Huffpost Germany

"Kochen statt Dealen" – so wollen zwei Berlinerinnen Drogendealer von der Straße holen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Zwei Berlinerinnen wollen Flüchtlinge davon abhalten, mit Drogen zu dealen
  • Dafür bieten sie Asylbewerbern eine Ausbildung im Catering an
  • Im Video oben seht ihr die wichtigsten Infos über das Projekt in Berlin

Bei vielen Berlinern gilt der Görlitzer Park als rechtsfreie Zone. Schon tagsüber wird in aller Öffentlichkeit gedealt, Obdachlose zelten in den Gebüschen, regelmäßig kommt es zu Schlägereien und Belästigungen.

Beinahe täglich führt die Polizei Razzien durch - ohne dauerhaften Erfolg. Knapp 1800 Straftaten wurden in dem Park vergangenes Jahr verübt. Das häufigste Delikt: Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Zwei Berlinerinnen wollen nun mit einem ungewöhnlichen Projekt den Drogenhandel im Park stoppen - und den Dealern eine Alternative bieten.

"Lebensperspektive jenseits von Ablehnung und Armut"

Das Mutter-Tochter-Gespann Brigitta und Annika Varadinek ermöglicht jungen Asylbewerbern aus Afrika seit kurzem unter dem Motto "Kochen statt Dealen“ eine Cateringausbildung und somit eine Chance auf ein besseres Leben in Deutschland.

"Unsere Vision ist es, Geflüchteten eine Lebensperspektive jenseits von Ablehnung und Armut zu eröffnen“, sagt Brigitta Varadinek über ihr Projekt "Bantabaa FoodDealer“.

Das Wort "Bantabaa" kommt aus der westafrikanischen Mandinka-Sprache und bedeutet übersetzt "Treffpunkt“ – genau den wollten Brigitta und ihre Tochter Annika Varadinek für junge Flüchtlinge schaffen, die zuvor im Görlitzer Park in Berlin mit Drogen gedealt haben.

Mutter und Tochter sammelten 15.000 Euro über Crowdfunding

In ihrem Verein bekommen die jungen Asylbewerber aus Afrika Deutschkurse, interkulturelle Schulungen und Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen wie Behördengängen.

Seit Juni dieses Jahres läuft die Pilotphase. Derzeit nehmen fünf Dealer aus dem Park an dem Projekt teil - zwei wurden bereits in Jobs vermittelt. Über eine Crowdfundingkampagne haben die beiden Berlinerinnen rund 15.000 Euro eingesammelt.

batabaa refugeeproject

Von der Schattenwirtschaft in die Gastronomie

Um den Flüchtlingen und Dealern eine Chance in den Arbeitsmarkt und somit einen Ausstieg aus dem Leben als Drogendealer zu ermöglichen, haben Brigitta und Annika Varadinek zudem ein Cateringunternehmen gegründet, in dem sie die Asylbeweber für die Arbeit in der Gastronomie ausbilden.

Das habe sich angeboten, weil ihre Tochter in Kreuzberg bereits ein Café betreibe, erklärt Brigitta Varadinek. Die Flüchtlinge erhalten so eine praktische Ausbildung in der Küche, in der sie die Vor- und Zubereitung von Speisen, die lebensmittelrechtlichen Grundlagen und die Hygienerichtlinien vermittelt bekommen.

Mehr zum Thema: Kriminalität von Flüchtlingen geht stark zurück

"Unser Engagement soll vor allem verhindern, dass junge Menschen in die Schattenwirtschaft abtauchen müssen, um zu überleben. Wir sehen in unserem Projekt der Integration eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände und eine Zukunftsaussicht für ein Leben in Deutschland, in Europa und in den Heimatländern der Geflüchteten“, sagt Brigitta Varadinek.

bantabaa refugeeproject

Begegnung im Görlitzer Park als Auslöser

Auslöser für das Projekt war eine Begegnung im Görlitzer Park. Brigitta und Annika Varadinek gehen dort regelmäßig mit ihren Hunden Gassi. Wie sie im Interview mit der Initiative "Zusammen für Flüchtlinge“ erklären, seien sie bei den Spaziergängen auf immer mehr geflohene Menschen aus Schwarzafrika getroffen, die in dem Park mit Drogen dealen.

"Es fing an mit einem kleinen Jungen, der im Winter frierend vor uns stand", erklärt Brigitta Varadinek. "Er erzählte uns, dass er aus einer sehr armen Familie in Gambia stammt und nie zur Schule gegangen ist. Jetzt ruht die ganze Hoffnung der Familie auf ein besseres Leben auf seinen Schultern. Denn er soll Geld in die Heimat schicken. Hier will aber niemand etwas mit ihm zu tun haben."

Ihre Tochter Annika habe den Jungen deshalb in ihrer Wohnung schlafen lassen. So sei schließlich die Idee geboren worden, für die jungen Flüchtlinge, die im Görlitzer Park dealen, einen Rückzugsort zu schaffen.

Aus diesem Rückzugsort soll jetzt ein Ort der Integration und der Hoffnung werden - auch für den Görlitzer Park, an dem die Berliner Politik bisher gescheitert ist.

Auf der Plattform "betterplace.org" findet ihr mehr Informationen über das Projekt.

Willst auch Du auch in der Flüchtlingshilfe aktiv werden? Dann informiere dich unter Zusammen Für Flüchtlinge, einer Initiative von betterplace.org.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)