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Spießrutenlauf für Merkel bei Einheitsfeier in Dresden: Polizei muss pöbelnde Menge zurückdrängen

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  • Bei der Einheitsfeier in Dresden haben mehrere hundert Demonstranten Politiker beschimpft
  • Unter den Gästen waren unter anderem Gauck und Merkel
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Mehrere hundert Demonstranten haben die geladenen Politiker beim Empfang zur zentralen Einheitsfeier in Dresden lautstark beschimpft.

Die Protestierer, vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses, riefen am Montag vor dem weiträumig abgesperrten Verkehrsmuseum "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg".

Unter den Gästen waren Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) empfing die Gäste vor dem Verkehrsmuseum, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen wollten.

Spießrutenlauf für die Gäste und Politiker

Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Augenzeugen sprachen von einem Spießrutenlauf für die Gäste und Politiker.

merkel gauck einheitsfeier

"Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden", teilte die Polizei via Twitter mit. Am Neumarkt waren unter anderem Merkel und Gauck empfangen worden.

Ein Video eines Twitter-Nutzers zeigt die aggressive Stimmung zwischen Polizisten und Demonstranten.

Nach Angaben der Polizei war die Demonstration auf dem Dresdner Neumarkt nicht angemeldet. Sie werde mittlerweile als Versammlung gewertet, erklärte die Polizei.

Eine solche Versammlung ist eigentlich am Tag der deutschen Einheit in der Innenstadt nicht zugelassen. Diese werde aber geduldet, da sie keine Auswirkung auf den Sicherheitsbereich oder das Protokoll habe, hieß es.

Nach Gottesdienst erneut angepöbelt

Nach dem Ende des Festgottesdienstes in der Dresdner Frauenkirche wurden Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel erneut von Pegida-Demonstranten beschimpft. Mehrere hundert Menschen hatten während des rund einstündigen Gottesdienstes zum Tag der deutschen Einheit bei Regenwetter vor der Kirche ausgeharrt. Das Gelände war weiträumig abgesperrt.

Gauck und Merkel machten sich nach dem Gottesdienst auf den Weg in die Semperoper, wo am Mittag der offizielle Festakt zum Tag der Einheit gefeiert wird.

Merkel ruft zu gegenseitigem Respekt und Dialog auf

Merkel rief am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft auf. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die CDU-Chefin am Montag vor einem Festakt in Dresden.

Es gebe aber auch neue Probleme. "Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen, und dass wir auch gute Lösungen finden."

Sie wünsche sich auch, "dass die Menschen miteinander im Gespräch bleiben und das ganz besonders auch angesichts vieler, die gar nicht sozusagen sich um dieses Gespräch bemühen"

Sächsische Staatskanzlei: "Traurig und bestürzt"

Die Sächsische Staatskanzlei zeigte sich bestürzt über die Pöbelei der rechten Demonstranten. Sie schrieb auf Twitter: "Wir sind traurig und beschämt über die Respektlosigkeit und den Hass der Pöbler bei den bisher friedlichen Feierlichkeiten zum #TdDE16."

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Nach mehreren Vorfällen finden die Feiern unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Bereits am Sonntag haben Pegida-Anhänger Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bei einem Empfang von Vertretern islamischer Gemeinden angepöbelt.

Vor einer Woche hatten Unbekannte in der Landeshauptstadt einen Sprengstoffanschlag auf eine Moschee verübt. Am Samstag wurden bei einem Brandanschlag drei Autos der Polizei zerstört.

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(lk)