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So bekommen Politiker schon in jungen Jahren viele tausend Euro Rente

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So bekommen Politiker schon in jungen Jahren viele tausend Euro Rente | ODD ANDERSEN via Getty Images
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  • Vielen deutschen Arbeitnehmern drohen mickrige Renten und die Altersarmut
  • Im Vergleich bleibt Ex-Beamten unterdessen fast doppelt so viel wie durchschnittlichen Arbeitnehmern
  • Besonders politischen Beamten winken satte Pensionen

Der Blick auf den späteren Rentenbescheid löst bei vielen Angestellten und Arbeitern hierzulande regelmäßig große Sorgen aus.

Im Vergleich zu 2003 beziehen dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge bereits heute doppelt so viele deutsche Ruheständler Altersgrundsicherung – diese ist in vielen Städten so hoch wie Hartz IV.

Sogar Teilen der Mittelschicht droht im Alter bittere Armut: "Elf bis zwölf Millionen Arbeitnehmer laufen auf Hartz-IV-Anspruch im Alter und Altersarmut zu", mahnte zuletzt Verdi-Boss Frank Bsirske. "Hier tickt eine soziale Zeitbombe."

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Ex-Beamte sind vom Vater Staat abgesichert

Doch eine Bevölkerungsgruppe muss sich zumindest in weiten Teilen weit weniger Geldsorgen machen als der Durchschnitts-Angestellte: Nach Abzug der Steuern und der Beiträge für die – oft private -Krankenversicherung bleiben allein lebenden Ex-Beamten 3404 Euro netto und Paaren 2936 Euro pro Kopf.

Ein ehemaliger Angestellter dagegen hat, wenn man seine betriebliche Altersvorsorge miteinbezieht, 1595 Euro übrig, Paare 1470 Euro pro Kopf. Das ist etwa die Hälfte.

Und während Menschen, die in der freien Wirtschaft arbeiten, und keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, häufig zum Sozialfall werden, sind Beamte auch hier von Vater Staat abgesichert.

1,3 Billionen Euro für Pensionen

Nach fünf Dienstjahren Anspruch auf eine Mindestpension von 1.573 Euro, sagt der Wirtschaftsprüfer Torsten Ermel, der Beamte auf "Zeit Online" gerade als die die Adeligen von heute" bezeichnet hat. Dafür arbeiten die meisten Deutschen 45 Jahre lang.

Um monatlich 2.400 Euro Rente zu erhalten, müsste ein Durchschnittsverdiener im Westen 79 Jahre arbeiten, im Osten sogar 84 Jahre.

Zahlen müssen mit diese Summen alle Arbeitnehmer – mit ihren Steuergeldern: Bis zum Jahr 2050 wird der Staat voraussichtlich 1,3 bis 1,4 Billionen Euro für Pensionen berappen. Doch desto höher die Steuerlast, desto schwieriger können selbst Gutverdiener fürs Alter vorsorgen.

Deluxe-Programm für politische Beamte

Ein besonderes Deluxe-Programm bekommen politische Beamte. So erhält die bisherige Sprecherin des Berliner Senats Medienberichten zufolge nach ihrem Ausscheiden laut "Spiegel Online" für drei Monate das normale Gehalt von rund 8900 Euro weiter.

Anschließend bekommt die 37-Jährige ein Übergangsgeld in Höhe von 71,75 Prozent, also 6385 Euro. Das erhält die offenbar nicht mehr auf das Wohlwollen des SPD-Bürgermeisters Müller stoßende Frau für 21 Monate - genau die Zeit, die sie im Amt war.

Viele gewählte Beamte, also etwa Bürgermeister, Dezernenten oder Referenten haben einem Bericht des ARD-Magazins "Plus Minus" zufolge oft ohnehin ein Leben lang ausgesorgt. Sie bekommen nämlich in vielen Bundesländern nach ihrem Ausscheiden bereits nach sechs Jahren ihr Leben lang eine satte Pension.

Pension mit 40: "Absurd und moralisch schwierig"

Grundlage für die Berechnung ist das letzte Gehalt. Die Mindestpension liegt etwa in Sachsen bei 35 Prozent davon, also 2.400 Euro im Monat. War man länger im Amt, kann sich das Ruhegehalt bis auf rund 72 Prozent erhöhen, dann wären es schon 4.950 Euro.

In manchen Bundesländern wird die Summe nach der ersten Legislaturperiode, in der Regel sechs Jahre, in manchen nach zwei Amtsperioden, also zwölf Jahren bewilligt.

Von einer "absoluten Überversorgung" spricht etwa der Bund der Steuerzahler. Weimars früherer Baudezernent Carsten Meyer etwa bekommt diese Pension schon seit seinem 40. Lebensjahr, komplett finanziert aus Steuergeldern.

"Ich finde es absurd und moralisch schwierig, dass man bereits mit 40 eine Pension bekommt, ob man will oder nicht. Das ist gesetzlich vorgeschrieben", sagte er der ARD.

Allein sein Ruhegehalt wird den Steuerzahler bis zum eigentlichen Rentenalter von 67 Jahren knapp 800.000 Euro kosten. Er spendet das Geld – viele andere tun das nicht.

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(lp)