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"Merkel ist der einzige Mann in der Regierung": AfD-Mann redet sich bei "Markus Lanz" um Kopf und Kragen

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  • In der Talkshow von Markus Lanz sorgte AfD-Mann Guido Reil für Aufregung
  • Der ehemalige SPD-Politiker sagte deutlich, was er von Merkels Flüchtlingspolitik hält
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Wo Guido Reil auftaucht, ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. In der gestrigen "Markus Lanz"-Sendung stand der AfD-Mann im Mittelpunkt - da konnten Bryan Adams und Jenke von Wilmsdorff einpacken.

Der Mann aus dem nördlichen Essener Stadtteil Karnap war 26 Jahre lang SPD-Mitglied. Zuletzt saß er in der Ratsfraktion der Stadt. Dann verließ er wegen der Flüchtlingspolitik der Großen Koalition die Partei - und wechselte zu den Rechtspopulisten.

Schon seine ersten Worte wirkten auf Moderator Markus Lanz ganz offensichtlich etwas befremdlich. "Angela Merkel ist der einzige Mann in der Regierung", gestand er der Kanzlerin zu. "Die hat Eier." Ihre Flüchtlingspolitik sei allerdings "einer der größten Fehler in der Geschichte".

"Da wurde ein Signal an die Welt gesendet: ’Ihr könnt alle kommen'"

Auch mit den folgenden Sätzen sorgte er für Irritation. Lanz fragt ihn, wie er auf Merkels Satz "Wir schaffen das" reagiert habe. "Ich habe mir eine Flasche Whisky genommen und mich besoffen", sagt der AfD-Mann.

Es fiel auf, dass Reil noch härter und provokativer auftrat, als bei seinem ersten Talkshow-Auftritt bei "Hart aber fair".

"Um Gottes Willen, da wurde ein Signal an die Welt gesendet: ’Ihr könnt alle kommen'", sagt er. Es gehe bei der Flüchtlingskrise ausschließlich um "Einwanderung ins Sozialsystem".

Moment, hat das nicht auch was mit Krieg und Bomben zu tun? Ob er ernsthaft der Ansicht ist, dass die Flüchtlingswelle nichts mit dem Konflikt in Syrien zu tun habe, hakte der Moderator nach. "Auf jeden Fall", bestätigt Reil. Schließlich gebe es auch in Syrien und dem Irak Orte, an denen nicht geschossen werde.

Enttäuschung trieb Reil zur AfD

Reil hatte aber die Rechnung ohne die Schriftstellerin und Schauspielerin Renan Demirkan gemacht. Sie sprach in einem Tonfall auf den AfDler ein, mit dem man versucht, ein wütendes Kind zu beruhigen: "Hömma, ist nicht wahr."

"Ist wohl wahr", entgegnete der Angesprochene beleidigt. Demirkan wies ihn darauf hin, dass die Flüchtlinge jahrelang in Camps ausgeharrt hätten und erst losgezogen seien, nachdem die UN die Mittel für die Versorgung der Lager gekürzt habe. "Als sie endgültig nichts mehr zu fressen hatten, haben sie ihre Kinder gepackt, sind losgereist und haben das Risiko in Kauf genommen, zu krepieren." Das saß.

Lanz fragte ihn, wer von der AfD ihn eigentlich überzeugt habe, die Seiten zu wechseln. Doch Reil kann keinen Namen nennen.

Stattdessen zieht er über seine alte Partei, die SPD, her. Er ist empört, dass er in einer Abstimmung gegen Petra Hinz verloren habe - jene SPD-Politikerin, die zugeben musste, ein Abitur und einen Abschluss in Jura gefälscht zu haben.

"Haben Sie das Gefühl, dass Sie jetzt im richtigen Verein sind, was die Vorspiegelung falscher Tatsachen angeht?", stichelt Lanz. Lacher und Applaus im Publikum.

"Wow, ich bin jetzt mal ein Bad Boy!"

Mehr und mehr verfestigte sich der Eindruck, dass Reil vor allem zur AfD wechselte, weil er hier mehr Aufmerksamkeit bekommt. Sie habe ihn auf einem Parteitag der SPD noch nie gesehen, sagt Demirkan. Doch seit er zur AfD gewechselt sei, würde er auf einmal gehört. "Wow, ich bin jetzt mal ein Bad Boy!" "Wumm, wumm, wumm" - so würden auf einmal die Kameras auf ihn gerichtet.

Das letzte Urteil sprach der "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt. Er warf Reil vor, in der Sendung andere Ansichten zu vertreten als im privaten Gespräch. "Sie tun Ihrer Biographie hier keinen Gefallen", sagtr er dem AfD-Mann. "Wir haben uns vor der Sendung 45 Minuten lang unterhalten und nun gehen die Lichter der Kameras an und Sie fahren hier in eine ganz andere Rolle."

Er meinte auch, Reils Motive dafür zu kennen: "Sie wollen einen Listenplatz in NRW, die sind natürlich begrenzt. Und dafür müssen Sie nun den Hardliner rausholen."

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(lk)