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"Sie kann auch Gefühl": So beurteilt die Presse Merkels Auftritt nach der Berlin-Wahl

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  • Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich am Montag zur Berlin-Wahl
  • Einige Zeitungen sehen in Merkels Rede einen klugen Schritt zur Festigung ihrer Macht
  • Andere Kommentatoren erkennen an: Ihre Selbstkritik verdient Respekt
  • Wie die internationale Presse Merkels Auftritt kommentierte, seht ihr oben im Video

Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich am Montag zur Berlin-Wahl, um das historisch schlechte Ergebnis ihrer Partei einzuordnen. Die Christdemokraten hatten in Berlin nur rund 17 Prozent der Stimmen bekommen.

Bei ihrer Rede gab Merkel sich ungewohnt selbstkritisch und brachte sogar eine Kurskorrektur ins Spiel.

So kommentierte die deutsche Presse Merkels Rede:

“Stern”: “Sie will es noch einmal wissen”

Der "Stern" sieht in Merkels Rede vor allen Dingen eine Botschaft: Die Kanzlerin will Kanzlerin bleiben. Ihre Rede sollte deswegen zeigen, wofür sie steht und zu welchen Eingeständnissen und Veränderungen sie bereit ist, um im kommenden Jahr wieder als Kanzlerkandidatin anzutreten:

"Der in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geäußerte Vorwurf, sie würde nicht klar kommunizieren, hat offenbar gewirkt. Innerhalb von wenigen Minuten umriss Merkel, wofür sie steht, wofür sie nicht steht und was von ihr zu erwarten ist. Sie zog Fronten, baute Brücken, schließlich ließ ihr Statement nur einen Schluss zu: Sie will es noch einmal wissen, Seehofer hin oder her, die CDU kann mit ihr als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im Herbst 2017 rechnen."

"Mittelbayerische Zeitung": "Sie kann auch Gefühl"

Auch die "Mittelbayerische Zeitung" sieht in Merkels Eingeständnis vor allen Dingen einen klugen, taktischen Schritt, um ihren Machtanspruch zu kräftigen:

"Merkel hat gestern, indem sie eigene Fehler und Versäumnisse in der Flüchtlingskrise offen einräumte, zugleich ihren Machtanspruch bekräftigt. Wer immer Angela Merkel aus dem Kanzleramt verdrängen will, bekommt es mit einer klugen, strategisch denkenden Politikerin zu tun. Den Kampf um die Macht hat Merkel nicht aufgegeben. Sie hat ihn grade erst neu eröffnet. Und sie kann auch Gefühl."

"Münchner Merkur": "Das Raumschiff Kanzleramt hat Funkkontakt zum Boden.”

Den Münchner Merkur erinnern Merkels selbstkritische Töne schon glatt an eine Rücktrittsrede:

“Welch gespenstisches Bild: Die Kanzlerin tritt vor die Kameras und verliest eine Erklärung, dass 82 Prozent der Bevölkerung gegen ihren Kurs im wichtigsten Politikfeld sind. Dass der zentrale Leitsatz ihrer Politik 'eine Leerformel' sei. Dass ihre Regierung über Jahre hinweg Fehler gemacht habe, die nur durch ein Zurückdrehen der Zeit korrigierbar wären. Viel härter könnte nicht mal eine Rücktrittsrede ausfallen.

Wie Angela Merkel ihre Flüchtlingspolitik bilanziert, wird zwar ihre schärfsten Kritiker nicht besänftigen. Aber denen, die nicht restlos mit ihr gebrochen haben, muss das Respekt abnötigen. Für ihre Verhältnisse ist sie extrem weit und emotional tief gegangen. Merkel, vielleicht gar die sie umgebenden Altmaiers, scheinen endlich Einiges verstanden zu haben. Das Raumschiff Kanzleramt hat Funkkontakt zum Boden.”

"Kölner Stadt-Anzeiger": "Das klingt geradezu nach Pi-mal-Daumen-Politik."

Der Kölner Stadt-Anzeiger will der Kanzlerin den plötzlichen Fokus auf die Gefühle der Wähler aber nicht ganz abkaufen:

"Gleichzeitig aber zeigt sich die Ratlosigkeit der Kanzlerin angesichts einer Anti-Flüchtlingsstimmung, die in Landstrichen ohne Flüchtlinge besonders groß ist und angesichts einer Anti-Burka-Kampagne in einem eher burkafreien Land. AfD wie CSU verkünden, auch die Gefühle der Wähler müssten ernst genommen werden.

Und Merkel, eine der nüchternsten Politikerinnen überhaupt, ist gezwungen, sich aufs Emotionale zu verlegen. Aus "Ich bin sicher" wird bei ihr: "Ich habe das absolut sichere Gefühl, dass wir besser aus dieser Lage herauskommen, als wir hineingegangen sind." Das klingt geradezu nach Pi-mal-Daumen-Politik. Auf jeden Fall nicht nach einem Erfolgsrezept."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Bedrängt von der CSU und den Kritikern"

Trotz der Eingeständnisse, geht Merkel nach Ansicht der "FAZ" noch nicht genug auf die Ängste der Bürger ein:

"Bedrängt von der CSU und den Kritikern in den eigenen Reihen, die sich um ihre Sitze sorgen, ließ Merkel den schon vorgenommenen Korrekturen in der Migrationspolitik nun auch das offene Eingeständnis folgen, dass Fehler gemacht worden seien.

Die Sorge vor Überfremdung scheint sie aber immer noch nicht wirklich zu verstehen. Auch der von der CSU geforderten Einführung von Obergrenzen will die Kanzlerin weiterhin nicht stattgeben. So groß ist Merkels Bedürfnis, Seehofer einen Triumph zu gönnen, immer noch nicht."

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