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Angriffe auf CDU-Generalsekretär Tauber: "Sie wollen ihn vernichten"

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TAUBER
ODD ANDERSEN via Getty Images
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Was in einem Ortsverband in Berlin begann, beschäftigt inzwischen die ganze CDU.

Am Freitag hatte die 26-jährige CDU-Politikerin Jenna Behrends schwere Vorwürfe gegen den Berliner CDU-Chef Frank Henkel erhoben - er soll sich ihr gegenüber sexistisch geäußert haben.

Darauf folgte in der CDU eine Debatte mit vielen Nebenkriegsschauplätzen, von denen auffallend viele bei einer Person enden: Generalsekretär Peter Tauber.

Von Mobbing, Sexismus und einem Verhältnis ist die Rede – eine nicht nur für Konservative unerträgliche Liste an Vorwürfen, die einer Schlammschlacht ähneln.

Entsprechend aufgeregt ist das politische Berlin. Um die Wahrheit und die Sache geht es dabei nur am Rande. Parteiinsider sprechen schon von einer „Kampagne“ gegen den CDU-Generalsekretär – es gehe jetzt darum, "ihn zu vernichten", sagen sie.

Hier sind die vier wichtigsten Fragen.

1. Welche Vorwürfe stehen im Raum?

Beinahe täglich gibt es neue Anschuldigen gegen Tauber.

Schwer wiegen die Mobbing-Vorwürfe aus seinem Kreisverband. Gemeinsam mit Parteikollegen soll er ein neunseitiges Papier verfasst haben, um die damalige Kreisgeschäftsführerin rauszuekeln. Der Titel: "Pflegehinweise für das Kaninchen", datiert auf das Jahr 2006.

Einzig: Das Mobbing-Papier trägt keine Unterschrift von Tauber. Es gibt keine Beweise, dass er tatsächlich der Verfasser oder Mitverfasser des Papiers ist.

Kritik gab es an Tauber auch für seinen medialen Aufschlag am Wochenende zum Thema Sexismus. Der „Bild am Sonntag“ sagte er, dass ihm Geschichten wie jene von Jenna Behrends immer wieder geschildert würden.

Am Montag veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ daraufhin einen Mailverkehr von Tauber mit Parteifreunden. Darin enthalten: Fragwürdige, frauenfeindliche Äußerungen. Außerdem wurden Behauptungen laut, Tauber habe ein Verhältnis mit Behrends. Das der CDU-General Behrends Brandbrief als Anlass genommen habe, sei wegen der Affäre höchst unglücklich, heißt es in der Partei.

2. Was sagt Tauber?

Tauber bestreitet sowohl eine Affäre mit Behrends als auch die Mobbing-Vorwürfe. Von dem Papier habe er gewusst, daran aber nicht mitgewirkt. Wer anderes behaupte, der lügt. Behrends habe er kennengelernt und auch mit ihr geflirtet. „Aber es war für mich schnell klar, dass es rein freundschaftlich bleibt“, sagt Tauber. Den Mailverkehr hat er bislang noch nicht kommentiert.

3. Warum ausgerechnet jetzt?

Tauber soll in seinem Heimatverband sehr umstritten sein – und das schon seit längerer Zeit. Ein CDU-Mitglied aus Taubers Umfeld sagt, es werde dort einige geben, „die ihn schon seit Monaten stürzen wollen. Jetzt bietet es sich an, weil er gleich mehreren Angriffen ausgesetzt ist.“

Aus anderen Kreisen heißt es, Tauber habe nicht nur in der Heimat Feinde – sondern auf allen Ebenen. „Er steht für einen CDU-Kurs, von dem einige in der Partei die Nase voll haben“, sagt ein hochrangiges CDU-Mitglied. „Die wollen jemanden, der die Partei wieder zusammenführt – und nicht weiter polarisiert. Dafür ist Tauber der Falsche.“

Tatsächlich ist Tauber Merkels Architekt einer modernen CDU. Er will die Partei „bunter“ machen, reformiert die Programmatik, will die CDU so für junge Mitglieder attraktiv machen. Nach außen zählt er zu den energischsten Verteidigern von Merkels Flüchtlingspolitik. Damit eckt er bei denen an, die die CDU wieder nach rechts rücken wollen.

4. Können die Vorwürfe Tauber schaden?

Natürlich, die Vorwürfe wiegen schwer.

Aber: So lange Tauber die Unterstützung der Kanzlerin hat, hat er nichts zu befürchten. Die Frage ist also, wie Merkel mit den Vorwürfen umgeht. Dass es für viele von ihnen keine Belege gibt, spricht für Tauber. Außerdem wäre es schwierig, für ihn einen Nachfolger zu finden.

Der Posten ist einer der wichtigsten und mächtigsten der Partei, er gilt als Sprungbrett für einen Ministerposten oder gar die Kanzlerschaft. Merkel weiß das sehr genau: Sie wurde 1998 nach dem Machtverlust der Kohl-Ära Generalsekretärin und reformierte die Partei. Ihren Job führt Tauber fort.

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(ben)