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"Die Finstersteins"-Autor: "Viele Kinder fühlen sich ein bisschen außerirdisch"

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Kinderbuch-Star Kai Lüftner

"Wehe, wer die Toten weckt" heißt der erste Band von Kai Lüftners neuer Reihe "Die Finstersteins". Auch das Hörbuch (Der Audio Verlag, 11,99 Euro) hat der gefeierte Kinder- und Jugendbuchautor selbst gesprochen. Darin hat es sein junger Held Fred nicht leicht: Umzug, neue Schule und eine Wohnung direkt auf dem Friedhof bringen ihm keine Punkte auf der Beliebtheitsskala. Das lässt ihn auch Oberfiesling Aaron Bärbach spüren. Doch dann hört Fred eines Nachts Stimmen aus einer geheimnisvollen Gruft. Er und sein Freund Franz Ferdinand schlittern in ein großes Abenteuer...

In seinem neuen Werk gehe es nicht um "irgendeine Gruft", verrät Lüftner im Interview mit spot on news, sondern um "eine Gruft auf einem Friedhof in Köpenick". Er liebe diese Friedhöfe, "ohne dass ich Gothic-mäßig angehaucht wäre". Diese Waldfriedhöfe hätten für ihn "einfach eine wahnsinnige Atmosphäre", so der Autor: "Das ist ein komplett anderes Universum, direkt um die Ecke, in der Nähe von großen Wohn- und Industriegebieten. Das finde ich faszinierend, diese Mystik im Dunstkreis der Großstadt. Und einer dieser Friedhöfe ist nun der Schauplatz der 'Finstersteins'."

Das Hörbuch zu "Die Finstersteins - Teil 1: Wehe, wer die Toten weckt" finden Sie hier

Totale Außenseiter

Fred und Franz-Ferdinand, die beiden Helden in "Die Finstersteins" seien "totale Außenseiter in der Schule, umgeben von Orks, wie sie die 'starken' Jungs liebevoll nennen", erzählt Lüftner weiter: "Ich interessiere mich sehr für diese Außenseiter, die durch ihre Fähigkeiten auch ein sehr starkes Team bilden. Die beiden sind irgendwie aus der Zeit gefallen und durch das Erwecken der 400 Jahre alten Adelsfamilie kommen noch mehr Figuren dazu, die ähnliche Schwierigkeiten haben..." Wie das ist, wenn sich Menschen, die nicht der Norm entsprechen, zusammenschließen, habe schon immer sein Interesse geweckt, sagt Lüftner. "Dieses Gefühl, sich ein bisschen außerirdisch zu fühlen, kennen viele Kinder."

Über die Bücher seiner eigenen Kindheit sagt der Autor: "Ich bin im Osten groß geworden, Michael Ende oder Otfried Preußler habe ich erst nach der Wende kennengelernt. Was mich aber in meiner Kindheit extrem beeinflusst und inspiriert hat, war 'Spuk unterm Riesenrad' von Claus-Ulrich Wiesner. Es geht um eine Geisterbahn auf dem Rummel in Berlin, den es auch wirklich gab. Hexe, Riese, Rumpelstilzchen brechen aus und sind mit der realen Welt konfrontiert, fliehen in den Harz auf die Burg Falkenstein. Es ist eine Mischung aus Slapstick, Berliner Schnauze, Humor und es hat auch Gruselmomente", erzählt er. Das habe ihn auch für die "Finstersteins" inspiriert - "Magisches und Gruseliges spielt an realen Schauplätzen".

Sterben die Klassiker aus?

Sterben Kinderbuch-Klassiker wie die Werke von Ende oder Preußler irgendwann aus? "Das frage ich mich selbst auch", antwortet Lüftner auf diese Frage, "und ich habe noch keine Antwort darauf gefunden". "Ich glaube, dass die Eltern von heute darauf erpicht sind, die Klassiker zu bewahren. Aber es gibt auch so viel Neues, bis zu 8000 Bücher im Kinderbereich kommen jedes Jahr dazu. Durchsetzen kann sich allerdings nur wenig."

Interessant werde es in ein oder zwei Generationen, meint Lüftner. "Wenn die Kinder dann nicht mehr mit 'Räuber Hotzenplotz' oder 'Pippi Langstrumpf' groß werden, sondern mit dem 'Grüffelo', 'Prinzessin Lillifee' oder 'Bob, der Baumeister'. Für die Klassiker spricht, dass sie richtig gute Familienunterhaltung sind. 'Die unendliche Geschichte' und 'Pippi Langstrumpf' kann man vorlesen, ohne sich als Erwachsener ausgeschlossen zu fühlen. Das ist in vielen Büchern der neuen Kinderliteratur anders."