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Rechtsextremer Osten: So reagieren Medien auf die Warnung der Regierung

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RECHTSEXTREMISMUS
Teilnehmer eines "Heldengendenkmarsches" rechtsextremistischer Gruppierungen | ASSOCIATED PRESS
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Ein Bericht der Bundesregierung rüttelt auf. Sie befürchtet, dass wachsender Fremdenhass den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland gefährdet.

Im vergangenen Jahr habe die Zahl der rechtsextremen und fremdenfeindlichen Übergriffe stark zugenommen, heißt es nach Informationen des "Handelsblatts" im aktuellen Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit.

Die Autoren ziehen einen düsteren Schluss: Das Rechtsextremismus-Problem im Osten schade nicht nur der Wirtschaft in den neuen Bundesländern – es gefährde auch den sozialen Frieden.

So kommentiert die deutsche Presse das brisante Papier.

Berliner Zeitung: "Fremdenfeindlichkeit ist engstirnig und teuer"

Die "Berliner Zeitung" äußert Verständnis für Investoren, die dem Osten lieber fernbleiben.

An einer Botschaft führt dabei aber kein Weg vorbei: Wer Fremdenfeindlichkeit duldet oder gar als eigenes Frustventil nutzt, handelt nicht nur ethisch falsch. Er schadet auch sich selbst. Wer kann es internationalen Investoren verübeln, wenn sie lieber dort investieren, wo Weltoffenheit herrscht? Und: Gibt es nicht auch Ziele für Urlaube und Städtereisen, wo keine menschenverachtenden Parolen gebrüllt werden? Fremdenfeindlichkeit ist eben beides: engstirnig und teuer.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung: "Der Riss zwischen Ost-und Westdeutschland wird immer tiefer"

Die "WAZ" wirft der Politik vor, die Fremdenfeindlichkeit ignoriert zu haben.

Fünfundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung scheint der Riss zwischen Ost- und West-Deutschland immer tiefer zu werden. Die Zahl rechtsextremer und fremdenfeindlicher Übergriffe steigt, zuletzt gingen in Bautzen Flüchtlinge und Rechtsradikale aufeinander los. Was deprimiert, ist die Hilflosigkeit. Es fehlt an Initiativen, Konzepten und Angeboten für sozial Abgehängte, Flüchtlinge, aber auch Extremisten. Die Fremdenfeindlichkeit hat sich vielerorts tief in die bürgerliche Mitte hineingefressen. Zu lange hat die Politik das ignoriert. Dabei ist leicht zu sehen, dass die wahre Bedrohung für Frieden und Demokratie in Deutschland nicht von außen kommt, sondern von innen.

Mannheimer Morgen: "Westen und Osten driften wieder auseinander"

Der "Mannheimer Morgen" sieht das Problem in der Einstellung der Ostdeutschen, die sich abgrenzen würden.

Deutschland einig Vaterland? Von wegen. Weil in Krisenzeiten gesellschaftliche Prozesse beschleunigt ablaufen, driften Westen und Osten wieder auseinander, statt sich anzunähern, und im Osten verstärkt sich das diffuse Gefühl, benachteiligt zu sein. Am Geld, das in die neuen Länder seit 1990 reichlich geflossen ist, liegt es jedenfalls nicht. Es ist vielmehr eine Frage der Einstellung. Abschottung und Ausgrenzung sind nicht die Lösung, sondern das Problem.

Frankfurter Rundschau: "Initiativen gegen rechts wurde das Geld gestrichen"

Die "Frankfurter Rundschau sieht die CDU in der Verantwortung für das Erstarken der Rechten im Osten.

Der Befund ist erschreckend, aber der Appell liest sich gut. Der Befund, enthalten im Bericht der Bundesregierung zur deutschen Einheit, schlägt sich in Schlagzeilen wie "Fremdenhass in Ostdeutschland verfestigt sich" oder "Der bedrohte Frieden" nieder. Der Appell steht im Bericht selbst und gipfelt in der berechtigten Forderung an Politik und Gesellschaft, "Fremdenfeindlichkeit, Extremismus und Gewalt möglichst keinen Raum zu lassen". Das Problem: Jahrelang hat sich vor allem der christdemokratische Teil der diversen Regierungen blamiert. Initiativen gegen rechts wurde das Geld gestrichen, und der Verdacht, sie seien von Linksextremisten getragen, war immer zur Hand.

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

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Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

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(lk)