ist es nur eine kleine Minderheit, die sich artikuliert, doch sie weiß, wie sie sich in Szene setzen und ihre Botschaften platzieren kann."

Scharfe Worte auch aus Niedersachsen: Die "Hannoversche Allgemeine" schreibt am Dienstagmorgen:

"Es ist ebenso rührend wie entlarvend, wenn etwa die sächsische Staatskanzlei ihre Bevölkerung angesichts dieser Lage gestern im Eltern-Kind-Modus bittet, den Spitzen der Republik doch 'respektvoll' zu begegnen und 'friedlich' zu sein. Ja, was denn sonst? Muss man das am Nationalfeiertag, der überall sonst mit einem entspannten Fest begangen wird, gesondert ansagen? Sachsen, wir haben ein Problem."

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(bp)