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Der Mann, der Merkels Türkei-Deal entwarf, warnt vor einem Anstieg der Flüchtlingszahlen

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LESBOS REFUGEES
Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Lesbos | Murad Sezer / Reuters
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Der Mann, der Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) Flüchtlingspolitik und den Deal mit der türkischen Regierung entworfen hat, warnt vor einem Scheitern des Abkommens. Das könnte wieder zu einem Anstieg der Flüchtlingszahlen führen.

Gerald Knaus gilt er als der Experte, der die Blaupause für Merkels Flüchtlingspolitik geschaffen hat. Knaus ist Berater der Regierung und Vorsitzender des Thinktanks Europäische Stabilitätsinitiative e. V. (ESI), der Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Istanbul und Wien hat. Sein politischer Einfluss in Berlin und Brüssel ist enorm.

"Gefühl der Aussichtslosigkeit" hält Flüchtlinge von der Überfahrt ab

Bisher habe das Abkommen mit der Türkei seinen Zweck erfüllt. Vor allem wegen des "Gefühls der Aussichtslosigkeit" seien in diesem Sommer weniger als 50 Menschen am Tag in Griechenland" angekommen, sagte Knaus der "Welt". Da die Menschen fürchteten, auf einer griechischen Insel festzusitzen und wieder in die Türkei zurückgeführt zu werden, sahen sie von der gefährlichen Überfahrt ab.

Doch nun würden die Flüchtlingszahlen wieder steigen. Die Migranten rechneten sich wieder gute Chancen aus, auf das griechische Festland und weiter nach Norden zu gelangen.

"Nun bemerken die Migranten in der Türkei die Fragilität des Abkommens - von Juli auf August setzten doppelt so viele nach Griechenland über", sagte Knaus.

Nur 580 Flüchtlinge wurden in die Türkei zurückgeführt

Die Rückführung von Flüchtlingen in die Türkei läuft schleppend. Seit dem Beginn des Abkommens kamen nach Angaben der "Welt" mehr als 15.000 Migranten über die Ägäis – zurückgeführt wurden nur 580.

"Wenn es nicht endlich gelingt, Migranten von den griechischen Inseln in die Türkei zurückzuführen, kollabiert das EU-Türkei-Abkommen. Dafür muss die Türkei für diese Menschen nachweisbar faire Asylverfahren anbieten, ein sicherer Drittstaat sein", sagte Knaus im Gespräch mit der "Welt".

Insbesondere die Ankündigung der griechischen Regierung, Flüchtlinge von den Inseln auf das Festland umzusiedeln, bereitet Knaus Sorgen.

"Wenn die Griechen nun einige Tausend Menschen von den Inseln auf das griechische Festland bringen würden, ohne eine Strategie für die Rückführung in die Türkei zu haben, müssten sie das alle paar Wochen wiederholen", sagte Knaus.

Jede Woche, die das Abkommen hält, sei ein Geschenk, das die EU nützen müsse, sagte Knaus.

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(sk)