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Wenn Mädchen in diesem Dorf 12 Jahre alt werden, passiert etwas Rätselhaftes mit ihren Körpern

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Die Pubertät ist für alle eine schwierige Zeit mit tiefgreifenden Veränderungen. Bei manchen Kindern in einem kleinen, isolierten Dorf in der Dominikanischen Republik passiert in dieser Zeit jedoch noch viel mehr: Ihr Körper und ihre Identität ändert sich grundlegend.

Es ist eine Veränderung, die Forschern lange Rätsel aufgab: Denn manche Mädchen verwandeln sich hier mit 12 Jahren offenbar zu Jungen.

So erging es auch Johnny, der von seinen Eltern nach der Geburt Felicita genannt wurde. Er wurde wegen seines Aussehens für ein Mädchen gehalten, und dementsprechend aufgezogen und mit Kleidchen in die Schule geschickt. Doch mit 12 Jahren bildete sich bei Johnny auf einmal ein Penis und Hoden aus. Wie sich herausstellte, war Johnny ein Junge und kein Mädchen.

"Mädchen" verwandeln sich in Jungen

Diese Transformationen kommen in dem dominikanischen Dorf häufiger vor - bei einer von 90 Geburten, wie der britische Nachrichtensender BBC berichtet. Viele Jungen werden als Mädchen aufgezogen, weil man bei ihrer Geburt keinen sichtbaren Penis oder Hoden, sondern eher etwas, was wie eine Vulva aussieht, erkannt hatte. Erst mit Eintritt in die Pubertät entwicklen sie die männlichen Geschlechtsmerkmale. Die betroffenen Kinder werden Guevedoces genannt - was übersetzt "Penis mit 12" bedeutet.

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Mit dieser Besonderheit erreichte das isolierte Dorf unter Forschern Berühmtheit. Die Wissenschaftlerin Julianne Imperato- McGinley von der amerikanischen Cornell University reiste in den 1970ern dorthin, um diese einzigartige Transformationen zu untersuchen.

Sie fand heraus, dass den Betroffenen ein Enzym fehlt, das sie bei der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron brauchen. Das führt dazu, dass sie zwar Hoden ausbilden, diese aber im Inneren des Körpers bleiben, bis sie in die Pubertät kommen. Durch die Produktion von Testosteron bilden sich nachträglich Penis und Hoden - die zwar funktionsfähig, aber kleiner als gewöhnlich sind.

Die betroffenen Kinder gehen unterschiedlich mit der Veränderung ihres Körpers um

In einer Dokumentation der BBC namens "Countdown to Life" wird von den Forschungsergebnissen berichtet und Betroffene kommen zu Wort.

So erzählt Johnny, dass seine Eltern ihm immer Mädchenspielzeug geschenkt hätten, das ihn nicht interessiert hätte - als er jedoch begann, sich auch äußerlich in einen Jungen zu verwandeln, wurde er von den anderen Kindern gemobbt. "Sie haben gesagt, ich sei der Teufel und andere gemeine Sachen", erzählt er.

Die betroffenen Kinder gehen unterschiedlich mit der Transformation um: Manche wie Johnny sind froh, endlich die Geschlechtsidentität zu bekommen, in der sie sich wohl fühlen. Andere wollen jedoch lieber ein Mädchen bleiben und vollziehen eine Geschlechtsumwandlung, wie Michael Mosley, der Regisseur der BBC-Dokumentation, in einem Interview mit dem Lifestyle-Portal "Vice" berichtet.

Dank der Untersuchung der Guevedoces konnte ein Medikament entwickelt werden

Er betont auch, dass die Transformation im Dorf trotz des Mobbings durch die Gleichaltrigen weitgehend akzeptiert sei. Er sagt: "Die Sache ist die, dass die Leute in der Dominikanischen Republik das akzeptieren, während es in anderen Gegenden als abnormal gesehen wird und die Betroffenen schlecht behandelt werden."

Diese Besonderheit tritt nämlich vereinzelt in mehreren Gegenden weltweit auf, obwohl sie sehr selten ist.

Die Erforschung der Guevedoces hatte aber auch einen positive Effekt für Millionen Männer weltweit: Dank der Untersuchungsergebnisse konnte ein Medikament entwickelt werden, mit dem eine gutartige Vergrößerung der Prostata behandelt werden kann.

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