Huffpost Germany

Wohlfahrtsverband fordert: Hartz-IV-Empfänger brauchen mehr Geld für Alkohol und Tabak

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BAR BERLIN
Die Kneipe "Wild at Heart" in Berlin. | Hannibal Hanschke / Reuters
Drucken
  • Die Bundesregierung erhöht die Hartz-IV-Sätze leicht
  • Von Sozialverbänden kommt dennoch scharfe Kritik
  • So seien Ausgaben für Kneipenbesuche und Alkohol heruntergerechnet worden

Ein paar Euro mehr sollen Hartz-IV-Bezieher vom nächsten Jahr an bekommen. Nicht üppig - aber genug, findet die Regierung. Kritiker sagen: Mit Fleiß wurden reihenweise Posten herausgerechnet.

Das bemängelt unter anderem auch der Paritätische Wohlfahrtsverband. Er kritisiert in einem Gutachten, dass die Regierung Hartz-IV-Empfängern nur 3,63 Euro im Monat für Zigaretten und Alkohol zugestehe. Nötig seien hier aber 20,89 Euro.

Hartz-IV-Empfänger müssen soziale Kontakte pflegen

Außerdem bemängelt der Verband, dass die Regierung zu wenig Geld für "Gaststättenbesuche" einplane. Nämlich nur 9,82 Euro ein. Der Verband fordert rund 35 Euro.

Mehr zum Thema: Nahles über Hartz-IV-Empfänger: "Kann nicht sein, dass Arbeit nicht zum festen Tagesablauf gehört"

Wer sich nun darüber aufregt, dass Hartz-IV-Empfänger mehr Geld für Alkohol und Kneipenbesuche bekommen sollen, sollte zwei Mal überlegen. Denn die Begründung des Verbandes ist durchaus nachzuvollziehen:

"Die Motive eines Gaststättenbesuchs haben sich seit Jahrhunderten kaum verändert: die gleichzeitige Befriedigung sozialer und physischer Bedürfnisse. Die Bundesregierung will hier allerdings nur das physische Existenzminimum gewähren und berücksichtigt deshalb nur den 'Warenwert', der beim Besuch von Restaurants, Gaststätten etc. verzehrten Speisen oder Getränke."

Die Regierung gesteht den Hartz-IV-Empfängern also nur so viel Geld zu, wie die Waren im Supermarkt kosten würden.

"Regelsatz wird kleingerechnet"

Natürlich ist es wichtig, das Haus zu verlassen, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen und am sozialen Leben teilzunehmen. Die Regierung scheint das allerdings anders zu sehen.

Sie rühmt sich, dass die Hartz-IV-Sätze im kommenden Jahr steigen. Für Alleinstehende um 5 auf 409 Euro, für Paare von 4 auf 368 Euro pro Partner. Volljährige Kinder unter 25 bekommen 3 Euro mehr - also 327 Euro. Für Minderjährige von 14 bis 18 erhöht sich der Satz um 5 auf 311 Euro. Das Plus für Kinder von 6 bis 13 Jahre fällt am größten aus: um 21 auf 291 Euro. Für Kinder unter 6 bleibt es bei 237 Euro.

Allerdings fordern Sozialverbände einen Satz von rund 500 Euro - also rund 100 Euro mehr, als die Regierung den rund 6 Millionen Hartz-IV-Empfängern zugesteht.

Der Grünen-Sozialexperte Wolfgang Strengmann-Kuhn sagt: "Der Regelsatz wird von der Bundesregierung kleingerechnet, indem bestimmte Bedarfspositionen ganz aus dem Regelsatz gestrichen oder gekürzt werden."

Mehr zum Thema: Nur dumme Politiker reden von "faulen" Hartz-IV-Empfängern

Mit Material der dpa

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lk)