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"Maischberger": Polizist zeigt Eltern schonungslos ihre Naivität gegenüber Gefahren im Internet

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SANDRA MAISCHBERGER
Bei "Sandra Maischberger" ging es um Cybergrooming | ARD Mediathek
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"Das war keine leichte Kost", sagte Moderatorin Sandra Maischberger nach dem Abspann des Spielfilms "Das weiße Kaninchen", in dem sich Pädophile über Chatrooms im Netz an Kinder heranmachen.

In der ARD ging es am Mittwochabend um das Thema Cyber-Grooming - sexuelle Kriminalität im Internet. "Tatort Internet: ein Spielplatz für Sexualverbrecher?", fragte Moderatorin Sandra Maischberger ihre Gäste.

"Sehr schlecht", ging es Monika Beisler, während sie den Spielfilm gesehen hatte. Im Alter von zwölf Jahren hatte ihre Tochter Maria in einem Chat einen 53 Jahre alten Mann kennengelernt, der sich als 15-Jähriger ausgegeben hatte. Später traf sie ihn. Seit drei Jahren sind Opfer und Täter spurlos verschwunden. "Es ist vielleicht so nicht passiert, aber es passiert so", sagte sie über den Film.

"Es gibt tatsächlich kein Kind, das nicht einmal mit einem Täter konfrontiert wird"

Der Polizist Thomas-Gabriel Rüdiger warnte deshalb Väter und Mütter: "Die sexuelle Missbrauchsbeziehung verläuft unter dem Radar der Eltern." Kinder würden heute im digitalen Raum aufwachsen. Dabei gebe es "tatsächlich kein Kind, das nicht einmal mit einem Täter konfrontiert wird" - auch wenn das Kind dies gar nicht so wahrnehme.

Es gebe zwei unterschiedliche Arten von Tätern, sagte der Polizist. Der erste Typ wolle Vertrauen aufbauen. Diese Menschen seien "sehr intelligent" und suchten nach "Möglichkeiten, Kinder an sich zu binden". Ziel sei es, den "realweltlichen Missbrauch" durchzuführen.

Mehr zum Thema: Drei Gründe, warum ich mein Kind nicht im Internet zeige

Dem anderen Tätertyp gehe es um Bilder und Videos. Sie wollten "möglichst schnell Erpressungsmaterial" sammeln. Sie würden Jugendliche nach Nacktbildern fragen und sie dann mit diesen erpressen, um weiteres Material zu erhalten. Dabei räumte er auch mit dem Klischee des älteren Mannes mit Wampe auf, der heimlich mit Kindern chatte. Den Tätertyp gebe es auch - doch der Großteil sei jünger als 30 Jahre.

"Willst du einen 29-Jährigen foltern?"

Stimmt es, dass praktisch jedes Kind im Internet mit Sex-Tätern in Kontakt kommt? Die "Maischberger"-Redaktionspraktikantin machte den Test. Sie gab sich in Chatrooms als die angeblich 14-jährige Anna aus. Schon nach Minuten wurde sie angesprochen: "Bist du noch Jungfrau?", "Masturbierst du manchmal?" oder "Willst du einen 29-Jährigen foltern?"

Autorin und Kinderschutz-Expertin Beate Krafft-Schöning hat vor allem einen Rat an Eltern: "Bitte stellt eure Kinder nicht ins Internet!" Die Bilder landeten schnell in den Sammlungen pädosexueller Täter – auch wenn sie vollständig bekleidete Kinder zeigen würden.

"Süß", findet die Expertin die Frage einer Zuschauerin, ab welchem Alter man mit Kindern über Cybergrooming sprechen sollte. "Ab dem Moment, in dem ich das Kind ins Internet lasse, muss ich es über die Gefahren aufklären."

Und zwar nicht "mit dem Weichspülprogramm, sondern mit dem Kochprogramm".

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