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"Ein Stück aus dem Tollhaus der Bundesregierung": Heftige Reaktionen auf Pläne für Stromtrassen

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STROMTRASSEN
"Ein Stück aus dem Tollhaus der Bundesregierung": Heftige Reaktionen auf Pläne für Stromtrassen | dpa
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Der Bau gigantischer unterirdischer Stromtrassen quer durch Deutschland für die Energiewende nimmt konkrete Formen an. Die Stromnetzbetreiber Tennet und Transnet haben am Dienstag ihre Vorschläge für mögliche Erdkabel-Korridore vom Norden in den Süden - für die sogenannte SüdLink-Trasse - vorgelegt.

Die Tennet-Pläne für den Südostlink und den Südlink sind jetzt online verfügbar.

Sie sorgen schon jetzt für Diskussionen.

Voller Erfolg - oder vollkommener Reinfall?

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bejubelte die neuen Pläne im Gespräch mit der Regionalzeitung "Münchner Merkur" als "vollen Erfolg".

Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, dagegen wettert, die neuen Pläne seien ein "Stück aus dem Tollhaus dieser Bundesregierung".

Auch in Bayern sind längst nicht alle auf Seehofers Seite. Bayerns FDP-Chef Albert Duin sorgt sich wegen Seehofers Blockade der Freiletungen um Deutschlands Wirtschaft. Er sagte der HuffPost: "Die Energiepolitik der CSU gefährdet den Standort Deutschland und Bayern."

Anwohner wollen keine überirdischen Stromkabel haben

Grund für die heftigen Reaktionen: Die vor zwei Jahre vorgelegten Pläne für die Stromtrassen - wegen ihrer Größe und geplanten Leistungsfähigkeit auch Stromautobahnen genannt und nötig, um den Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren – hatten heftigen Widerstand insbesondere in Bayern ausgelöst.

Viele Bürger wollen die Trassen nicht in ihrer Umgebung haben, schon gar nicht in Form der geplanten Freileitungen, die aus Sicht vieler die Landschaft verschandeln und den Wert ihrer Grundstücke mindern würden. Die neue Pläne sehen eine Erdverkabelung vor – was nach Schätzungen der Bundesregierungen die Stromkunden drei bis acht Milliarden Euro mehr kosten wird.

Milliarden Euro mehr für Erdverkabelung

"Der Populismus der CSU hat den Netzausbau um Jahre zurückgeworfen und um Milliarden teurer gemacht", schimpft deswegen Krischer.

Seehofer dagegen sagte dem "Münchner Merkur": "Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft. Ist ein Breitbandkabel unter der Erde irgendein Problem? Ist Verkehr im Tunnel ein Problem? Sind Wasserleitungen und ein Kanal unter der Erde ein Problem?"

FDP-Politiker Duin dagegen findet, die CSU sei "gegen alles auf einmal: gegen Atomkraftwerke, gegen Windkraft, gegen Pumpspeicherkraftwerke und gegen Stromtrassen."

Strom komme aber nicht einfach aus der Steckdose. "Unsere Wirtschaft ist auf eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung angewiesen."

Keine Leitungen vor 2025

Die Vorschläge für die beiden Stromautobahnen werden nun von der Bundesnetzagentur geprüft. Auch Bürger können sich an dem Verfahren beteiligen.

Erst in einigen Jahren soll der exakte Verlauf der beiden Trassen von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg sowie nach Bayern festgelegt werden. Die Leitungen sollen nicht vor 2025 in Betrieb genommen werden.

Mit Material von dpa

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(lp)