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"Anne Will"-Talk zu Trump: "Was in den USA passiert, wird auch bei uns geschehen"

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ANNE WILL
Bei "Anne Will" ging es um die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen | ARD Mediathek
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Der US-Präsidentschaftswahlkampf geht in die Endphase. Am Dienstag steigt das erste TV-Duell zwischen der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton und dem Republikaner Donald Trump.

ARD-Moderatorin Anne Will fragte daher ihre Gäste am Sonntagabend: "Emotionen statt Fakten – Warum ist Trump so erfolgreich?" Fast alle Gäste waren sich einig: Weil Trump auf Emotionen und Lügen setzt.

Nur einer widersprach: der einzige Amerikaner in der Runde, der Republikaner Johnson. Er will Trump wählen und schien sich mit seiner Außenseiterrolle in der Talkshow arrangiert zu haben: "Wir sind aus europäischer Sicht komische Tiere."

Johnson: "Hillary wäre eine Riesenkatastrophe"

Er wünscht sich Veränderung in den USA. "Es gibt einen Riesen-Frust. Die Leute sind der Meinung, das muss sich ändern." Doch auch er sieht in Trump nur das kleinere Übel: "Wenn Trump nicht gewählt wird, kommt Hillary an die Macht - und das wäre eine Riesenkatastrophe."

Johnson verteidigte die offensichtlichen Unwahrheiten, die Trump während des Wahlkampfs verbreitete. Er spricht lieber von "zugespitzten Übertreibungen" - und so versucht er sogar, Trumps absurde Behauptung, dass Barack Obama den Islamischen Staat gegründet habe, zu erklären. Schließlich habe Obama die US-Truppen aus dem Irak abgezogen.

Hier unterbrach ihn der Linke-Politiker Oskar Lafontaine. "Wenn ein US-Präsident den IS gegründet hat, dann war es George W. Bush mit seinem Einmarsch in den Irak." Applaus im Publikum.

Gottschalk: Amerikaner sind "ein rätselhaftes Kindvolk"

Lafontaine ist der Ansicht, dass die Emotionen jeden Wahlkampf entscheiden. Er spricht aus Erfahrung. Als SPD-Kanzlerkandidat hatte er seinerzeit vor den Kosten der Wiedervereinigung gewarnt - und verlor gegen Helmut Kohl, der lieber "blühende Landschaften" versprach. Lafontaine trauerte der Kandidatur Bernie Sanders nach. Denn für ihn gehört Hillary "zur Kriegspartei" der USA.

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Moderatorin Anne Will ließ an dieser Stelle dem Anti-Amerikanismus freien Lauf. "Wie bekloppt sind die Amerikaner?", wollte sie wissen. Entertainer Thomas Gottschalk, lange schon in den Staaten zu Hause, antwortet mit dem Philosophen Peter Sloterdijk. Die Amerikaner seien "ein rätselhaftes Kindvolk", also naiv, stets auf den eigenen Vorteil bedacht.

"Teilweise ist das ein Dritte-Welt-Land", so Gottschalk, die Abgehängten würden in Trump ihre Hoffnung sehen. Man müsse den Leuten erklären, dass "Trump nicht die Lösung für ihre Probleme ist". Der Republikaner als Präsident wäre so, "als würde man Dieter Bohlen zum Nachfolger von Joachim Gauck machen".

Schulz: Für Trump ist "Sachverstand intellektueller Blödsinn"

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, erklärte den großen Unterschied zwischen Trump und Clinton. "Hillary macht Vorschläge", sagt er. Trump dagegen erkläre "Sachverstand zu intellektuellem Blödsinn".

"Der Typ ist eine Gefahr", warnt er. Politiker mit exekutiver Macht könnten das Leben von Generationen prägen und müssten daher von Journalisten und Richtern überwacht werden. Aber genau diese Menschen sehe Trump als überflüssig an.

In diese Richtung argumentiert auch die Publizistin Constanze Stelzenmüller. Sie schockiere vor allem die Verachtung, die Trump gegenüber dem demokratischen System zeige. Über seine "ganz üblen, menschenwürdigen Entgleisungen" könne sie sich daher nicht mehr amüsieren. "Was in Amerika passiert, wird hier ebenso passieren", warnte sie. Spätestens, wenn wir in den Wahlkampf einsteigen.

Das Fazit der Sendung sprach Entertainer Gottschalk. Wir seien auf einem ähnlichen Weg wie die USA, warnte er. "Lasst uns die Fehler, die andere machen, für uns als Lehre nehmen. Lasst uns verhindern, dass es bei uns auch wegrutscht - bei uns gibt es genauso viele Abgehängte."

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(sk)