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Wie Wasser aus der Luft Menschenleben retten kann

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WASSER
Wie Wasser aus der Luft Tausende Menschenleben retten kann | Gettystock
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Erst ist es nur Durst. Quälender Durst. Dann hören die Nieren auf zu arbeiten. Der Körper vergiftet sich. Nach und nach versagen alle Organe.

Wassermangel kann schon innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Spätestens aber nach wenigen Tagen.

Schätzungen zufolge leiden weltweit 780 Millionen bis 1,1 Milliarden Menschen unter Wassermangel. Unter anderem wegen des Klimawandels werden es bald noch weit mehr sein, warnen Hilfsorganisationen. Abertausende ziehen sich außerdem Krankheiten zu, weil sie verunreinigtes Wasser trinken.

Firmen und Forscher weltweit arbeiten Verfahren, um die schlimmste Not zu lindern: Sie gewinnen Trinkwasser auf der Luft.

Ein bisschen Wasser ist fast immer in der Luft

Die Idee beruht auf einem sehr simplen und lange bekanntem physikalischen Prinzip: Unsere Luft enthält so gut wie immer Wasser, selbst in der Wüste noch. Man muss es nur dazu bringen, zu kondensieren, um es nutzbar zu machen.

Je heißer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie binden. 30 Grad warme Luft zum Beispiel kann bis zu 30 Gramm Wasser, also 30 Milliliter, pro Kubikmeter enthalten.

Geräte kühlen die Luft

Schon seit Jahren gibt es deshalb Geräte, die die Luft so weit herunterkühlen, bis das Wasser darin kondensiert. Die israelische Firma WaterGen etwa bietet solche Geräte an, auch die US-Firma Ecoblue.

Ecoblue verkauft vor allem kleine Geräte für den Bürogebrauch, hat nach eigenen Angaben aber auch in einem Container eine Einheit für den Einsatz in Krisengebieten, wo die Versorgung zusammengebrochen ist.

Das Deutsche Rote Kreuz allerdings steht der Technik skeptisch gegenüber. Die eingesetzte Technik müsse mit dem standardisierten Equipment der Partnerorganisationen in den Einsatzländern kompatibel sein. Um Technik in möglichst vielen Krisensituationen einsetzen zu können, brauche man einfache Technik, die auch überall betrieben und gewartet werden könne. "Keine dieser vermeintlichen neuen High-Tech/Spezial-Lösungen erfüllt diese Kriterien", heißt es auf HuffPost-Anfrage.

Beide oben genannten Firmen werben außerdem mit dem Einsatz der Geräte im großen Stil. So sollen ganze Städte oder gar Länder mit Hilfe der Technologie mit Wasser versorgt werden.

WaterGen fährt nach Angaben der US-Nachrichtenseite "Business Insider" derzeit Tests im indischen Mumbai, im chinesischen Schanghai und Mexiko City. Die Firma wirbt unter anderem bei den Vereinten Nationen für den Einsatz ihres größten Gerätes, das mehr als 3000 Liter Trinkwasser pro Tag in einer Umgebung produzieren soll, in der es knapp 27 Grad Celsius warm ist und die Luftfeuchte 60 Prozent beträgt.

Ecoblue hat eine Animation veröffentlicht, wie mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie eine Anlage in großem Stil betrieben werden könnte:

Massiver Stromverbrauch

Denn die Technik hat einen Haken: Die Maschinen brauchen Strom, viel Strom je nach Modell.

Das transportierbare Gerät von WaterGen etwa braucht nach Firmenangaben 350 Wattstunden pro Liter und soll damit noch sehr sparsam sein.

Deutsche Forscher tüfteln an einer anderen Methode

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart haben in Zusammenarbeit mit einer anderen Firma auf eine andere Technologie gesetzt, die effizienter sein könnte.

Sie kühlt das Wasser nicht, sondern bringen es mit Hilfe von Salzlösung zum kondensieren und destillieren es. Außerdem arbeitet der Prototyp mit Niederdruck, sodass das Wasser schon bei niedrigeren Temperaturen kondensiert.

Experten weisen darauf hin, dass Wassergewinnung aus der Luft sich vor allem dort lohnt, wo es keine anderen Wege der Wassergewinnung gibt, etwa aus Meerwasser - einfach deswegen, weil der Aufwand hoch ist.

Die Wolkenfänger aus Südamerika

Im südamerikanischen Chile ist die Wassergewinnung aus der Luft für Hunderte Menschen seit vielen Jahren verbreitet. Allerdings arbeiten die Menschen dort mit einer ganz anderen und noch viel einfacheren Technik.

In der Region gibt es viel Nebel und trotzdem Wassermangel. Deshalb haben Forscher riesige Plastiknetze aufgehängt, an denen die Luft abkühlt und der Nebel kondensiert. Das Wasser läuft an den Netzen herunter und in Auffangrinnen.

Zwar muss es erst noch gereinigt werden, bis es zum Trinken geeignet ist – aber für viele arme Menschen ist dieses Wasser zumindest noch bezahlbar.

Nach Recherchen des "Tagesspiegels" gibt es etwa im Dorf Chungunga seit 1992 solche Netze, "Nebelfänger" genannt. Sie liefern bis zu 300.000 Liter Wasser pro Jahr. Die Methode soll auch im Jemen, in Haiti und weiteren Ländern im Einsatz sein.

In Varianten kann die Technik also für viele Regionen spannend sein, in denen die Wasserversorgung schwierig ist. Und im Zweifel Menschenleben retten.

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(lp)