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Das passiert mit Kindern, denen man alles erlaubt

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CHILD PESTER
Das passiert mit Kindern, denen man alles erlaubt. | Purestock via Getty Images
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Wir kennen es alle: Dieses eine Kind, das immer alles bekommt, wenn es quengelt. Es steht mit einer Extra-Portion Süßigkeiten an der Supermarktkasse mit seiner Mutter vor uns, es ging mit uns zur Schule (in den neuesten Markenklamotten) und es wird mit unseren Kindern im Sandkasten spielen und dabei so lange schreien, bis ihm sein Papa endlich die Schaufel bringt, damit es die Sandburg des anderen Kindes zerstören kann.

Wenn ihr solche Kinder immer schon furchtbar fandet, dann lasst euch sagen: Die Wissenschaft gibt euch recht. Wer seinen Kindern alles erlaubt und ihnen jeden Wunsch erfüllt, der tut ihnen nichts Gutes.

Eltern sollten der Quengelei nicht nachgeben – tun es aber viel zu oft

Klar können Eltern ihren Kindern gar nicht zu viel Liebe und Aufmerksamkeit schenken, aber ab einem bestimmten Alter sollten sie ihnen darüber hinaus auch einen festen Rahmen bieten können, nach dem sich das Kind richten kann.

Das Zauberwort: Konsequenz

Wenn das Kind also an der Supermarktkasse nach Süßigkeiten quengelt – dann sollte man nicht nachgeben, auch wenn es nicht aufhört, zu betteln. Wenn man einknickt, bringt man seinem Kind bei, dass es Erfolg haben wird, wenn es keine Ruhe gibt.

Und dieser Erfolg durch Quengeln tritt wohl sehr oft ein, wie ein Report der britischen Marktforschungsagentur "Opinion Matters" zeigte: 43 Prozent der befragten Kinder gab an, dass sie nicht nachgeben würden, wenn sie etwas wirklich haben wollen. Davon sind 62 Prozent mit dieser Strategie erfolgreich.

Kinder müssen Selbstkontrolle lernen

Und das kann negative Auswirkungen haben: Die Kinder lernen nicht, sich zu kontrollieren und sehen alles als selbstverständlich an – ohne sich dafür anstrengen zu müssen.

Das kann sich auf ihr späteres Leben auswirken. Der amerikanische Verhaltensforscher Walter Mischel zeigte in einem Belohnungsexperiment, dass Kinder, die sich kontrollieren können, im späteren Leben nicht nur in der Schule, sondern auch im Beruf erfolgreicher sind.

Mischel entwickelte das berühmte Marshmallow-Experiment, das er an der Stanford University durchführte. Er ließ Kinder wählen, entweder ein Marshmallow sofort zu essen oder eine Viertelstunde zu warten und dann als Belohnung ein zweites Marshmallow zu erhalten.

Kinder, die sich kontrollieren können, sind später erfolgreicher

Dabei beobachtete er über einen längeren Zeitraum, dass die Kinder, die lieber auf die Belohnung warteten, später im Leben erfolgreicher waren, wie er im Interview mit dem Wissensmagazin "Spektrum" erklärte:
"Unsere Langzeitstudie zeigte: Wer als Kind länger auf die Belohnung warten konnte, erreichte im Schnitt ein höheres Bildungsniveau, mied Drogen und hatte auch einen niedrigeren Body-Mass-Index."

Sein Experiment, sei zwar kein Indikator für die individuelle Entwicklung von Kindern – allerdings leitet der Forscher daraus bestimmte Erziehungstipps ab, die die Selbstkontrolle von Kindern fördern sollen.

Mischel rät zu Konsequenz: "Wenn Sie Kindern etwas versprechen, sollten Sie es auch halten. Das gibt Kindern ein Gefühl der Verlässlichkeit; nur so können sie schließlich lernen, dass sie etwas erreichen, wenn sie sich anstrengen.“

Eltern sollten sich vorher überlegen, ob sie zustimmen oder ablehnen

Seinem Vorschlag schließt sich auch die Psychologin Claire Halsey an. Sie sagte der britischen Ausgabe der Huffington Post: „Das Wichtigste ist, konsequent zu bleiben. Nehmen Sie sich Zeit, über die Bitte Ihres Kindes nachzudenken und wenn Sie sich für ein Nein entschieden haben, dann bleiben Sie dabei. Wenn Sie später nachgeben, dann bringen Sie Ihrem Kind nur bei, dass sich seine Hartnäckigkeit auszahlt.“

Und dann stehen Eltern nicht nur unter Dauerbeschuss von Quengeleien und Forderungen – ihr Kind wird es auch im späteren Leben schwerer haben, wenn es mal auf sich allein gestellt ist.

Das soll nicht heißen, dass man Kindern keine Süßigkeiten oder Geschenke mehr machen sollte – das betonen alle Wissenschaftler – sondern, dass man einfach zu seinen Aussagen stehen sollte.

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(juk)