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Aufregung in Unterfranken: Schuldirektor will Jogginghosen verbieten

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JOGGERS PANTS DAY
Nicht nur im Sportunterricht beliebt: bequeme Jogginghosen. | Christian Vierig via Getty Images
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  • Der Direktor einer Bad Kissinger Realschule wollte zum neuen Schuljahr ein Verbot für Jogginghosen und unangemessene T-Shirts durchsetzen.
  • Der Vorstoß schlug hohe Wellen, sodass er zurückruderte.

"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Das sagte Karl Lagerfeld einst in der Talkshow von Markus Lanz. Die Prämisse nahm sich Schulrektor Torsten Stein gleich an seinem ersten Tag in der Realschule Bad Kissingen zu Herzen.

In der neuen Hausordnung heißt es: "Eine Schule ist kein Sportplatz und keine Disco. Deshalb ist das Tragen von Jogginghosen (außer im Sportunterricht), von zu knappen Outfits sowie von Kleidungsstücken mit gewaltverherrlichenden, obszönen oder satanistischen Aufdrucken nicht erlaubt.“

Für Stein sei dies einfach ein Zeichen des Respekts und der Wertschätzung für die schulische Arbeit, wie er dem Onlineportal „inFranken.de“ sagte. "Als Lehrer habe ich keine Lust, Schüler zu unterrichten, die T-Shirts mit dem Aufdruck 'Montags könnt ich kotzen' tragen“, erklärte der 41-Jährige.

Die Verbotsregeln sorgten für Aufregung

Schnell sorgten die neuen Regeln für Aufregung, immerhin wurde die Hausordnung auch an alle Eltern versendet, sie war zumindest bis Mittwoch auch auf der Schulwebsite zu lesen.

Die Schülerschaft sah sich bevormundet, Leser der "Main-Post“ hielten die Maßnahmen für "übertrieben“, andere sahen hingegen die Eltern in der Pflicht. Stein verstand die Aufregung nicht. Bereits in der Schule, die er bis vor kurzem leitete, habe es die letzten fünf Jahre eine vergleichbare Regelung gegeben. "Und es gab keinen einzigen Fall, wo es zur Konfrontation kam“, erklärte der Direktor gegenüber "inFranken.de“.

Auch das Kultusministerium bezog Stellung: Zwar enthalte das bayerische Schulrecht keine Vorschriften wie Schüler im Allgemeinen gekleidet sein sollen. Dennoch seien diese "dazu verpflichtet, sich so zu verhalten, dass der Schulbetrieb nicht gestört wird“, teilte das Ministerium der "Süddeutschen Zeitung“ (SZ) mit. Es bestehe aber die Einschränkung, dass die Persönlichkeitsrechte der Schüler nicht verletzt werden dürften.

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Damit liegt es letztendlich im Ermessen der Lehrer, ob ein Kleidungsstück tatsächlich den Unterricht stört. Stein entschloss sich schließlich zurückzurudern. Der Direktor schrieb der SZ: "Die von mir gegebenen Hinweise zu einer angemessenen Kleidung in der Schule sind lediglich als Impuls und als Anregung zu verstehen. Weitere Initiativen in dieser Angelegenheit sind derzeit nicht geplant.“

Jogginghosen-Verbot nicht zum ersten Mal beschlossen

In jedem Fall droht einem Schüler kein Verweis, sollte er zukünftig in Jogginghose in die Schule kommen. "Zuerst einmal wird der Lehrer ihn darauf ansprechen, und sollte es wiederholt vorkommen, werde ich mit ihm sprechen“, sagte Stein "inFranken.de“.

Der Vorstoß ist nicht der erste seiner Art. Im Mai 2015 setzte ein Würzburger Gymnasium ein Hotpants-Verbot durch, im November 2015 wurde an einer Schule in Baden-Württemberg ein Jogginghosen-Verbot erlassen. In beiden Fällen hatten allerdings die Lehrkräfte zusammen mit Schülern und Eltern die Kleiderregelung beschlossen.

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(vr)