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Die letzten Stunden vor der Tat des Piratenpolitikers: "Er hatte eine große Kiste dabei und lachte"

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CLAUSBRUNNER
Eine Woche nach dem Suizid des Piratenpolitikers Gerwald Claus-Brunner kommen immer mehr verstörende Details zum Mord an seinem 29-jährigen Opfer ans Licht | Andreas Rentz via Getty Images
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  • Bilder einer Überwachungskamera sollen Piratenpolitiker Claus-Brunner wenige Stunden vor seinem Tod zeigen
  • Die Bilder zeigen zudem den Sackkarren, mit dem Claus-Brunner den Leichnam seines Opfers durch Berlin transportiert haben soll

Rund eine Woche nach dem Mord an einem 29-Jährigen in Berlin und dem anschließenden Suizid des Täters, des Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunners, gelangen immer mehr schaurige Details der Tat ans Licht.

Bilder einer Überwachungskamera eines Berliner Kiosks sollen Claus-Brunner wenige Stunden vor der Tat zeigen. Die Bilder zeigen, wie Brunner das Kiosk betritt, einen Roman und einen Lottoschein kauft.

Das einzig ungewöhnliche an Claus-Brunners Auftritt: Vor der Tür lässt er einen großen Sackkarren stehen.

"Er hat gegrinst"

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung beschreibt der Kiosk-Verkäufer, der auf den Bildern mit Claus-Brunner zu sehen sein soll, seine letzte Begegnung mit dem Täter.

Auf die Frage des Verkäufers, was sich in dem Karren befinde, habe der Piraten-Politiker gegrinst und geantwortet, er wolle Altkleider entsorgen. Er habe einen normalen Eindruck gemacht.

"Zweimal die Woche hat er Lotto-Scheine abgegeben. Der kam hier häufiger bei uns vorbei, er wohnt ja nur ein paar Häuserblocks entfernt", sagte der Kiosk-Verkäufer der "Bild".

Mit Leichnam durch Berlin

Die Bilder der Überwachungskamera legen nahe, dass Claus-Brunner seine Tat akribisch plante. Auf dem Sackkarren soll der Piraten-Politiker noch am selben Abend den Leichnam seines Opfers durch Berlin transportiert haben.

Seit dieser Woche gilt der Mordfall als geklärt. Wie Sprecher Martin Steltner am Donnerstag sagte, hat Claus-Brunner ein Paket mit persönlichen Gegenständen und einem Brief an seinen früheren Lebensgefährten geschickt. In dem Schreiben habe der 44-Jährige die Tötung des 29-Jährigen eingeräumt.

Wie Steltner auf Anfrage sagte, gibt es keine Hinweise auf eine Tatbeteiligung anderer. Deshalb werde die Staatsanwaltschaft den Fall nicht weiterverfolgen. Und: "Gegen Tote wird nicht ermittelt." Das Paket sei bei dem früheren Lebensgefährten nicht angekommen und schließlich am Mittwoch der Polizei übergeben worden.

Tod durch stumpfe Gewalt

Ob in dem Brief stand, wann und wie das Opfer starb, sagte der Sprecher nicht. Der 29-jährige Mann wurde laut Staatsanwaltschaft durch "stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper" getötet. Über einen Geständnis-Brief hatte zuerst die "Welt" berichtet.

Die Leichen des Piraten-Politikers und seines Opfers waren am Montag in verschiedenen Räumen von Claus-Brunners Wohnung im Stadtteil Steglitz entdeckt worden. Den Beamten, die als erste seine Wohnung betraten, bot sich nach Polizeiangaben "ein schauriges Bild".

Der 29-Jährige war laut Staatsanwaltschaft schon Tage zuvor in seiner Wohnung im Wedding getötet worden. Claus-Brunner habe die Leiche in seine Wohnung gebracht und sich dann später selbst umgebracht.

Claus-Brunner soll Opfer gestalkt haben

Claus-Brunner war als Pirat durch sein Auftreten mit Latzhose und Kopftuch bekanntgeworden. In der bundesweit ersten Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus war er umstritten. Er stimmte oft gegen seine eigenen Leute. Bei der Wahl zum neuen Landesparlament waren die Piraten am Sonntag an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Laut Staatsanwaltschaft gab es wohl einen "Stalking-Hintergrund" der Tat. Der 29-Jährige könnte demnach von Claus-Brunner verfolgt und belästigt worden sein.

Es soll eine Anzeige des jüngeren Mannes gegeben haben. Laut "Bild"-Zeitung (Donnerstag) soll Claus-Brunner mindestens einem weiteren Mann nachgestellt haben. Zu weiteren Details aus dem Leben Brunners sowie der Tat äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht.

Laut Steltner war Claus-Brunner anders als von ihm selbst behauptet nicht unheilbar krank. Die Obduktion habe keine solchen Hinweise erbracht, sagte der Sprecher.

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