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Eben noch wollten sie eine Familie gründen - jetzt liegt der Mann neben dem Ex in der Kühltruhe

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ESTIBALIZ
Estibaliz C. wird dem Gericht vorgeführt. Im Prozess geht es um die Morde an ihrem Mann und ihrem Lebensgefährten. Das Urteil lautet lebenslänglich. | Leonhard Foeger / Reuters
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Estibaliz C. ist zerbrechlich und sensibel, sie hatte eine schwere Kindheit. Die niemals ihre Taten rechtfertigen könnte. Die Frau ermordete zwei Männer. Auf bestialische Weise entsorgte sie die Leichen. Bis irgendwann alles aufflog.

Das Magazin für Verbrechen, "Stern Crime" erzählt die fesselnde Geschichte der scheinbar skrupellosen Doppelmörderin.

Nachdem die in Mexiko geborene Spanierin nach dem Studium in ihrer Heimat keine Arbeit fand, schickte ihr Vater sie nach Deutschland. Dort lernte sie ihr erstes Opfer, Ole*, kennen. Sie verliebte sich in den älteren Mann, der ihr so viel Aufmerksamkeit schenkte und opferte sich für ihn auf. Schon nach sieben Monaten waren Estibaliz und Ole verheiratet.

Das Ehepaar zog nach Wien und eröffnete die Eisdiele "Venus". Estibaliz, die von ihren Freunden Esti genannt wird, wünschte sich nichts sehnlicher als ein Kind. Auch als es in der Ehe nicht mehr gut lief, sagte sie nichts. Sie versuchte nur noch mehr, ihrem Mann zu gefallen, um sich endlich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Dann verliebte sie sich in einen anderen Mann. In Robert*, der zu ihrer Affäre wurde. Doch auch er wollte keine Kinder und ließ sie schließlich einfach sitzen. Sie saß in der unglücklichen Ehe mit Ole fest und wünschte sich, er würde einfach verschwinden.

Später wird sie sagen, sie habe keinen anderen Ausweg gesehen. Im Streit griff sie zur Waffe und schoss zweimal auf Oles Hinterkopf und einmal in seine Schläfe. Zwei Tage lang ließ sie Oles Leiche in dem Büro sitzen, genau in der Position, in der sie ihn erschossen hatte.

"Meine Taten haben mein Leben und meine Träume zerstört. Es kann keinen Tag geben, an dem ich nicht daran denke"

Um die Leiche loszuwerden, versuchte sie zunächst Ole anzuzünden. Als das nicht funktionierte und sogar die Feuerwehr wegen des vielen Rauchs an der Wohnungstüre klingelte, zersägte Esti die Leiche ihres Mannes und fror die Einzelteile in einer Kühltruhe ein.

Oles Familie wunderte sich nicht, dass er so lange nichts von sich hören lies. Er hätte sich ohnehin sehr selten gemeldet. Um Ole endgültig loszuwerden, mietete Esti schließlich ein Kellerabteil, das mit der Nummer 6, übergoss die Einzelteile ihres Mannes mit Beton und lies die Kühltruhe mitsamt der zerstückelten und einbetonierten Leiche in den Keller bringen.

Einige Zeit später war Robert, Estis große Liebe, wieder da. Sie wurden ein Paar und zogen zusammen. Robert investierte knapp 10.000 Euro in den Eissalon, der von nun an "Schleckeria" hieß. Nur ein Kind könnte das Glück noch perfekt machen.

Einer Freundin sagte sie, sie würde es wie einen Unfall aussehen lassen

Robert hatte Esti in dem Glauben gelassen, ein Kind mit ihr zu wollen. Doch er wurde launisch und Esti merkte, dass er kein Interesse daran hatte, eine Familie zu gründen. Sie unterwarf sich ihm und tat alles, um ihn zufrieden zu stellen. Er wollte Frauen erobern und war gelangweilt von Estis Art. Er betrog sie.

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Wie der "Stern" berichtet, erzählte Esti einer Freundin von ihren Gedanken, Robert loszuwerden. Sie wollte es wie einen Unfall aussehen lassen, vielleicht bei einem Ausflug in die Berge. Was die Freundin für einen Scherz hielt, meinte Esti todernst.

Nach einem gemeinsamen Abend beim Glühwein trinken überraschte Esti ihren Partner im Schlaf. Vier Schüsse gingen in den Hinterkopf, einer in die Schläfe. Um ihre Spuren schneller verwischen zu können, hatte sie zuvor das Schlafzimmer mit Folie abgedeckt.

Noch am selben Abend ging Esti aus, das berichtet der "Stern". Sie fing an, sich mit Hartmut* zu treffen, dem Verkaufsleiter für die Eisbestellungen. Den zersägten und in verschiedene Behälter einbetonierten Robert deponierte sie, genau wie die Leiche ihres Mannes, im Keller.

Doch Roberts Familie fing schnell an, Fragen zu stellen. Um nicht verdächtig zu wirken und von sich abzulenken, erstattete Esti Anzeige bei der Polizei und meldete Robert als vermisst. Einem Polizisten, der mit der Suche nach Robert beauftragt war, sagte sie, er könne ruhig in den Keller gehen und nach der Leiche schauen. Er lachte über ihren Witz.

Die Leichen wurden wegen eines Wasserschadens entdeckt

Demnach rief Estis Nachbar wegen eines Wasserschadens einen Installateur. Gemeinsam gingen sie in den Keller, der Wasserschaden schien seinen Ursprung im Kellerabteil Nummer 6 zu haben. Da niemand wusste, wem das Abteil gehörte, brachen sie das Schloss auf. Wenig später riefen sie die Polizei.

Sie fanden zwei Gewehre und eine Pistole im Keller. Außerdem mehrere Behälter mit merkwürdigem Inhalt. Es roch nach Verwesung.

Als Esti am nächsten Tag erfuhr, dass ihr Versteck entdeckt worden war, floh sie sofort. Sie hob ihre gesamten Ersparnisse ab und fuhr zum Flughafen. Eigentlich wollte sie nach Mexiko, den Eissalon sollte Hartmut bekommen. Doch aus Angst vor einer Fahndung fuhr sie doch nach Italien. Dem Taxifahrer zahlte sie 750 Euro für die Fahrt.

Inzwischen hatte die Polizei schon europaweit die Fahndung nach Estibaliz C. eingeleitet. Auch das Verschwinden ihres ersten Mannes und ihres früheren Lebensgefährten war den Beamten inzwischen bekannt. Die Spurensicherung sicherte Blutreste in ihrer Wohnung.

Esti war bei ihrer Festnahme schwanger - Hartmut und sie wollten heiraten

Auf der Flucht kam sie zunächst bei einer Zufallsbekanntschaft in Udine unter. Als diese jedoch mitbekam, dass nach Esti gefahndet wurde, rief sie die Polizei. Esti wurde festgenommen und gestand beide Morde.

Mehr zum Thema: Vom Mörder zum Helfer: Ehemaliger Straftäter unterstützt Jugendliche dabei, nicht dieselben Fehler zu machen wie er

Einige Wochen zuvor hatte Esti Hartmut von ihrer Schwangerschaft erzählt. Sie wollten heiraten. Auch nachdem Hartmut von Estis Verbrechen erfahren hatte, war er sich sicher, dass sie ihm nie etwas angetan hätte. Ihr gemeinsamer Sohn wurde Esti sofort nach der Geburt weggenommen. Einige Monate später heirateten Esti und Hartmut.

Vor Gericht gestand Estibaliz beide Morde und beschrieb die Taten bis ins kleinste Detail. Es gab für sie keinen anderen Ausweg, sagte sie, aber sie bereue ihre Taten zutiefst.

Die psychiatrische Gutachterin beschrieb Esti als Narzistin mit manipulativem Verhalten und einer schweren Persönlichkeitsstörung. Jedoch sei sie zurechnungsfähig und in der Lage, ihr Handeln zu kontrollieren. Ein Kind könne sie allerdings nicht erziehen. Das Urteil lautet lebenslänglich. Lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Esti würde wahrscheinlich wieder Straftaten begehen

Hartmut war sich sicher, seine Frau ist kein schlechter Mensch, sie ist auch nicht gefährlich. Bis sich irgendwann Filmproduktionen für Esti interessierten. Ihre Geschichte sollte verfilmt werden und Hartmut begann, die angebliche Reue seiner Frau zu hinterfragen.

Die Gutachterin erklärte vor Gericht, die Wahrscheinlichkeit, dass Esti wieder eine Straftat begehen könnte, liege bei etwa 31 Prozent. Dass Hartmut ein Opfer werden könnte, könne sie ebenfalls nicht ausschließen.

Einige Zeit später reichte Esti ohne Vorwarnung die Scheidung ein. "Ich will dich nicht mehr sehen", sagte sie ihm. Sie sei sehr enttäuscht von ihrem Mann, besonders weil er ihre Pläne für ihre Biografie und deren Verfilmung so kritisch sehe.

Im Interview mit der "Bild" sagte sie, sie bereue ihre Taten und denke jeden Tag an das, was sie getan hat. "Ich würde alles tun, um es wieder gut zu machen, auch, wenn ich dafür sterben müsste."

Mit einer Scheidung hat Hartmut nicht gerechnet, und auch nicht damit, dass ihm das Sorgerecht für seinen Sohn durch seine ehemalige Schwiegermutter abgesprochen werden könnte. Eines glaubt er nun aber doch: Er hätte Estis nächstes Opfer werden können. Trotz allem, was geschehen ist, sieht er nach wie vor den Silberstreifen am Horizont: Er hat überlebt.

*Namen von der Redaktion geändert

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