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Schüler-Union fordert: Der Unterricht soll erst um 9 Uhr beginnen

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Schüler-Union fordert: Der Unterricht soll erst um 9 Uhr beginnen | Ulrike Schmitt-Hartmann via Getty Images
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  • Die Schüler-Union Thüringen fordert, die Schule solle erst um 9 Uhr beginnen
  • Vor Neun liege die Leistungskurve von Schulkindern am Tiefpunkt, erklärte ein Sprecher der Union
  • Diverse Studien geben der Schülervertretung recht

Forscher warnen schon seit langem vor den Folgen eines zu frühen Schulbeginns. Studien zeigen: Zwei Drittel aller Schüler können sich nicht konzentrieren, weil sie zu wenig geschlafen haben.

Trotz aller Warnungen beginnt der Unterricht in den meisten Schulen Deutschlands weiterhin um acht Uhr - das will die Schüler-Union Thüringens nun ändern.

Die Schülerorganisation, die der CDU nahesteht und die bundesweit Interessen von Schülern vertritt, fordert nun einen regulären Schulbeginn um 9, statt um 8 Uhr.

"Leistungskurve von Schülern vor 9 am Tiefpunkt"

"Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Leistungskurve von Schulkindern früh am Tiefpunkt liegt, erst ab etwa 9 Uhr steigt sie", begründete der Landesvorsitzende der Schüler-Union, Jakob Weißmann, die Forderung in einem aktuellen Interview mit der "Thüringer Allgemeinen".

Zum Thema: 6 Gründe, warum die Schule viel zu früh anfängt

Neu ist diese Forderung nicht. In der Huffington Post hatten bereits mehrere Politiker und Wissenschaftler für einen späteren Schulbeginn plädiert.

Biologe und Buchautor Peter Spork forderte etwa: "Wir sollten schnellstmöglich etwas tun, weil ausreichender Schlaf für das Lernen besonders wichtig ist und weil es gerechter ist, wenn alle Schüler im Leistungshoch unterrichtet werden." Auch er hält einen Unterrichtsbeginn um 9 Uhr, beziehungsweise 10 Uhr für Oberstufenschüler, für sinnvoll.

"Eine moderne Schule braucht Bildungszeiten"

"Eine moderne Schule braucht auch moderne Bildungs- und Lernzeiten", sagte auch SPD-Bildungs-Experte Ernst Dieter Rossmann. Man müsse ernstnehmen, was die Lernpsychologie und die Schulpädagogik sage.

Ob die Forderung der Schüler-Union Thüringens nun durchgesetzt wird, bleibt fraglich. So äußerten sowohl der Thüringer Lehrerverband, als auch das Bildungsministerium Bedenken an der Umsetzbarkeit.

Ein späterer Schulbeginn sei zwar sinnvoll, aber unrealistisch, sagte so der Verbandsvorsitzender des Lehrerverbands Rolf Busch im Interview mit der "Thüringer Allgemeinen".

"Organisatorische Gründe sprechen dagegen"

Vor allem organisatorische Gründe wie die Fahrzeiten der Schulbusse sprächen gegen einen späteren Schulbeginn, sagte er. Er befürchtet demnach, dass sich der Unterricht so vor allem Schüler im ländlichen Bereich - die auf Busfahrtzeiten angewiesen seien - bis in den tiefen Nachmittag ziehen könnte.

Auch das Thüringer Bildungsministerium zeigte sich skeptisch. Unterrichtszeiten würden an den Schulen eigenständig festgelegt werden, um den örtlichen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, sagte die Behörde gegenüber der Nachrichtenseite. Eine zentralistische Regelung sei daher nicht zielführend.

In Nordrhein-Westfalen ist man weiter. An einem Gymnasium läuft dort seit Anfang des Jahres eine bundesweit einzigartige Studie, die das Schlafverhalten von Schülern analysiert.

Dort steht den Schülern frei ob sie um 8 oder 8:50 Uhr in die Schule kommen - wer später kommt, muss die Stunde am Nachmittag dranhängen. Durch dieses "Gleitzeit"-Konzept sollen besser zu den natürlichen Schlafbedürfnissen der Kinder passen - und die Konzentration erhöhen.

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(lp)