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Studie zeigt: Flüchtlinge machen deutsche Bevölkerung nicht ärmer

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Eine neue Studie zeigt: Flüchtlinge machen deutsche Bevölkerung nicht ärmer | ullstein bild via Getty Images
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  • Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist die Armutsquote in Deutschland im letzten Jahr gestiegen
  • Das Armutsrisiko trifft dabei jedoch vor allem neue Zuwanderer
  • Innerhalb der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ist die Armutsquote dagegen konstant geblieben

Flüchtlinge kosten Geld und machen die Bevölkerung Deutschlands ärmer - mit dieser einfachen Formel gehen Flüchtlingsgegner auf Stimmenfang.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt jetzt, wie es wirklich um diese Behauptung steht.

Laut der Studie legte die Armutsquote von 2014 auf 2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent zu.

Die Armutsquote erfasst den prozentualen Anteil der Bevölkerung, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung hat. Laut statistischem Bundesamt entsprach dieser Schwellenwert bei einer einzelnen Person einem monatlichen Einkommen von 987 Euro netto im Monat.

Wer weniger zur Verfügung hat, gilt in Deutschland als armutsgefährdet.

Mehr zum Thema: Kriminalität von Flüchtlingen geht stark zurück

Armutsquote steigt ausschließlich unter Zuwanderern

Stützt der Anstieg der Armutsquote im vergangenen Jahr also tatsächlich die These, dass mit der Flüchtlingskrise die Bevölkerung Deutschlands ärmer wird? Nicht wirklich.

Laut der Studie liegt der Anstieg nämlich ausschließlich an der gestiegenen Armutsquote unter Zuwanderern, zu denen auch die Flüchtlinge gezählt werden. Die Armutsquote der Bevölkerung ohne Migrationshintergurnd sei hingegen mit 12,5 Prozent konstant geblieben.

"Die Daten widersprechen der Vorstellung, dass die Einwanderung zu einer Verarmung der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund beitragen würde", betonte der Sozialforscher Eric Seils vom WSI.

Die Erhebung zeigt allerdings auch, dass gerade die Menschen, die neu nach Deutschland kommen, in finanziell schwierigen Verhältnissen leben. Von den Menschen, die vor weniger als fünf Jahren eingewandert sind, leben laut der Studie 41,9 Prozent unter der Armutsgrenze.

Das Armutsrisiko sinkt mit zunehmender Aufenthaltsdauer

Noch erschreckender sind die Zahlen aber bei Einwanderern aus Herkunftsländern der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegung. Den Daten des WSI zufolge liegt die Armutsquote für syrische Einwanderer bei 78,1 Prozent, bei irakischen Einwanderern bei 65 Prozent und bei Einwanderern aus Pakistan bei 59,3 Prozent.

Wie Seils erklärt, würde das Armutsrisiko aber mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinken. Das lege ein Vergleich mit vorangegangenen Einwanderergruppen nahe. Wichtig sei hierbei vor allem, die Einwanderer möglichst schnell ausreichend zu qualifizieren, damit sie ihren Unterhalt aus eigener Kraft bestreiten und sich in die Gesellschaft integrieren können.

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(lp)