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Arme Länder nehmen den Großteil der Flüchtlinge auf

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  • Laut einem Bericht von Amnesty International haben zehn Länder über die Hälfte der Flüchtlinge weltweit aufgenommen
  • Darunter befinden sich keine EU-Länder, sondern vergleichsweise arme Länder wie Jordanien, Pakistan und Libanon
  • Die Menschenrechtsorganisation fordert deshalb eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge nach objektiven Kriterien
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat einen Bericht über Flüchtlinge veröffentlicht, in dem es vor allem darum geht, welche Länder Menschen auf ihrer Flucht aufnehmen - und welche nicht.

Zehn Länder hätten demnach über die Hälfte der Flüchtlinge aufgenommen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Dokument.

Diese zehn Länder kämen zusammen auf nur 2,5 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Welt, hätten aber 56 Prozent der Flüchtlinge auf der ganzen Welt aufgenommen.

Jordanien hat 2,7 Millionen Flüchtlinge aufgenommen

Der Amnesty-Report geht von 21 Millionen Flüchtlingen weltweit aus. Binnenvertriebene sowie Asylbewerber, deren Status noch nicht anerkannt wurde, sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Mit 2,7 Millionen Flüchtlingen nahm Jordanien die meisten auf, gefolgt von der Türkei, Pakistan und dem Libanon. Viele der Migranten lebten dort unter prekären Bedingungen, hieß es.

Der Bericht klagt die EU an, zweifelhafte Deals eingegangen zu sein, um die Zahl der Flüchtlinge aus Libyen und Sudan zu beschränken. Nachdem die Menschen von der libyschen Küstenwache abgefangen werden, würden sie rechtswidrig in Lagern festgesetzt werden. Dort drohe ihnen Missbrauch. Außerdem fehle der Zugang zu rechtlichem Beistand.

"Die Flüchtlingskrise ist nicht auf das Mittelmeer beschränkt"

Auch die Flucht bringe viele Flüchtlinge in Gefahr. 2015 ertranken 4000 Menschen im Mittelmeer. Im Jahr 2016 seien es mittlerweile schon 3500 Menschen, denen die Überfahrt nach Europa das Leben gekostet hat.

"Die Flüchtlingskrise ist nicht auf das Mittelmeer beschränkt“, sagt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International, in einer Mitteilung. "Überall auf der Welt ist das Leben von Flüchtlingen in Gefahr. Sie sind eingepfercht in überfüllte Boote, leben unter erbärmlichen Bedingungen und mit dem Risiko, ausgebeutet zu werden. Oder sie unternehmen eine gefährliche Reise, wo sie auf die Gnade von Schmugglern und bewaffneten Gruppen angewiesen sind.“

Benachbarte Länder helfen am meisten

Die größte Last in der Flüchtlingskrise würden Länder tragen, die in direkter Nachbarschaft von Konflikten und Krisen liegen. Als Beispiel hebt der Bericht die Zahl der syrischen Flüchtlinge hervor, die von Jordanien und vom Libanon aufgenommen wurden.

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Jordanien etwa beherberge mehr als 655.000 Flüchtlinge aus Syrien, während Großbritannien bisher weniger als 8000 Syrien aufgenommen habe. Dabei lebten in Jordanien im Vergleich zum Vereinigten Königreich zehnmal weniger Menschen.

Verteilung nach Reichtum, Bevölkerung und Arbeitslosenquote

Die ungleiche Verteilung verschärfe die globale Flüchtlingskrise nur, heißt es in dem Bericht weiter. Dabei sei es eigentlich eine lösbare Aufgabe, für mehr Flüchtlinge ein Zuhause zu finden, sagt Shetty.

Der Bericht ruft alle Länder auf, einen fairen Anteil der Menschen aufzunehmen, die weltweit auf der Flucht sind. Kriterien für die Verteilung sollen Reichtum, Bevölkerung und Arbeitslosigkeit sein - also vor allem objektive Kriterien.

Der Lösung der globalen Flüchtlingskrise stehe nur eines entgegen, sagt Shetty: "Das Problem ist nicht die Zahl der Flüchtlinge weltweit. Das Problem ist, dass viele der wohlhabendsten Länder am wenigsten Flüchtlinge aufnehmen und am wenigsten tun.“

Mit Material der dpa

Dieses Land will Flüchtlinge aufnehmen – aber die wollen nicht dort leben

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(vr)