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"Starke Überschneidungen" – Petry und Wagenknecht treffen aufeinander

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SAHRA WAGENKNECHT UND FRAUKE PETRY
Erstmals trafen die Linke Sahra Wagenknecht und AfD-Chefin Frauke Petry in einem Interview aufeinander. | Getty Images
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  • Erstmals treffen die Linke Sahra Wagenknecht und AfD-Chefin Frauke Petry in einem Interview aufeinander
  • Frauke Petry betont dabei mehrfach inhaltliche Überschneidungen
  • Sahra Wagenknecht wehrt sich allerdings vehement dagegen

In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ treffen die AfD-Chefin Frauke Petry und die Linke Sahra Wagenknecht erstmals in einem Interview aufeinander.

Auch wenn Sahra Wagenknecht sich in dem Gespräch immer wieder dagegen wehrt, liegen die Ansichten der beiden Politikerinnen bei so manchem Thema doch näher beieinander, als man zunächst glauben könnte – mag es nun um die Kritik an der EU gehen oder um die Ablehnung von Freihandelsabkommen.

Sogar beim Thema "Flüchtlingspolitik" sagte Frauke Petry überraschend zu Wagenknecht: "Deshalb gibt es so starke Überschneidungen zwischen uns."

Wagenknecht: "Es gibt keine Überschneidungen, Frau Petry"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken hatte zuvor Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert und betont, dass man dafür sorgen müsse, dass Integration gelingt und die notwendigen Arbeitsplätze und Wohnungen vorhanden sind, wenn so viele Menschen nach Deutschland kommen.

Petry sagte daraufhin: „Niemand bestreitet, dass wir eine humanitäre Verpflichtung haben, zu helfen“, betonte dann aber, dass eine "Ausnutzung des Asylrechts durch Armutsmigranten" nicht zu einem Konkurrenzkampf unter den sozial Schwachen führen dürfe.

Petrys Aussage, dass es viele Überschneidungen zwischen der Linken und der AfD gebe, wollte Wagenknecht allerdings nicht stehen lassen: „Es gibt keine Überschneidungen, Frau Petry“, sagte sie. „Dass Sie den Menschen in ihren Herkunftsländern helfen wollen, habe ich bislang [...] nicht als AfD-Position wahrgenommen“, so Wagenknecht.

Das ist laut Wagenknecht der Fehler der Linken

Die jüngsten Wahlen haben gezeigt, dass auch die Linke viele Wähler an die AfD verloren hat. Wagenknecht begründet das allerdings nicht mit inhaltlichen Überschneidungen der beiden Parteien, sondern damit, dass die Linke sich nichtdeutlich genug von Merkel distanziert zu haben.

"Die AfD wird ja nicht wegen ihres Programms gewählt, sondern aus Enttäuschung über die anderen Parteien, aus Wut darüber, dass in diesem Land seit Jahren gegen die Interessen der Mehrheit regiert wird“, sagte Wagenknecht und fügte hinzu: "Und wir Linken haben den Fehler gemacht, den falschen Eindruck zuzulassen, wir stünden hinter Frau Merkels Chaospolitik.“

Überschneidungen bei Euro- und EU-Kritik

Gerade, wenn es um die EU geht, stimmen Sahra Wagenknecht und Frauke Petry allerdings in zentralen Punkten überein.

Beide verlangen eine Rückverlagerung von Kompetenzen auf die Nationalstaaten und beide halten den Euro für eine Fehlkonstruktion. Sowohl Petry als auch Sahra Wagenknecht sprechen sich im Interview gegen Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP aus und misstrauen internationalen Riesenkonzernen.

Das sind unverkennbar grundlegende Überschneidungen, wenn auch die Gründe und die Lösungsansätze jeweils verschieden sind. Das zeigt sich vor allen Dingen, wenn es um die soziale Gerechtigkeit geht:

Während Wagenknecht auf einen starken Sozialstaat setzt, wollen Petry und die AfD staatliche Umverteilung reduzieren, einen "schlanken Staat", der gerade dadurch transparenter sein soll.

Koalition – "Wie bitte?"

Die Reaktion der beiden Politikerinnen auf die Frage nach einer möglichen Koalition ist deshalb letztlich also nicht wirklich überraschend:

"Wie bitte?", fragt Wagenknecht geschockt, "die AfD will einen schwachen Sozialstaat, niedrige Löhne und Renten, ein ungerechtes Steuersystem und ist nationalistisch und in Teilen rassistisch."

Petry fügt kalt hinzu: "Die Frage nach den Koalitionen führt in die falsche Richtung"

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