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Harvard-Ökonom: Darum sollten wir Geldscheine abschaffen

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KENNETH ROGOFF
Harvard-Professor Kenneth Rogoff | Eduardo Munoz / Reuters
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  • Der Harvard-Wirtschaftsprofessor Kenneth Rogoff plädiert für eine weitgehende Abschaffung des Bargeldes
  • Seine Begründung: So könne Steuerbetrug effektiver bekämpft werden

In den vergangenen Monaten haben zahlreiche Forscher für eine weitgehende Abschaffung des Bargeldes argumentiert - nun kommt noch der Wirtschaftsprofessor Kenneth Rogoff dazu. Und seine Begründung überrascht.

„Wir würden alle profitieren, wenn weniger Bargeld im Umlauf wäre“, erklärt Rogoff in einem Interview mit der Welt.

Große Scheine sollten abgeschafft werden

Seine Begründung: Studien und Daten von Einzelhändlern würden zeigen, dass Verbraucher sowohl in den USA als auch in Europa große Geldscheine nicht nutzen. So sei ein Großteil der Euro-Scheine mit hohen Werten aus dem legalen Wirtschaftskreislauf verschwunden.

Der Ökonom, der an der US-Universität Harvard lehrt, will zwar nicht komplett auf Münzen und Banknoten verzichten. Er befürwortet aber die Abschaffung von großen Scheinen.

"Der Rest kursiert unter Kriminellen, Handwerkern, die schwarzarbeiten, und Menschen, die ihre Steuern nicht gezahlt haben. Bei Drogenrazzien oder Hausdurchsuchungen tauchen diese Scheine dann auf", sagt der 63-Jährige. Er mahnt: "90 Prozent der großen Geschäfte, die in cash abgewickelt werden, laufen doch an der Steuer vorbei."

Auch 100- und 200-Euro-Noten sollten verschwinden

Im Gegensatz zu den USA, wo wenig mit großen Scheinen bezahlt wird, ist die Barzahlung auch von größeren Beträgen in Deutschland Normalität. Auch deshalb nimmt Rogoff kleinere Summen – "Ich denke da an ein paar Hundert Euro" – von seinem Vorschlag aus.

Dennoch begrüßt er die Ankündigung der Europäischen Zentralbank den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Ginge es nach Rogoff müssten allerdings die 100er und 200er zeitnah folgen. Das Ziel: Es soll verhindert werden, dass in Krisenzeiten Geld zu Hause gehortet wird.

96 Prozent der Deutschen zahlen in bar

Schon seit längerem gibt es auch in Deutschland eine Debatte darum, ob das Bargeld zumindest teilweise abgeschafft werden soll.

Zu den Befürwortern des Vorschlags gehört der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Er will damit vor allem gegen Geldwäsche vorgehen.

Bargeld sei nicht nur beliebt, sondern unverzichtbar, argumentiert dagegen Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV): "Bargeld ist gelebter Datenschutz: Unbares Zahlen hinterlässt Datenspuren, die kommerziell genutzt und zur Erstellung eines Verbraucherprofils verwendet werden können."

Laut einer Umfrage des Digitalwirtschaftsverbands Bitkom bezahlen 96 Prozent der Bundesbürger an der Ladenkasse in bar, immer mehr nutzen demnach aber auch die Debitkarte (82 Prozent), Kreditkarten (35 Prozent) und das Handy (10 Prozent).

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