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Bargeldlos zahlen: Die Schweden sind einfach weiter als wir

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Bargeldlos zahlen: Die Schweden sind einfach weiter als wir | Gettystock
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In Deutschland gilt es vielen als Horrorszenario. Als Ende der Freiheit. Als endgültiges Ausgeliefertsein an den Staat.

In Schweden und einigen anderen skandinavischen Ländern ist es de facto bereits passiert. Und vielen nehmen es als angenehm war. Als selbstverständlich.

Die Rede ist von der Abschaffung des Bargelds.

Zahlen in Schweden und Deutschland - wie Leben auf zwei Planeten

Auch wenn die Daten nicht exakt vergleichbar sind, zeigen sie doch, wie eklatant die Unterschiede sind - zwischen dem, wo wir in Deutschland in der Sache stehen und dem, was Schweden bereits eingeführt hat. Und sie zeigen, was auch in Deutschland bald Realität sein könnte.

Nach Angaben der schwedischen Zentralbank deckten Barzahlungen im vergangenen Jahr in Schweden nur noch zwei Prozent des Werts aller Transaktionen ab. Im Euro-Raum sind es im Schnitt zehn Prozent.

Mehr zum Thema: So sähe Deutschland aus, wenn das Bargeld abgeschafft wäre

In schwedischen Läden werden nur noch 20 Prozent der Einkäufe bar bezahlt – der weltweite Schnitt liegt laut dem britischen "Guardian" bei 75 Prozent.

Laut Bundesbank wurden 2014 in Deutschland 79 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld beglichen. Im Einzelhandel wurde mehr als die Hälfte der Umsätze in bar beglichen.

Mehr als die Hälfte der Schwedischen Bankfilialen haben laut "Guardian" kein Bargeld vorrätig und nehmen auch keines mehr an. Man stelle sich das einmal in einer deutschen Bankfiliale vor.

Kollekte im Gottesdienst ohne Klingelbeutel

Ausführliche Erhebungen zeigen: Bargeldloses Zahlen nimmt weltweit stark zu. Es ist, davon darf oder muss man ausgehen, die Zukunft.

Niklas Arvidsson, Spezialist für Zahlungssysteme am Stockholm’s Royal Institute of Technology (KTH) sagte dem "Guardian", Schweden werde in fünf Jahren praktisch eine bargeldlose Gesellschaft sein. Der Würzburger Wirtschaftsweise Peter Bofinger nennt Bargeld laut Bayerischem Rundfunk einen "Anachronismus".

In Skandinavien akzeptieren viele Einrichtungen schlicht kein Bargeld mehr. Im Bus gibt es in Schweden gegen Cash kein Ticket, Händler dürfen die Annahme von Bargeld verweigern – auch in Dänemark ist das konkret im Gespräch. Die Kollekte im Gottesdienst läuft vielerorts schon bargeldlos.

Ganz neu ist die bargeldlose Zahlerei nicht. Selbst als das Geld schon erfunden war, gab es immer wieder Situationen, in denen die Menschen es nicht nutzen. In Notzeiten blühte der Handel mit Tauschgütern, statt Scheinen wechselten da etwa Zigaretten die Besitzer. Auch Bargeld anderer Nationen wurde genutzt, auf dem Balkan etwa spielte die Deutsche Mark eine wichtige Rolle.

Tatsächlich ist zu beobachten, dass die Schweden kreativ geworden sind beim Ersatz des Bargelds. Neben bargeldlosen Zahlformen wie EC- oder Kreditkarte boomen Payments übers Handy. Mit der App Swish können Smartphone-Nutzer Geld in Echtzeit an andere Smartphone-Nutzer überweisen. Fast die Hälfte aller Schweden sollen die App haben. In Dänemark nutzt mehr als die Hälfte der Bürger das dortige Pendant MobilePay.

Das Für und Wider

Horrorszenario also oder goldene Zukunft?

Fakt ist:

Bargeldloses Zahlen schafft Transparenz. Gut für den Kampf gegen kriminelle Machenschaften. Schlecht für den Datenschutz. Das sagt sogar einer der Pioniere der bargeldlosen Zahlsysteme in Schweden, der Erfinder des Dienstes iZettle für Einzelhändler, Jacob de Greer.

Bargeldloses Zahlen schützt gegen klassische Fälle von Diebstahl in Form von Raub und Einbruch. So musste ein Bankräuber 2013 in Schweden erfolglos wieder abziehen. Dafür nehmen die Fälle von elektronischem Betrug zu.

Bargeldloses Zahlen macht die Konsumenten abhängig. Von funktionierender Infrastruktur – bei einem Stromausfall wird bargeldloses Zahlen nahezu unmöglich. Von teils teuren Geräten wie Smartphones. Und es macht sie zumindest teils abhängig von Banken und deren Zinspolitik. Wer die Scheine nicht zu Hause horten kann, hat es schwer, sich etwa gegen Negativzinsen zu schützen.

Die Zeit nach dem Cash kommt - packen wir's an

Die Antwort auf die zentrale Frage ist also:

Bargeldloses Zahlen ist die Zukunft. Und es wird voraussichtlich ähnlich gut oder schlecht sein wie das Bargeld. Nur anders. Es hängt davon ab, was wir daraus machen.

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(lk)