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Wiesn-Schausteller klagt über schlechte Umsätze: "Jeder Bettler verdient mehr"

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  • Die niedrigen Besucherzahlen des Oktoberfests treffen die Münchner Schausteller besonders hart
  • Der Vorsitzende des Verbands der Münchner Schausteller Edmund Radlinger spricht von Existenznöten
  • "Jeder Bettler in der Innenstadt" verdiene mehr, sagt Radliner
  • Im Video oben seht ihr Radliner im Interview

Es ist eine traurige Bilanz, auf die das Oktoberfest in München am ersten Wochenende zurückblickt: Nur rund eine halbe Million Menschen besuchten das berühmte Volksfest in den ersten Tagen – halb so viele wie im Vorjahr.

Schuld sind das verregnete Wetter und die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Was das für die Unternehmen auf der Wiesn bedeutet, erklärt nun der Vorsitzende des Verbands der Münchner Schausteller und Marktkaufleute Edmund Radlinger im Interview mit "Focus Online". Un er wählt drastische Worte.

Schausteller muss sich Gedanken machen, wie er "den Winter übersteht"

Die Öffentlichkeit müsse verstehen, dass das Oktoberfest nicht nur aus Bierzelten bestehe, sondern auch aus 405 Kleinbetrieben, erklärt Radlinger.

Zum Thema: Wiesn-Security verrät - Das solltet ihr auf keinen Fall tun, wenn ihr in ein Zelt kommen wollt

"Diese Menschen leben und arbeiten hier mit ihren Familien und ihre Existenz hängt an den rund 100 Tagen pro Jahr, an denen sie auf Volksfesten arbeiten", sagte er. Der Umsatz des Oktoberfests sei dabei essentiell.

An einem Beispiel erklärte Radlinger, wie hart eine schlechte Wiesn die Schausteller treffen kann. Er kenne einen jungen Familienvater, der sich nun Gedanken machen müsse, wie er den Winter überstehe. "Dieser Mann hat am Sonntag 25 Euro verdient - da verdient jeder Bettler in der Innenstadt mehr".

"Wenn die Bierzelte alles fressen wollen, sind wir irgendwann nicht mehr da"

Radliner fordert ein generelles Umdenken, um das Überleben der Schausteller in Zukunft zu sichern. Dafür müsse zum Beispiel das Reservierungssystem geändert werden, fordert der Münchner. Reservierungen und Gutscheine müsse es auch für Schausteller geben, sagt Radlinger dazu im Interview mit "Focus Online".

"Wenn ich als Wiesn-Besucher einen Zeltplatz reservieren will, dann sollten da zehn Euro dabei sein, die man dann in Form von 1-Euro-Tickets auch auf dem Volksfest - also bei den Schaustellern - ausgibt, sodass die Umwälzung wieder stattfindet".

Es müsse sichergestellt werden, dass es für beide Partien gut laufe - für die 15 Festzelte, genauso wie die Schausteller. "Wenn die Bierzelte alles fressen wollen, dann sollen sie alles fressen, aber dann sind wir halt irgendwann nicht mehr da", warnt Radlinger.

"Diese Tage sind verlorene Tage"

Der Münchner Bürgermeister Dieter Reiter sieht den Vorschlag skeptisch. "Die Schausteller sind sehr wichtig für das Oktoberfest, denn ohne die Schausteller gibt es keine Wiesn", sagte er im Interview mit Radio Gong. Er hoffe darauf, dass das Wetter besser werde.

Aber auch Radlinger blickt angesichts der guten Wettervorhersagen zuversichtlich in die Woche. "Es liegt jetzt also hoffentlich ein gutes Wochenende vor uns. Und hoffentlich kommen auch unsere Besucher schneller aufs Festgelände als letztes Wochenende", sagte Radlinger "Focus Online".

Den verlorenen Umsatz der letzten Tage könne man aber nicht mehr wettmachen, meint er. "Was weg ist, ist weg - das kann man nicht mehr einholen. Diese Tage sind verlorene Tage", sagt Radlinger. Eine Protestaktion der Schausteller - wie vor einigen Tagen angekündigt - sei allerdings nicht mehr geplant, sagte der Verbandsvorsitzende.

Mit Material der dpa

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(ben)