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Viele Eltern denken, ihre Kinder seien pubertär - dabei steckt etwas Schlimmes dahinter

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Depressionen bei Teenagern können mit pubertärem Verhalten verwechselt werden | iStock
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Wenn ihre Kinder auf einmal unter Stimmungsschwankungen leiden, dann tun viele Eltern dies fälschlicherweise als pubertäres Verhalten ab. Doch in manchen Fällen könnte etwas Ernsteres dahinterstecken: Depressionen.

Das gilt besonders, wenn sich das Verhalten über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen hinzieht. Wie das Gesundheitsportal "Onmeda" berichtet, sind nicht nur Erwachsene von der Krankheit betroffen, sondern auch bei jungen Menschen wird immer öfter eine Depression diagnostiziert.

Einer von zehn Jugendlichen durchlebt mindestens eine depressive Phase

Davon könnten sowohl kleine Kinder im Vorschulalter, als auch ältere Kinder und Jugendliche betroffen sein. Prof. Dr. Gunter Groen und Prof. Dr. phil. Franz Perermann erklären ihrem Buch "Depressive Kinder und Jugendliche", "dass wenigstens jeder zehnte Jugendliche bis zum Eintritt in das Erwachsenenalter unter mindestens einer ernsthaften depressiven Episode leidet."

Die Ursache für die psychische Krankheit ist jedoch immer unterschiedlich. Von Problemen in der Schule bis zu Mobbing, Liebeskummer oder Streit zwischen den Elternteilen könnten viele Aspekte die Psyche der Kinder belasten. Wie die "deutsche Depressionshilfe" auf ihrer Website beschreibt, hat eine psychische Erkrankung meist mehrere Ursachen:

Dabei spielen sowohl psychosoziale als auch körperliche Faktoren eine Rolle. Zudem beeinflusst die genetische Veranlagung, ob jemand unter Stress eher dazu neigt, an einer Depression zu erkranken. Demnach haben beispielsweise Kinder, deren Eltern an einer depressiven Erkrankung leiden, ein dreimal höheres Risiko, ebenfalls eine Depression zu entwickeln.

Eine depressive Erkrankung lässt sich mit bestimmten Vorgängen im Gehirn in Zusammenhang bringen, erklärt die "deutsche Depressionshilfe". Viele Wissenschaftler seien zudem überzeugt, dass eine Störung des Stoffwechsels der Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin zu Depressionen führen kann.

Auf der anderen Seite können sogar scheinbar erfreuliche Situationen, wie beispielsweise eine bestandene Prüfung, Auslöser für eine depressive Erkrankung sein.

Die Symptome sind oft untypisch für Depressionen

Ob es sich bei den veränderten Verhaltensweisen tatsächlich um Depressionen handelt, ist besonders bei Jugendlichen und Kindern sehr schwer zu erkennen, da die typischen Symptome (Freudlosigkeit, Interessensverlust, Antriebslosigkeit) häufig von anderen in den Hintergrund gedrängt werden.

Mehr zum Thema: Studie: Depressionen sind KEINE rein psychische Krankheit

Oft haben betroffene Kinder beispielsweise Bauchschmerzen oder ihr Verhalten, das bei Erwachsenen als depressiv erkannt werden würde, wird den "normalen“ Stimmungsschwankungen in der Pubertät zugeschrieben.

Depressionen äußern sich bei Kindern sehr selten mit den typischen Symptomen. Daher ist es wichtig, dass Eltern das Verhalten ihrer Kinder über einen längeren Zeitraum beobachten, wenn sie den Verdacht haben, ihre Kinder könnten an Depressionen leiden.

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Es gibt jedoch bestimmte Anzeichen, auf die Eltern achten können. Diese stellen zwar keine sichere Methode zur Diagnose dar, können jedoch bei der Entscheidung hilfreich sein, ob die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch genommen werden sollte.

Diese Symptome könnten auf eine Depression hindeuten

Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren könnten sich depressive Erkrankungen dem Gesundheitsportal zufolge mit folgenden Symptomen äußern:

  • Körperliche Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Schlafstörungen)
  • erhöhte Ängstlichkeit
  • aggressives, rebellisches Verhalten
  • Gefühle von Hoffnungslosigkeit
  • Äußerungen wie "niemand hat Zeit für mich“

Bei Schulkindern im Alter zwischen sechs und 12 Jahren sollten besorgte Eltern auf diese Anzeichen achten:

  • Schulische Probleme
  • Ängste
  • Schuldgefühle
  • Schlafstörungen
  • Äußerungen, traurig zu sein

Bei Jugendlichen könnten demnach folgende Symptome auf eine depressive Erkrankung hindeuten:

  • Gewichtsverlust
  • Ein- und Durchschlafstörungen (häufig auch übermäßiges Schlafbedürfnis)
  • Leistungsstörungen
  • Gefühl, den sozialen und emotionalen Anforderungen nicht gewachsen zu sein
  • Isolation, sozialer Rückzug

Was tun, wenn das Kind an Depressionen leidet?

Wenn Eltern den Verdacht hegen, ihr Kind könnte an Depressionen leiden, ist es am besten, das Kind vertrauensvoll und ruhig darauf anzusprechen. Wenn nach dem Gespräch noch Zweifel bestehen, sollten Eltern mit ihren Kindern einen Spezialisten aufsuchen, beispielsweise einen Kinder- und Jugendpsychiater.

Wird eine depressive Erkrankung früh genug erkannt und befindet sich das Kind in Behandlung, kann die Krankheit gut therapiert werden. Eine frühzeitige Behandlung ist aus zwei Gründen besonders wichtig:

Zum einen verringert sich durch eine Therapie in jungen Jahren das Risiko, auch im Erwachsenenalter an der psychischen Krankheit zu leiden und zum anderen gehen Depressionen häufig mit einem erhöhten Selbstmordrisiko einher. Durch eine rechtzeitige Therapie können Leben gerettet werden.

Falls eine Depression bei Kindern diagnostiziert wird, gibt es für die Eltern allerdings keinen Grund zu der Annahme, sie hätten in der Erziehung Fehler gemacht oder als Eltern versagt. Eine Depression ist eine Krankheit, Eltern sollten sich darüber im Klaren sein und versuchen, ihre Kinder bei der Therapie zu unterstützen.

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(juk)